Laut Bahnpoststempel ging die abgebildete Premnitzer Postkarte vor 85 Jahren Richtung Stassfurt. Ein im Werk Beschäftigter grüßte seine Eltern herzlich. Das von Johann Lindenberg fotografierte Gebäude zeigt die damalige Gaststätte von  Richard Müller, wie der breite Schriftzug belegt. Errichtet wurde das geräumige Bauwerk bereits anno 1900.

Viele Namen für eine Gaststätte

Damals war A. Heinrichs der erste Wirt. Im Zusammenhang mit dem Bau der Brandenburgischen Städtebahn erhielt das Lokal 1904 den Namen „Gasthof zur Märkischen Städte-Bahn“. Ab 1935 übernahm Richard Müller die Geschäfte. Das beliebte Speise- und Tanzlokal wurde 1962 in „HO - Gaststätte Retorte“ umbenannt. Der Name Retorte stand (steht) symbolisch für den Chemiestandort Premnitz. Als „goldene Retorte“ (Reagenzgefäß) schwebte diese im ersten Stadtwappen über der Thälmannbrücke und dem nach links schwimmenden Fisch. 1984 wurde die Gaststätte in „Märkische Bierstube“ und „Retorte-Saal“ aufgegliedert.

Geschätzte Qualitäten

Ab 1990 erfolgte die Namensänderung in „Gasthof Premnitz“ ehe 2010  die erneute Umbenennung in „Gasthaus Retorte“ vorgenommen worden war. Geschätzt wurde (und wird) das Lokal wegen seiner kulinarischen Qualitäten, der preiswerten Unterbringung und aufgrund zahlreicher Veranstaltungen im Saal.   Neben typischen Tanzveranstaltungen und -Feiern führt der PCC (Premnitzer Carnevalsclub) seit Jahren im Saal seine beliebten Festsitzungen durch, außer 2020. 

Existenzängste

Das hübsch verklinkerte Äußere der Retorte täuscht über existentielle Hürden hinweg, die derzeit in der Gastronomie zu bewältigen sind. Alternativ zur Situation bietet Ecki Blume mit seinem Retorte-Team  Essen über den „Außer-Haus Verkauf“ (holen oder liefern) an.  Gern würde das Haus wieder Gäste empfangen und der PCC vor Publikum auftreten, um gemeinsam mit den „Dandys“ in dieser 120-jährigen Gaststätte für tolle Stimmung und gute Umsätze zu sorgen.

Einst und jetzt



Foto/Sammlung/Text: Peter Wittstock