Hanf ist heute eher als Cannabis ein Begriff. Wo die Pflanze angebaut wird, machen sich die Produzenten in der Regel strafbar. Auch in Rathenow und Umgebung gibt es hin und wieder Polizeimeldungen darüber, dass eine illegale Cannabisplantage ausgehoben wurde.
Derweil ist es schon lange her, dass sich mit Hanfanbau auch im Havelland legal Geld verdienen ließ. Einer, der zum Thema recherchiert hat, ist Werner Coch aus Premnitz.

Landmaschinen aus Rathenow

Coch ist ein industriegeschichtlich sehr interessierter Zeitgenosse. Die Verbindung hin zum landwirtschaftlichen Hanfanbau gelingt ihm durch Maschinen, die in Rathenow produziert wurden. Aus einer Annonce im Rathenower Adressbuch von 1938 weiß Coch, dass die Landmaschinenfabrik Richter neben anderen Maschinen aus eigener Produktion auch für eine Hanfdreschmaschine warb. „Bekannt geworden sind auch die Vorstellung dieser Maschine auf der Landmaschinenausstellung in Hamburg und die entsprechende Patentanmeldung aus dem Jahre 1935“, so Werner Coch.

Hanfanbau im Havelland

Kürzlich gab ihm der Landmaschinenexperte Martin Sander aus Schriesheim bei Heidelberg den Hinweis, dass es einen Bericht in den „Mitteilungen für die Landwirtschaft“ aus dem Jahre 1936 gebe, nach dem diese Richter-Maschine am 16. Juli 1935 in Bergerdamm bei Nauen, einem Schwerpunkt des regionalen Hanfanbaus, durch einen Dreschversuch einer praktischen Prüfung unterzogen worden sei. Die Prüfung sei durch Besichtigung weiterer Maschinen auf der Domäne Dreetz, auf dem Betrieb Bertram in Buschow, bei Dr. Schurig  in Markee und in der Hanffabrik bei Nauen fortgesetzt worden.

„Neu und beachtenswert“

Im Ergebnis sei die Hanfdreschmaschine von Richter als „neu und beachtenswert“ anerkannt und mit der Bronzenen Preismünze ausgezeichnet worden. Bei den Prüfern soll es sich um einen Dr. Müller und einen Dipl.-Ing Victor aus Berlin gehandelt haben.

Vielseitig nutzbarer Hanf

Laut Coch sei Hanf wegen seiner Vielseitigkeit bis ins 19. Jahrhundert hinein die am häufigsten in Europa angebaute Nutzpflanze gewesen. Etwa strapazierfähige Gewebe konnten aus den Fasern hergestellt werden. Mit der Einführung preiswerter Baumwolle ging die  Hanfproduktion schrittweise zurück, erfuhr aber vor dem Zweiten Weltkrieg kurzzeitig einen neuen Aufschwung, um im eigenen Land mehr Rohstoffe für Uniformen und Seile erzeugen zu können.

Abbildung von Hanfdreschmachine

Aus dieser Zeit liegt Coch eine Abbildung vor, die einen Eindruck von dieser in Rathenow produzierten Maschine vermittelt. Das ist durchaus bedeutsam in seinem Streben, der heimischen Landmaschinenindustrie ein Denkmal zu setzen. Es waren eben nicht nur optische und Ziegelindustrie, durch die die Stadt im westlichen Havelland einst bekannt wurde.

Industrielles Dreiergestirn in Rathenow

Um das industrielle Dreiergestirn in Szene zu setzen, plädiert Werner Coch dafür, den dritten Verkehrskreisel in der Berliner Straße (Höhe Goethestraße) dem Landmaschinenbau zu widmen. Dieser ist thematisch noch nicht besetzt, während der Kreisel nahe August-Bebel-Platz an die Ziegelindustrie und der Kreisel (Höhe Brandenburger Straße) an die optische Industrie erinnern.