Das gibt es im Fischerstädtchen auch nicht alle Tage. In extravaganten, frechen Charleston- und Flapper-Kleidern, die Jungen lässig mit Schiebermütze, so tanzte die Ketziner Jugend nach entsprechender Musik aus dem Grammophon in bester Stimmung ganz im Stile der Goldenen Zwanziger in einem der vielen Schaubilder im Festumzug durch die Rathausstraße.
In Ketzin/Havel gab es mehrere Gründe, gleich drei Tage Fischerfest zu feiern. Vor 825 Jahren, im Jahre 1197, schenkte Markgraf Otto II. dem Bischof von Brandenburg die Einnahmen der Ketziner Kirche. Weil das Siegel an der Urkunde echt ist, gilt dies als Ersterwähnung der Stadt. Und nachdem im Jahre 1939 eine uralte Tradition der Ketziner Fischer wiederbelebt wurde, feierten die Havelstädter mit ihren Gästen ihr 30. Fischerfest.

Umzug mit Prinzen und Königen

Und die erlebten einen vom Ketziner Blasorchester und, traditionell, vom Bürgermeister gemeinsam mit Fischerkönigin und Fischermeister im Fischerkahn angeführten, der Historie angemessenen Festumzug durch 825 Jahre Stadtgeschichte. So gaben sich Prinzen, Kurfürsten und Könige, unter ihnen Friedrich Wilhelm III. mit seiner Gemahlin Luise ebenso die Ehre, wie Theodor Fontane und der das erste Ketziner Krankenhaus stiftende Ziegeleibesitzer Albrecht sowie der letzte noch bis 1946 am Brückenkopf Ziegel produzierende Fritz Jöllenbeck.
Natürlich reihten sich Ketziner Vereine, Betriebe und Kitas mit ihren originellen Schaubildern temperamentvoll in das mit fast 300 Mitwirkenden lebhafte Band durch die Stadtgeschichte ein. Als Udo Feist in seinem Marktschreier-Kostüm auf dem Markt die ehrenamtlichen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr als letzte des Zuges ankündigte, waren Fischermeister Lutz Schröder und Fischerkönigin Aurora Melich („sie soll Glück bringen“) längst mit dem Fischerkahn auf der Havel unterwegs, um das fast 450 Meter lange Schleppnetz für den Großen Fischzug auszulegen.

15 Kilogramm Wels in der Havel gefangen

Na ja, ganz wie im 19. Jahrhundert lief der Fischzug nicht ab. Der fand damals auf dem Trebelsee statt, wo es auch das heutzutage vom Bürgermeister für die Fischer spendierte „Fangwasser“ gab. Und nach dem Fischzug erhielten die Honoratioren der Stadt die besten Exemplare. Am Sonntag wurden sie versteigert, so an die 120/130 kg. Darunter ein auf 15 Kilogramm geschätzter Wels. Anders als bei den Zandern und Aalen gingen die Gebote eher zögerlich von 60 Euro nach oben.
Mit Festumzug, Fischfang und viele Spaß feierte Ketzin/Havel Jubiläum

30. Ketziner Fischerfest Mit Festumzug, Fischfang und viele Spaß feierte Ketzin/Havel Jubiläum

Für 100 Euro nahm ihn Thomas Brunk mit. „Natürlich braten und kochen“ freute sich der Schönwalder auf das üppige Mahl. „Nee, das macht mein Mann“, reagierte die Gattin auf die Frage nach dem Putzen des Prachtexemplars. „Den Erlös der gesamten Versteigerung spende ich für einen guten Zweck in der Stadt Ketzin“, verkündete der Fischermeister. Und Bürgermeister Bernd Lück wusste auch schon wofür. Die besten Schaubilder des noch lange in Erinnerung bleibenden Festumzuges sollen prämiiert werden. Da die Stadt dafür kein Geld hat, bat Cheforganisatorin Birgit Behr Sponsoren bereits vor dem Fest Sponsoren um Unterstützung.

Auch 2023 wieder ein Fischerfest geplant

Nun, da alles dem Doppeljubiläum entsprechend angemessen ablief, dankte Birgit Behr ihrer großen Fangemeinde, die mit ihr seit Jahren den Höhepunkt der jährlichen Fischerfeste vorbereitete. Die Prämien für 2023 sind ja bereits gesichert. Und Bürgermeister Lück kann sich als künftiger Pensionär mit einem Fotoalbum an die Festumzüge erinnern. Das schenkte ihm mit bewegten Worten die Ideengeberin der Festumzüge.
Wer das 31. Fischerfest organisiert, ist noch völlig offen, denn der Vertrag mit der Firma Coex läuft aus und Geschäftsführer Heieck wollte sich zu einer Verlängerung noch nicht äußern.