Januar 2020: Die Hauptverwaltungsbeamten der westhavelländischen Kommunen formulierten ihre gemeinsame Forderung nach Taktverdichtung bei der Regionalexpressline 4 zwischen Rathenow und Berlin auf 30 Minuten, zumindest in den Stoßzeiten des Berufsverkehrs und lange vor dem Jahr 2034. Der Bahntakt war zuletzt auch Thema im Rathenower Bürgermeisterwahlkampf. Nun hieß es aus dem Rathaus der Kreisstadt, dass Rathenow die Pläne zur Taktverdichtung begrüßen würde. Mit dieser und weiteren hohen Anforderungen sind die Bieter in einem aktuellen Vergabeverfahren konfrontiert.

Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) agiert als Vergabebüro

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) agiert hierbei als Vergabebüro. Im Auftrag der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt wurden die drei Regionalexpressstrecken RE3, RE4 und RE5 ausgeschrieben. Das europaweite Vergabeverfahren für das „Netz Nord-Süd“ wurde bereits im September 2021 gestartet. Neuigkeiten dazu gibt es momentan keine: Das Verfahren befinde sich noch in der Angebotsphase, so ein VBB-Sprecher auf BRAWO-Anfrage, „daher gibt es noch keine konkreten Ergebnisse. Diese werden erst mit Zuschlag voraussichtlich im Herbst 2022 veröffentlicht.“

In den Spitzenzeiten zusätzliche Züge zwischen Rathenow und Berlin

Wer den Zuschlag erhält, hat sodann eine Vorlaufzeit von vier Jahren, um sich auf den zwölfjährigen Betrieb ab Ende 2026 vorzubereiten. Auch zwischen Rathenow und Berlin soll das Angebot ausgeweitet werden. „Hierzu sind in den Spitzenzeiten zusätzliche Züge zwischen Berlin und der Havelstadt unterwegs. Insgesamt gibt es dann täglich in den besonders nachgefragten Zeiten ein Angebot von zwei Zügen pro Stunde auf diesem Linienabschnitt – konkret von morgens ca. 5 Uhr bis 8 Uhr und nachmittags von 15 Uhr bis 20 Uhr“, wie der VBB bei Start des Vergabeverfahrens erklärt hatte.
Für Jörg Zietemann, stellvertretender und künftiger Rathenower Bürgermeister, sind die im Vergabeverfahren „Netz Nord-Süd“ vorgesehenen Taktverdichtungen ein Schritt in die richtige Richtung. „Leider müssen weitere vier Jahre vergehen, bis spürbare Verbesserungen für die Fahrgäste aus Rathenow und Umgebung geschaffen werden.“ Er will sich „mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die nun im Verfahren angekündigten Erweiterungen auch umgesetzt werden“. Gegebenfalls sei eine Verdichtung der Zugfrequenz auch schon vorher möglich, so Zietemann.
Indessen findet ein stündlicher RE4-Halt in Buschow und Nennhausen keine Erwähnung im Vergabeverfahren. Diesen fordert das Amt Nennhausen. Bislang halten die Züge nur morgens alle Stunde, sodann nur noch alle zwei Stunden.