Apotheken im Havelland: Erhöhte Nachfrage auch bei Arzneimitteln
„Als erste Schutzmaßnahmen wurden Spuckwände aus Plexiglasschutzscheiben installiert, eine Abstandsregelung für Kunden geschaffen und die Desinfektions– und Reinigungspläne neu geschrieben. Bis heute verzeichnen viele Apotheken eine verstärkte Nachfrage nach Händedesinfektionsmitteln (HDM), Mund–Nasen–Schutz (MNS) und FFP–2/3–Masken“, weiß Thomas Jaensch nicht nur aus der eigenen Erfahrung. Er ist Inhaber der Curland–Apotheke in Rahtenow.
Er verzeichnete zudem eine stark erhöhte Abgabe von Arzneimitteln seither. „Insbesondere als Anfang März bekannt wurde, dass Indien den Export von 24 Arzneistoffen, wie etwa Paracetamol und einige wichtige Antibiotika, stoppte und man annehmen konnte, dass sich Lieferungen aus China verzögern werden, erhöhten sich die Nachfragen auch bei uns“, so Jaensch.
Durch die Ende Februar explosionsartig gestiegene Nachfrage nach Händedesinfektionsmittel (HDM), Mund–Nase–Schutzmasken und Masken, kam es im März bei den Apotheken zunächst zu Lieferschwierigkeiten bei diesen Produkten. „Um die Versorgung mit HDM zu verbessern, erhielten die Apotheken am 4. März zwar die Erlaubnis Isopropanol–haltige HDM für die breite Öffentlichkeit herzustellen, doch der Mangel an Isopropanol und kleineren Plastikgefäßen begrenzte die Herstellung stark“, erinnert sich der Rathenower Apotheker. Nachdem verstärkt Engpässe in kritischen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Arztpraxen zunahmen, wurde den Apotheken ab Mitte März zudem erlaubt, auch Ethanol und 1–Propanol zur Herstellung von HDM zu verwenden.
Die Abgabe der Produkte war aber auf berufsmäßige Verwender beschränkt, um deren Versorgung sicherzustellen. „Erst mit der Verfügung vom 9. April dürfen Apotheken wieder private Verwender mit HDM versorgen. Dies erfolgt vorwiegend auf Basis ethanolhaltiger HDM, da es hier keine Lieferengpässe gibt“, so Jaensch weiter.
Apotheken, wie die in Rathenows Curlandstraße, geben in der Woche mehr als 100 Liter Hände– und Flächendesinfektionsmittel ab und versorgen damit Pflegedienste, Pflegewohnstätten, Arztpraxen, Ämter aber auch viele Firmen im Havelland. Allerdings sind Bezug und Verwendung von steuerbefreitem vergünstigtem Ethanol zunächst nur bis 31. Mai zulässig.
„Bei den Arzneimitteln nehmen jedoch die Lieferschwierigkeiten weiter zu“, zeigt sich Jaensch besorgt. Im täglichen Kampf um die Versorgungssicherheit gelinge es den meisten Apotheken immer noch, die Versorgung mit Arzneimitteln sicherzustellen, da ggf. auf eine andere Firma zurückgegriffen werden könne.
„An MNS und FFP–Masken scheint es nicht zu mangeln, da es unzählige Angebote hierfür gibt. Doch leider sind diese Angebote völlig überteuert, so dass sich die meisten Apotheken zurückhalten, diese Produkte, oft auch noch unklarer Herkunft, einzukaufen“, so der Curland–Apotheker. Kosteten bis Anfang März Mund–Nasen–Schutzmasken (MNS) 9 Cent das Stück und die FFP2–Masken 1,50 Euro, sollen nun die Einkaufspreise für den MNS bei 60 bis 90 Cent pro Stück und für die FFP2–Maske bei 5 bis 8 Euro liegen. Die Herkunft der Masken sei oftmals unklar. Erst wenn sich die Liefersituation und damit die Preise wieder etwas normalisiert haben, wolle die Curland–Apotheke wieder bei bekannten vertrauenswürdigen Lieferanten Masken bestellen. „Da in Deutschland neue Produktionsstätten für Schutzartikel den Betrieb aufnehmen, hoffen wir, dass ab Mai, Juni sich die Situation entspannen wird“, so Jaensch.

