120-mm-Glattrohrkanone am Turm
: Bundeswehr: Wenn der Leopard 2 in Klietz das Schießen übt

Die auf dem Truppenübungsplatz Klietz benutzte Munition für Leopard-2-Kampfpanzer besteht nicht aus abgereichertem Uran.
Von
René Wernitz
Havelland
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  • So sieht ein Leopard-2-Kampfpanzer aus, aufgenommen 2017 auf dem Truppenübungsplatz Klietz. Die 120-mm-Glattrohrkanone stammt von der Firma Rheinmetall.

    So sieht ein Leopard-2-Kampfpanzer aus, aufgenommen 2017 auf dem Truppenübungsplatz Klietz. Die 120-mm-Glattrohrkanone stammt von der Firma Rheinmetall.

    Harzmann
  • Ohne Wolframcarbid-Munition: Schießübung auf dem Truppenübungsplatz in Klietz.

    Ohne Wolframcarbid-Munition: Schießübung auf dem Truppenübungsplatz in Klietz.

    harzmann
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Hin und wieder, zuletzt 2017, zählt auch der Leopard 2 genannte Kampfpanzer zu den Gästen. Auf dem Turm hat er eine mächtige Kanone, die der des US-Panzers M1 Abrams nicht nur ähnlich sieht. Das wirft Fragen auf. Die Deutschen blieben sich treu nach dem Zweiten Weltkrieg, dessen Ende sich 2020 zum 75. Mal jährt. Nach Raubkatzen sind die Kampfpanzer weiter benannt - einst Tiger, heute Leopard. Indessen gingen die Panzer bzw. Tanks aus sowjetischer Produktion als T-Modelle in die Geschichte ein. Der T-34 kam im Krieg zum Einsatz, zu dessen Nachfolgern der T-72 gehört, der bis zum Herbst 1989 auch dazu diente, das deutsche Volk im Osten vor dem im Westen zu schützen. Er gilt als meistverkaufter Panzer weltweit. Im Zweiten Golfkrieg (1990) und im Irak-Krieg (2003) kam es zum Aufeinandertreffen von T-72 und M1 Abrams. Die US-Panzer waren weit überlegen, auch wegen ihrer Kanonen und der verwendeten Munition.

Reststoffe von Uranmunition bergen Gefahren 

Böse Geschichten sind im Umlauf, was sogenannte Uranmantelgeschosse anrichten. Die Besatzung eines voll getroffenen Panzers wird binnen weniger Sekunden sozusagen eingeäschert. „Uran-Geschosse entfalten aufgrund ihrer extrem hohen Dichte eine größere Durchschlagskraft als konventionelle Munition. Außerdem entzündet sich das nach einem Treffer zu Staub gewordene und extrem erhitzte Metall im Inneren des Panzers oder Gebäudes selbst, das getroffene Ziel verbrennt. Dabei entsteht ein Uranoxid-Aerosol in der Größe eines Nano-Partikels, das sich mit dem Wind weiträumig verteilt und mit Staub immer wieder aufgewirbelt wird“, wie es auf www.attac-netzwerk.de heißt, wo ausführlich auf Uranmunition und ihre möglichen Spätfolgen eingegangen wird.

Einer, der zum Thema sehr intensiv recherchierte, ist der Kölner Frieder Wagner, der vor etwa einem Jahr sein Buch „Todesstaub - Made in USA: Uranmunition verseucht die Welt“ in den Handel brachte. 2004 hatte er noch für die TV-Doku „Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra“ den Europäischen Fernsehpreis des Umwelt-Film-Festivals „Ökomedia“ erhalten. Diese lief sogar im Westdeutschen Rundfunk (WDR). Indes war die 2007 produzierte Doku „Deadly Dust - Todesstaub“ noch nicht im Fernsehen zu sehen. Sie ist aber auf DVD und Youtube verfügbar.

Im Grunde geht es darum, dass die Uranoxid-Aerosole sich im Wüstenstaub abgelagert hätten und mit dem Wind durchs Land getragen würden. Wer sie einatmet, könnte demnach radioaktive Probleme bekommen. Das in der Munition verwendete strahlende Grundmaterial, abgereichertes Uran, entsteht sozusagen als billiges Abfallprodukt bei der Anreicherung von Uran für die Kernkraft.

Die Bundeswehr verwendet keine Uranmunition

Der M1 Abrams kann Uranmunition verschießen. Am Turm befindet sich eine 120-mm-Glattrohrkanone, ein Lizenzprodukt. Ursprünglich entwickelt wurde die Kanone von der Firma Rheinmetall für deutsche Leopard-Panzer. Westhavelländer müssen aber nicht fürchten, dass Uranmantelgeschosse auch bei Gefechtsübungen des Leopard 2 in der Klietzer Heide zum Einsatz kommen. Denn die Bundeswehr setzt generell auf Wolframcarbid statt auf Uran.

Es bildet keine Aerosole, die womöglich eingeatmet werden könnten. Allerdings könnten Splitter oder Bruchstücke gemeine Folgen haben, sofern sie in bzw. unter die Haut gelangen. Schon Anfang der 2000er Jahre wurde das an Ratten getestet, wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel einst schrieb unter der Überschrift „Wolfram-Geschosse lösen Krebs aus“. Der Beitrag ist weiter auf www.spiegel.de verfügbar.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Westhavelländer Wolframcarbid-Splitter eintreten, strebt schon deshalb gegen Null, weil der Truppenübungsplatz Klietz ein Sperrgebiet ist.  Zudem verschießen Leopard-2-Kampfpanzer bei Übungen keine Wolframcarbid-Munition, wie Hauptmann Patrick Becker gegenüber BRAWO erklärt. Er ist auf dem Truppenübungsplatz für die Beantwortung von Presseanfragen zuständig.

Becker führt aus, dass die dort benutzte Munition aus einem Stahlkern besteht, aber ähnliche ballistische Eigenschaften besitzt. Überdies wären mehrmals im Jahr Instandsetzungszeiten angesetzt, „in denen intensive Suche nach Blindgängern, Munitions- oder Geschossresten vorgenommen wird. Dabei sind strenge Munitions- und Arbeitssicherheitsmaßnahmen vorgeschrieben“, so Hauptmann Becker weiter.

Indessen könnten sich die Zeiten ändern, was den generellen deutschen Nichtgebrauch von Uran-Munition betrifft. Denn in Russland wird nun nach und nach eine Neuentwicklung in Dienst gestellt, die sehr gut gepanzert ist. Zur 70-Jahrfeier des Sieges über Hitler-Deutschland (2015) war auch der Prototyp des T-14 während der Militärparade über den Roten Platz in Moskau gerollt.

Kurz zuvor hatte der Spiegel über Forderungen des Ex-Chefs des Planungsstabs im Bundesverteidigungsministerium, Volker Rühle, geschrieben, die deutschen Leopard-Panzer mit Uranmunition auszurüsten. Rühle meinte demnach, so ist es weiter auf www.spiegel.de unter der Überschrift „Russland feiert seinen neuen Super-Panzer“ zu lesen, dass schon heute konventionelle deutsche Geschosse die Panzerung russischer Panzer nicht durchschlagen könnten. Was umso mehr für den neuen T-14 gelte.

Gemeinsames deutsch-französisches Rüstungsprojekt 

Die deutsche Antwort auf die russische Panzerung könnte aber auch in einer von Rheinmetall produzierten Super-Kanone vom Kaliber 130 Millimeter bestehen. Aktuell laufen Vorbereitungen für ein deutsch-französisches Rüstungsprojekt, durch das der Leopard 2  in den 2030er Jahren durch einen neuen Kampfpanzer abgelöst werden würde. Die dann ebenso neuartige am Turm montierte Kanone von Rheinmetall hätte wegen ihres  Kalibers weit größere Durchschlagskraft als das 120-mm-Modell.