Brandenburg
: Auch das Bundesland entstand am 3. Oktober 1990

Im Einheitsjubel vor 29 Jahren ging die Entstehung des Bundeslands Brandenburg, das in der Folge keine Ehe mit Berlin wollte.
Von
René Wernitz
Potsdam/Havelland
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Auf historischem Grund: Das wiedererrichtete Stadtschloss in Potsdam ist seit 2014 Sitz des brandenburgischen Landtags.

Weber

29 Jahre danach würde die Frage nach den vormaligen Verwaltungsbezirken, die zum 3. Oktober 1990 im hiesigen Bundesland aufgingen, für ein DDR–Quiz taugen. Rathenower und alle anderen heutigen Havelländer lebten im Bezirk Potsdam, der  mit Cottbus und Frankfurt (Oder) zu Brandenburg verwoben wurde.

Noch schwieriger ist die Frage zu beantworten, seit wann es das Land bzw. die Mark eigentlich gibt. Dazu bestehen widersprüchliche Annahmen. 2007 wurde ganz offiziell eine 850–Jahrparty an der Wiege der Mark gefeiert, basierend auf der 1157 erfolgten Eroberung der Brandenburg durch den Markgrafen Albrecht der Bär. Diese Jahreszahl taucht in der Geschichtsschreibung auf https://www.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.475256.de nun nicht mehr auf. Stattdessen heißt es dort: „Das Jahr 948 gilt als das Geburtsjahr der Mark Brandenburg.“ Damals war das Bistum Brandenburg gegründet worden. Das Gebiet der Mark Brandenburg sei bereits 937 erstmals erwähnt worden, wie es im Online–Landesportal auch heißt.

Eindeutig leitet sich indes der rote märkische Adler vom Wappen her, das die Askanier trugen. Am brandenburgischen Anfang dieses Herrschergeschlechts stand jener  Albrecht der Bär. Das  von ihm erlangte Brandenburg war im Kern zunächst wohl nicht viel mehr als das Havelland.

Zur territorialen Expansion setzten erst seine Nachfolger an. Im 13. Jahrhundert ging es gar über die Oder hinaus. Dortige brandenburgische Ländereien wurden als Neumark bezeichnet. Westliche Territorien der Markgrafen, also die  westlich der Elbe gelegenen Stammlande vor Übernahme Brandenburgs, sind noch heute als Altmark bekannt. Dazwischen bestand die Mittelmark, zu der das Havelland gehörte.

Ab dem 17. Jahrhundert war von Brandenburg–Preußen die Rede. Indem sich 1701 der damalige Kurfürst zum König von Preußen krönte, wurde Brandenburg zum Kernland eines Reichs, das sich nur vom Namen her aus dem Baltikum herleitete.

1815 wurde  die Provinz Brandenburg gegründet. Die Altmark wurde dabei abgetrennt, dafür kam die Lausitz hinzu. Freilich war Berlin damals noch Teil dieser Provinz. Die Herauslösung erfolgte erst 1881. Seitdem sind Berliner keine Brandenburger mehr.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschränkte sich Brandenburg auf die Gebiete westlich von Oder und Neiße. Die Neumark wurde polnisch.  Noch bis 1947 bestand die Provinz, dann wurde sie zum Land Brandenburg. Letzte Landtagswahl war 1950, obgleich es sich dabei um keine freie Wahl nach heutigen Maßstäben handelte. Im Jahr davor war aus der Sowjetischen Besatzungszone die DDR geworden, in der 1952 15 Bezirke gebildet wurden. Das Land Brandenburg als Verwaltungseinheit reduzierte sich in der Folge auf seinen Namen, bis er nicht mehr laut genannt wurde.

Am 2. Oktober 1990 verabschiedeten sich neben den Bezirken Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus auch die Bezirke Berlin,  Rostock, Schwerin, Neubrandenburg,  Magdeburg, Halle, Leipzig, Dresden, Karl–Marx–Stadt, Erfurt, Suhl und Gera aus der Geschichte. Der Hauptstadtstatus, den ab 1949 nur das östliche Berlin hatte,  ging nach der deutschen Wiedervereinigung auch auf den Westteil über.

Eine politisch intensiv vorbereitete Wiedervereinigung von Berlin und Brandenburg scheiterte am Unwillen der Märker — Feuerwerk und Ode an die Freude blieben an Havel und Spree aus. Hatte der 1996 durchgeführte finale Volksentscheid in Berlin eine knappe Mehrheit (53,4 Prozent) für die Länderfusion ergeben, fiel das brandenburgische Nein mit 62,7 Prozent deutlicher aus.