Hof „Schwarze Kuh“
: Petra Mundry in Kleßen-Görne gab jedem ihrer Angus-Rinder einen Namen

Maria Mundry setzt bei der Rinderhaltung auf Transparanz. Das brachte ihr 2019 einen Wirtschaftsförderpreis des Landkreises Havelland ein.
Von
Silvia Passow
Kleßen-Görne
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Bei Maria Mundry haben alle Angus-Rinder einen Namen.

Silvia Passow

Maria Mundry, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin, hält im Nebenerwerb in Kleßen-Görne eine Herde mit 60 Angus-Rindern. Große, meist schwarze Fleischrinder, deren Fleisch als sehr schmackhaft gilt, wie nicht nur Mundry weiß. Gezüchtet werden sie selten, denn andere Rinderrassen bringen mehr Ertrag. Doch immer mehr Konsumenten sind bereit, für schmackhaftes Fleisch und besseres Tierwohl tiefer ins Portemonnaie zu greifen.

Man kennt das womöglich aus der Weihnachtszeit. Im Idealfall lebt und schnattert die Gans noch, wenn sie ausgesucht wird. Einen drauf setzen jene Leute bei der Auswahl, die sich schon zu Jahresbeginn in kleineren Betrieben umsehen. Die Gans watschelt Frühling und Sommer auf grüner Wiese entgegen, badet und lässt sich die Sonne auf die Daune scheinen. Der Besucher beobachtet die Entwicklung, überzeugt sich davon, dass es ihr gut geht. Warum er mit ihr liebäugelt, ahnt die Gans freilich nicht. Weihnachten liegt sie dann im Bräter.

So in Etwa ist das auch bei Maria Mundry,  nur dass auf ihren Ländereien keine Gänse schnattern. Bei ihr kann im sogenannten Rinderleasing eine Kuh bzw. ein Kalb erworben werden. So wie Norbert.

Dieses Rind wird noch eine Zeit lang draußen stehen und frisches Gras fressen. Es wird im Familienverbund groß, gemeinsam mit anderen ab und an einen Anhänger besteigen und zur nächsten Weide gefahren. Wenn Norbert dann eines Tages wieder auf den Anhänger steigt und zum Schlachthof gefahren wird, werde er den Unterschied zunächst gar nicht bemerken, so Mundry. Eben weil er  und die anderen Rinder den Transport gewohnt sind.

Dieser Umstand ist Mundry sehr wichtig. „Wir lieben unsere Kühe“, sagt sie. Auch wenn klar ist, dass die Kühe geschlachtet werden. Bis dahin aber soll es ihnen gut gehen, sagt die 37-jährige Landwirtin, die in Kleßen-Görne den Hof „Schwarze Kuh“   betreibt.

„Wir“, das sind vier Kinder, Ehemann und Maria Mundry, die vom Land stammt und in Görne aufgewachsen war. Oder besser gesagt im Kuhstall, wie sie sie meint. Etwas mit Tieren, am liebsten mit Kühen machen, das sei schon immer ihr Berufswunsch gewesen. Vom Leben auf dem Land war aber sie viele jahre lang meilenweit entfernt.

„Wir lebten in Berlin, am Rosenthaler Platz“, sagt sie. Und genau dort traf sie solche Menschen, von denen sie ahnte, dass sie Fleisch von glücklich lebenden Angus-Rindern kaufen würden. Kaum war das dritte Kind geboren, zog die Familie zurück aufs Land, nach Görne - in ein Dorf in der sogenannten Zweiten Reihe, wie man heute zu berlinferneren Regionen sagt. Nauen und die havelländische Kreisstadt Rathenow sind nicht weit, am nächsten gelegen ist die Stadt Friesack. Umgeben von sattem Grün weiden auch Mundrys Rinder.

Die Zucht startete im Mai 2016. Zwei Jahre braucht ein Angus-Rind bis zur Schlachtung. Das sind zwei Jahre Investitionen, ohne dass an Gewinn auch nur zu denken ist. Erst 2019 ging es an die Vermarktung des Rindfleisches. Dabei werden nicht nur Edelfleischstücke wie Filets und Steaks verkauft, hierbei geht das komplette Rind über die Theke.

Braten aus der Nuss, Schaufelbraten, Bürgermeisterstück, Tafelspitz und Nierenzapfen - nicht wenige dieser beinah in Vergessenheit geratenen Fleischspezialitäten gelten als wahre Delikatessen. Derweil erlebt Maria Mundry auch so etwas wie einen Run auf  Innereien und Ochsenschwänze. Das Fleisch vermarket sie selbst und über Marktschwärmereien.

Dabei erlebe sie die Freude und Dankbarkeit der Kunden, sagt sie. Etwas, was Kollegen in Großbetrieben fehle, deren Fleisch anonym in Supermarktregalen landet. Das findet die Landwirtin schade, weil Wertschätzung, wie sie sie für ihre Produkte erlebt, würden andere vielfach vermissen. Erst im Oktober wurde Mundry mit ihrer „Schwarzen Kuh“ mit dem Wirtschaftsförderpreis 2019 des Landkreises ausgezeichnet. Den Preis erhielt sie unter anderen, für die Transparenz, mit der sie ihr Rindfleisch vermarktet und damit Kundenvertrauen gewinnt.

Ihre Kunden, sagt sie, schätzen das Fleisch der Angus-Rinder. Das war einer der Gründe, warum sich Mundry für genau diese Rinder entschieden hat. „Diese Kühe haben einen tollen Charakter, keine Hörner, was die Haltung einfacher macht, und sie haben geringe Futteransprüche“, so Mundry. Die Rinder stünden ganzjährig auf den Weiden, hätten Unterstände, die im Sommer Schatten spenden. Mit Kälte kämen sie gut zurecht. Die Kühe bringen ihre Kälber auch auf den Weiden zur Welt. Mundry zieht ihnen lediglich noch Ohrmarken ein. Bullen, die für die Zucht nicht weiter in Frage kommen, werden kastriert und stehen mit der Herde auf der Weide. Und alle haben Namen.