Apostelgeschichte: „Fröhliche Pfingsten!“

Ländliche Pfingstidylle auf einer Postkarte des Jahres 1913. An diesem Sonntag und am Montag feiern Christen die "Ausgießung des Heiligen Geistes". Was das bedeutet, erschließt sich in der Bibel (Apostelgeschichte (2,1-41).
Peter WittstockNatürlich ist das der Fantasie entsprungen. Doch vor annähernd 2.000 Jahren soll es den damals noch wenigen Jüngern Jesu (Apostel) so ergangen sein, als sie sich nach dessen Himmelfahrt trafen. Das wird so gedeutet, dass der Heilige Geist von ganz oben auf sie ausgegossen wurde, was zu Pfingsten gefeiert wird. Allerdings ist das weit weniger geläufig als die Berichte über die Geburt Jesu (Weihnachten), seinen Kreuzestod (Karfreitag) und seine Auferstehung (Ostern). Daher freuen sich die meisten Menschen in der Region nur auf einen hoffentlich schönen Pfingstsonntag und einen ebenso angenehmen Pfingstmontag.
„Fröhliche Pfingsten!“, so titelte anno 1913 ein unbekannter Künstler seine aufwendig erstellte Karten–Szenerie ländlicher Idylle. Die Leute gehen spazieren, Familien sitzen beisammen im Gras und lassen es sich augenscheinlich gut gehen. Sie entspannen bei Speis’ und Trank. Der Gottesdienst ist wohl schon vorüber.
Pfingsten ist wie Ostern ein terminlich bewegliches Fest, also an kein festes Datum geknüpft. Ursächlich dafür ist der erste Vollmond des Frühlings. Am Sonntag nach seinem Erscheinen ist Ostern, 40 Tage später Christi Himmelfahrt und weitere zehn Tage später Pfingsten. Es vergehen also 50 Tage ab Auferstehung Jesu, ehe die „Ausgießung des Heiligen Geistes“ gefeiert wird, wie Pfingsten im "Glaubens–ABC“ auf der Webseite der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bezeichnet wird. Wie es sich dort erschließt, leitetet sich der Begriff „Pfingsten“ vom griechischen „pentecoste“ (50. Tag) her.
Ferner heißt es dort: „In der Apostelgeschichte (2,1—41) wird berichtet, dass sich die Jünger Jesu am 50. Tag nach Ostern in einem Haus versammelten und dort den Heiligen Geist empfingen. Er versetzte sie in die Lage, mit Menschen zu sprechen, deren Sprache sie ursprünglich nicht beherrschten. Jerusalem war an diesem Tag, an dem das Wochenfest gefeiert wurde, mit Pilgern überfüllt. Sie waren aus vielen Ländern angereist und überrascht, die Jünger in der eigenen Muttersprache reden zu hören. Zuschauer hatten für dieses Geschehen nur Spott übrig, denn sie hatten den Eindruck, die Gläubigen seien betrunken.“
Doch muss es damals genug Menschen in Jerusalem gegeben haben, die das anders empfanden. Denn laut EKD gilt Pfingsten als Geburtstag der Kirche und Beginn der weltweiten Mission. Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung glaubt nun an das, was die Apostelgeschichte über die Ereignisse 50 Tage nach Auferstehung Jesu berichtet. Und egal ob Christ oder nicht, können sich in Deutschland die meisten Arbeitnehmer auf einen freien Pfingstmontag freuen. Gut also, dass die von Arbeitsgeberverbänden geforderte Abschaffung des Feiertags im Jahr 2005 durch eine große Mehrheit im Bundestag abgelehnt wurde. Nur die FDP hatte damals für die Abschaffung gestimmt.