Fachkräfte-Gewinnung: Berufsorientierung hautnah

Premnitzer Oberschüler schauten sich auch bei der DOMO Engineering Plastics GmbH um. Dort wird das Granulat Polyamid 6 hergestellt.
Manuela BohmEin gut zu vernehmendes Seufzen ging durch die Reihen der 15 Schüler, als Marcel Müller, Werksleiter der DOMO Engineering Plastics GmbH ausführte, dass künftige Azubis gute Noten in Mathe, Physik und Chemie vorweisen müssten, um eine Ausbildung antreten zu können. Aber auch ein ausgeprägtes Interesse für das Premnitzer Unternehmen sei wichtig. Es bildet Verfahrensmechaniker für die Kunststoff und Kautschuk-Industrie und Chemikanten aus. Zudem ist ein Duales Studium bei entsprechendem Schulabschluss möglich. Zu 90 Prozent übernehme das Unternehmen seine Azubis nach Abschluss der Ausbildung, so Müller.
Während eines Rundgangs erlebten die Jugendlichen die Produktion des Granulats Polyamid 6. Aus einem gelieferten Rohmaterial wird der benötigte Rohstoff destilliert und weiter verarbeitet. Haushaltsgeräte, Skibindungen, Teile für Mobiltelefone und auch für Autos werden aus den Kunststoffen gefertigt, die an DOMO-Standorten in Deutschland, Italien, USA, China, Indien und Japan hergestellt werden.
Auch bei der Vogt-Plastic GmbH, bei der Märkischen Faser GmbH und beim Diakonischen Werk Havelland e.V. konnten sich die jungen Leute umschauen. Jeder der Achtklässler besuchte während der Berufe-Safari zwei der vier Betriebe. Um später noch zu wissen, was sie vor Ort erfahren haben, füllten sie Steckbriefe mit den wichtigsten Firmeninfos aus. Christina Österholz, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit, begleitet Oberschüler in der für die eigene Zukunft so wichtigen Orientierungsphase. „Solche Besuche in Betrieben bleiben den Schülern lang im Gedächtnis“, weiß Österholz aus Gesprächen.
Die Oberschule in Premnitz entwickelte verschiedene Methoden, die Schülern Orientierung auf dem Berufemarkt bieten. Ab der 7. Klasse wird mit dem Berufwahlpass gearbeitet - Stärken und Schwächen ermittelt. Dazu dient auch der Besuch am Aktionstag „komm auf Tour“ und ein Schnuppertag in einem selbstgewählten Betrieb. Für Anne Kupfer, Lehrerin für Wirtschaft, Arbeit und Technik (WAT), ist die 8. Klasse günstig gewählt für die Berufe-Safari. „Die Schüler erhalten erste Informationen zur Entscheidung, wo sie ihr Schülerpraktikum in den 9. Klassen absolvieren möchten“, so Kupfer. In den Klassen 9 und 10 geht es zu Ausbildungsbörsen und Fachmessen. Auch individuelle Beratungsgespräche werden an der Schule angeboten.
„Mit Projekten und Aktionen zur Berufsorientierung sollen die künftigen Auszubildenden einen Einblick bekommen, wie das Arbeiten in den Betrieben abläuft - vielleicht auch nur, um den einen oder anderen Beruf für sich auszuschließen“, sagt Melanie Speck, Sprecherin der für die Region zuständigen Arbeitsagentur.