Flüchtling: Joachim Matz gelangte über Griechenland in die Freiheit

Joachim Matz sitzt auf dem Holzhocker, der für den Anfang seiner Karriere steht. Ab Mittwoch stellt der international renommierte Künstler am Amtsgericht in Rathenow aus.
Manuela BohmAmtsgerichtsdirektor Ralf Weller holt Matz und einige seiner teils schwergewichtigen Gemälde in die Kreisstadt. Landgerichtspräsidentin Ellen Chwolik-Lanfermann hatte bereits die Ehre mit dem in Bützow (Landkreis Rostock/Mecklenburg-Vorpommern) geborenen Künstler. In ihrer Einrichtung in Potsdam wurde Teil 1 der Ausstellung am vorigen Donnerstag eröffnet, wo diese weiterhin zu sehen sein wird.
„Metallurgischer Pointillismus“ - so lautet der Titel. Matz hat 2002 damit begonnen, seinen Stil zu entwickeln. Punkt für Punkt schweißt er Metalle verschiedener Farbigkeiten auf Metall, etwa Stahl, Titan, Bronze, Gold etc. Zehn Jahre brauchte es, und einige verblitzte Augen und andere Verletzungen, wie Matz gegenüber BRAWO sagt, ehe die Technik saß. Die entstehenden Werke seien weder kopierbar, noch könne man sie fälschen. Jedes Werk sei das absolute Unikat.
Für Ralf Weller ist Matz nicht nur ein international renommierter Künstler, sondern auch ein Mann, "dessen Lebenslauf gerade im Jahr des Gedenkens an 30 Jahre Friedliche Revolution besonders bemerkenswert ist.“ Joachim Matz war als 16-Jähriger erstmals mit dem DDR-Gesetz in Konflikt geraten, als er während eines Fluchtversuchs geschnappt wurde. Ein Jahr und elf Monate saß er in der Heimatstadt (Ortsteil Dreibergen) im Gefängnis. Laut Matz’ Angaben, summieren sich alle Haftstrafen auf 7,5 Jahre. Er war nicht staatskonform und wollte einfach nicht in der DDR leben. 1985 gelang ihm die Flucht von der Tschechoslowakei aus, als er in einem Lkw versteckt in Griechenland ankam. Er lebte in der Folge unter anderem in England und den USA.
In Kempten (Bayern) waren er und seine Frau gemeldet, als sich im November 1989 die Mauer öffnete. Seine Geburtsstadt sah Matz zu Weihnachten des Wendejahrs wieder. Er traf in Bützow zufällig einen Mann, der während der Haftzeit als Wärter tätig und wohl recht freundlich war. Aus dieser herzlichen Begegnung resultiert das skurrile Weihnachtsgeschenk von 1989, das Joachim Matz auf eigenen Wunsch hin damals vom Ex-Wärter erhielt und ab diesem Mittwoch in Rathenow zeigt. Es handelt sich um den Holzhocker aus seiner Zelle.
Auf diesem hatte Matz gesessen, als er als Jugendlicher in zweijähriger Einzelhaft seine ersten Bilder malte. Der Rechtsanwalt hatte, das war auch das Einzige, diese Erleichterung im dreitägigen Strafprozess erreicht. Der Hocker steht am traurigen Anfang dieser Künstlerkarriere.