Auch im Landkreis Havelland wird es immer grüner. Doch auch beim besten politischen und gesellschaftlichen Willen kann der Umstieg auf E-Mobilität am dafür zu zahlenden Preis scheitern, der teils in unrealistische Höhen zu steigen scheint. Ein gutes Beispiel für ein deshalb missglücktes Vorhaben ist die Havelbus-Verkehrsgesellschaft.

Kein Elektrobus ab 2015

Basierend auf dem 2013 verabschiedeten Klimaschutzkonzept des Landkreises sollte mit der kreiseigenen Havelbus Verkehrsgesellschaft mbH über die Anschaffung eines ersten Elektrobusses verhandelt werden, der ab 2015 im Öffentlichen Personennahverkehr zum Einsatz kommen sollte. 2016 wurde die totale Ablehnung des Vorhabens verlautbart: „Das können wir dem Steuerzahler nicht aufhalsen. Am Ende muss es auch wirtschaftlich sein“, wurde seinerzeit der damalige havelländische Wirtschaftsdezernent Andreas Ernst in einem MAZ-Bericht zitiert.

Dreifach höherer Preis

Havelbus-Geschäftsführer Mathias Köhler bezifferte derweil die Kosten bei Anschaffung eines Elektrobusses mit rund 700.000 Euro, was dem dreifachen Preis eines herkömmlichen Busses mit Kraftstoffantrieb entsprach. Statt Vorreiter bei der Elektrotechnologie zu sein, wollte das Havelland lieber die Zahl der Havelbus-Fahrzeuge erhöhen.

Mangel an Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit

2017 legte die Havelbus Verkehrsgesellschaft im Fahrgastmagazin nochmals nach: „Aktuell behindern Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit den großflächigen Einsatz von Elektrobussen“, wie es in der ersten Ausgabe des Jahres hieß. Ein paar Sätze weiter stand: „Im vergangenen Jahr investierten wir in zehn neue Busse von der Marke Mercedes-Benz. Diese Fahrzeuge entsprechen dem neusten Entwicklungsstandard in Sachen Wirtschaftlichkeit und Umweltbelastung.“

Unter dem Vorbehalt ausreichender Förderung

Zuletzt, also im Jahr 2020, kamen vier neue Mercedes-Benz-Busse hinzu und sechs von MAN. Allesamt erfüllen sie die Euro-6D-Abgasnorm. Fast 50 Prozent aller Havelbus-Fahrzeuge würden diese Norm erfüllen, wie es seitens des ÖPNV-Unternehmens heißt. Ein Elektrobus gehört weiter nicht zum Fuhrpark. Doch plane Havelbus nunmehr die Anschaffung ab 2023. Unter dem Vorbehalt ausreichender Förderung sollen es zunächst drei E-Busse sein, ab 2024 weitere drei und sogar drei bis fünf ab 2025.

Aktuelle Förderrichtlinie des Bundes endet 2021

Gegenwärtig können ÖPNV-Unternehmen in Deutschland hohe Zuschüsse bei der Anschaffung von Elektrobussen in Anspruch nehmen sowie für die notwendige Ladeinfrastruktur. Der Bund steuert maximal 80 Prozent der förderfähigen Investitionsmehrkosten bzw. -ausgaben bei. Allerdings müssen gleich mindestens fünf E-Busse für den ÖPNV neu angeschafft werden, egal ob durch Kauf oder Leasing. Die Förderrichtlinie des Bundes trat 2018 in Kraft, gilt aber nur noch bis Ende 2021. Die Havelbus-Pläne wären also nur bei einer Neuauflage realisierbar.