Als „Stadt voller Energie“ bezeichnet sich Premnitz im westlichen Havelland. Ein Großteil kann jetzt nach Süden abgezweigt werden. Nach am Dienstag erfolgter offizieller Inbetriebnahme einer zweiten Rostfeuerungslinie verfügt die EEW Energy from Waste Premnitz GmbH (EEW) nun über die notwendige technische Voraussetzung, um den Stadtwerken Brandenburg an der Havel Fernwärme liefern zu können.
Die EEW-Gruppe mit Sitz in Helmstedt (Niedersachsen) betreibt insgesamt 17 Kraftwerksstandorte, einer befindet sich in Premnitz. Dampf für die Turbine wird nicht durch Verbrennung von Erdgas oder -öl erzeugt. Dort wird Müll verheizt, der nicht anderweitig verwertet werden kann. Die regionale Ressource Abfall wird aus verschiedenen Landkreisen geliefert. Freilich steuern auch Lkw der Havelländischen Abfallwirtschaftsgesellschaft (HAW) das Kraftwerk an. Zur bestehenden „Energetischen Verwertungsanlage für Ersatzbrennstoffe“ (EVE 1), auch Rostfeuerungslinie genannt, ist mit EVE 2 nun eine zweite Linie hinzu gekommen. Seit September 2021 befand sich diese im Probebetrieb. Am Dienstag wurde diese per Buzzer-Druck offiziell in Betrieb genommen.

In Premnitz können jährlich bis zu 300.000 Tonnen Müll verheizt werden

Im EEW-Kraftwerk der „Stadt voller Energie“ können jährlich bis zu 300.000 Tonnen Müll verbrannt werden. Dabei entstehender Dampf treibt die Turbine zur Stromerzeugung an oder fließt als Prozessdampf in den Industriepark Premnitz. Zudem wird Wasser erhitzt, das sodann Fernwärme bietet. Aktuell bauen die Stadtwerke Brandenburg an der Havel (StWB) eine rund 20 Kilometer lange Trasse zu sich. Durch EVE 2 hat die EEW-Gruppe jetzt die technischen Voraussetzungen zur Versorgung geschaffen. In der Nachbarstadt sind etwa 12.000 Haushalte an das StWB-Fernwärmenetz angeschlossen.
Die EEW-Gruppe, seit 2016 im Besitz der chinesischen Bejijng Enterprises Holdings Limited, hat in Premnitz 61 Millionen Euro in die zweite Linie investiert. Zudem wurde die Energieeffizienz durch Austausch der Turbine und des Generators verbessert, was der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) mit 4,7 Millionen Euro gefördert haben. Das zweite Kernstück des Projekts kostete insgesamt etwa 10 Millionen Euro. Seit Bestehen dieses Standorts flossen laut Unternehmensangaben rund 170 Millionen Euro ins Premnitzer EEW-Kraftwerk.