„Vaters Kuchen“
: Lieder von Gerhard Gundermann in der Auferstehungskirche

Gitarrist Burghard Schurich spielte Lieder von Gerhard Gundermann in der Auferstehungskirche in Rathenow.
Von
Rita König
Rathenow
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Burghard Schurich sang Gundermann-Lieder in der Auferstehungskirche in Rathenow.

Rita König

Pfarrer Buchholz eröffnete das Konzert mit einem Text über scheinbar unerfüllbare Ziele und die positiven Wendungen, die sich dennoch ergeben können. Der Musiklehrer und Gitarrist Burghard Schurich nahm diesen Faden auf und formte seinen Auftritt mit Liedern von Gerhard Gundermann zu einem Reigen aus Klängen und Geschichten.

Das Leise des ersten Teils war dabei unbeabsichtigt, denn erst, nachdem ein junger Mann den Künstler in der Pause darauf aufmerksam machte, konnte die Tonanlage den Gesang weitertragen und den Raum des Kirchenhauses ausfüllen. Leise blieben jedoch die Wünsche, Gedanken und Begebenheiten, von denen Gundi in seinen Liedern erzählt. Neben ein wenig Wehmut und Zweifel klingt immer die Hoffnung mit und die Gewissheit, dass jeder etwas tun kann. Die eigene Frau umarmen, die Arbeitskollegin trösten, sich an die Kindheit erinnern bei der Erziehung seiner Kinder. Wer kennt sie nicht, die Leute aus der „Nachbarschaft“, die Gundi beschreibt, als wohne er nebenan. Wer hat sich nicht schon einmal so verloren gefühlt wie im „Niemandsland“, oder dem geliebten Menschen statt „poppig bunter Wundertüten“ nur einen Sonnenuntergang bieten können?

Burghard Schurich nahm die Zuhörer mit, bezog sie ein, ermunterte sie zum Klopfen und Schnipsen. Jedes Mal, wenn die Gitarrenklänge leiser wurden, waren die Mitsingenden deutlicher zu hören. Kaum jemand im Publikum, der nicht den einen oder anderen Refrain kannte, viele, die von der ersten bis zur letzten Zeile dabei waren.

Der Künstler verband die Erfahrungen, die Gundermann in seinen Liedern beschreibt, mit seinen eigenen, mit schmerzhaften, freudigen und nachdenklich stimmenden. Ein persönlicher Abend, der dem Baggerfahrer und Poeten, der Gundermann war und als den viele Ältere ihn kannten, eine aktuelle und überdauernde Note gab.

Der Geruch von Flieder, die nächtliche Autofahrt nach Hause, die Angst vor Überforderung, für andere da zu sein, die Unmöglichkeit, allen helfen zu können und der Versuch, das Herz für einen Tag wenigstens davor zu schützen. Um es am nächsten Tag wieder zu öffnen.

Burghard Schurich hat Gerhard Gundermann nie live erlebt, er fand erst kurz vor Gundis Tod zu seiner Musik. „Der 7. Samurai“, eine LP, die 1993 erschien, wurde für ihn der Grundstein dafür, sich mit dem Liedermacher und Menschen zu beschäftigen und sich oft selbst wiederzuerkennen.

Gundi ist nur 43 Jahre alt geworden. Er hat nicht nur für sich getextet und komponiert, viele Zeilen für Silly stammen ebenfalls aus seiner Feder. Heute hat Gerhard Gundermann Liebhaber in Ost und West. Die „Seilschaft“, Gundis Band, tritt noch immer auf, die „Randgruppencombo“ aus Tübingen spielt jährlich in Tübingen, Berlin und Leipzig, die „Steinlandpiraten“ treten in Berlin und Umgebung auf. Mit Burghard Schurich gibt es nun auch einen Havelländer, der die alten Texte singt und spielt und ihre Aktualität unter Beweis stellt.

Eva Lehmanns Worte des Dankes gingen im Applaus der begeisterten Zuhörer unter, bevor der Künstler die erhofften Zugaben sang. Auf Initiative der Evangelischen Kirchengemeinde konnte er in der Auferstehungskirche den Rathenowern, Urlaubern und Gästen aus Brandenburg einen Sommerabend mit „nem richtig guten Sonnenuntergang“ präsentieren. „Und was sollte besser sein als so ein Abend im Frieden“. Gundi hätte das gefreut.