Kristina Rabe aus Schildow und die Ukrainehilfe Gutengermendorf/Meseberg sind die Preisträger des Ehrenpreises für Toleranz und Zivilcourage des Landkreises Oberhavel im Jahr 2022. Dies hat die Jury in ihrer Sitzung Ende August entschieden. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landkreises hervor. Der Preis würdigt Menschen, die sich durch ihr Engagement und ihren Einsatz für ein weltoffenes und tolerantes Oberhavel einsetzen. Er wird in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben und ist mit einem Preisgeld in Höhe von insgesamt 2000 Euro dotiert.
Kristina Rabe wird für ihr mutiges und couragiertes Verhalten ausgezeichnet. Die 19-jährige Schülerin der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule hat sich Anfang Juni nachts in der S-Bahn Richtung Schildow schützend vor einen Obdachlosen gestellt. Der Mann wurde von einem Mann beschimpft und getreten. Die 19-Jährige bewies mit ihrem Einschreiten Mut.

Vater ist stolz auf seine Tochter

Nach einem heftigen Wortgefecht ließ der Angreifer schließlich aufgrund des beherzten Eingreifens der Abiturientin von seinem Opfer ab. „Ich bin sehr stolz auf das Handeln meiner Tochter und natürlich auch sehr froh, dass nicht mehr passiert ist. Wenn alle so agieren würden, wäre unsere Welt ein wenig sicherer und besser“, schreibt Ralf Rabe, der seine Tochter für den Preis vorgeschlagen hatte, in der Begründung. Die 19-Jährige erhält für ihr mutiges und beherztes Verhalten ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro.
Nicht nur Kristina Rabe erhält den Ehrenpreis. „Am 24. Februar.2022 wurden die demokratischen Grundfeste in Europa erschüttert. Seither tobt ein Angriffskrieg Russlands in der Ukraine“, leitet die Kreisverwaltung den weiteren Gewinner ein. Die Ukrainehilfe Gutengermendorf/Meseberg habe insbesondere in den ersten Wochen des Krieges bis zu 50 geflüchtete Menschen – vor allem Frauen und Kinder – aus der Ukraine privat aufgenommen, mit Dingen des täglichen Lebens versorgt, war und ist Ansprechpartner bei der Ankunft in Deutschland und bei Behördengängen.
Die Ukrainehilfe Gutengermendorf/Meseberg wird ausgezeichnet. Besonders Frauen und Kinder aus der Ukraine konnten aufgrund des Ehrenamts aufgenommen werden.
Die Ukrainehilfe Gutengermendorf/Meseberg wird ausgezeichnet. Besonders Frauen und Kinder aus der Ukraine konnten aufgrund des Ehrenamts aufgenommen werden.
© Foto: Ukrainehilfe Gutengermendorf
Die Flüchtlingshelferinnen und -helfer aus Gutengermendorf und Umgebung organisieren noch immer Sprachkurse und bieten auf der Ponyfarm Gutengermendorf und im Dorfkrug in Meseberg Raum für Zusammenkünfte und Hilfestellungen aller Art an. Die Geflüchteten können so zur Ruhe kommen und haben Vertrauen gefasst für eine bessere Zukunft. Vor allem die geflüchteten ukrainischen Kinder haben durch Ausflüge in die Umgebung Anschluss, Vertrauen und Freunde in der neuen Heimat Oberhavel gefunden, die es ihnen erleichtern, die schrecklichen Erlebnisse des Krieges zu verarbeiten.
„Die Ukrainehilfe steht stellvertretend für hunderte engagierte Helferinnen und Helfer in Oberhavel, die den Geflüchteten aus der Ukraine selbstlos und schnell geholfen haben. Ohne dieses private ehrenamtliche Engagement hätte Oberhavel diese Krise nicht meistern können“, so Sozialdezernent Matthias Kahl. „Deshalb können wir nur ein weiteres Mal Danke an alle freiwilligen Helfer sagen und darauf hoffen, dass sie in ihrem Engagement nicht nachlassen, denn niemand weiß, was uns im Herbst und Winter erwarten wird.“
Auch das mutige Verhalten von Kristina Rabe sei aller Ehren wert. „Sich als junge Frau so couragiert für ein schwächeres Mitglied unserer Gesellschaft einzusetzen, hat Vorbildcharakter. Ich bin sehr stolz und dankbar, dass sich in unserem Landkreis so viele Menschen freiwillig für andere einsetzen. Oberhavel braucht Menschen wie sie.“

Über den Ehrenpreis für Toleranz und Zivilcourage

Den Ehrenpreis für Toleranz und Zivilcourage vergibt der Landkreis Oberhavel seit dem Jahr 2018. Mit der Auszeichnung soll all jenen Menschen Anerkennung und Dank gezollt werden, die sich durch ihr Engagement und ihren Einsatz für ein weltoffenes und tolerantes Oberhavel einsetzen. Denn Oberhavel steht für eine weltoffene, tolerante und solidarische Gesellschaft.
Darüber hinaus sollen mit dem Preis Menschen gewürdigt werden, die durch aktives Handeln, trotz drohender Nachteile für die eigene Person, für die Wahrung humaner und moralischer Werte, für die Integrität und die legitimen, kollektiven, primär nicht-materiellen Interessen anderer eintreten. Mit dem Preis soll somit nicht zuletzt ein deutliches Zeichen für Toleranz und Zivilcourage gesetzt werden.
Den Toleranzpreis im Jahr 2021 erhielten die Gruppe „Laptops für Homeschooling“ sowie die Willkommensinitiative Borgsdorf, deren Mitglieder sich für eine Willkommenskultur einsetzen und Geflüchtete unterstützen. Der erste Ehrenpreis für Toleranz und Zivilcourage ging im Jahr 2018 an die Initiativgruppe Mixed Pickels aus Velten und an Edith Freifrau von Thüngen aus Kremmen.