Jederitzer Brücke in Rathenow
: Fehler bei der Sanierung in den 1990er Jahren

Der Denkmalstatus der Jederitzer Brücke in Rathenow wird wegen diverser Demontagen in den 90er Jahren in Frage gestellt. Bis auf das Fundament, die Träger und das Geländer gibt es keine historischen Elemente mehr.
Von
Simone Weber
Rathenow
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  • Die für den Kraftverkehr gesperrte Fahrbahn in Richtung Rhinower Straße.

    Die für den Kraftverkehr gesperrte Fahrbahn in Richtung Rhinower Straße.

    Weber
  • Die Jederitzer Brücke vom Wasser aus.

    Die Jederitzer Brücke vom Wasser aus.

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Der Sperrung voraus gegangen war ein Bericht im Bauausschuss. Ein Vierteljahrhundert lang war Brücke jährlich geprüft worden. Der einst verwendete minderwertigere Flussstahl gilt als stark rostanfällig.  Durch die häufig notwendig gewordene Rostentfernung hatte sich der Durchmesser der Stahlträger an der Jederitzer Brücke teilweise um bis zu 50 Prozent verringert.  Dazu kamen Fehler im Rahmen der Sanierung der Brücke Anfang der 1990er Jahre. Es wurde eine Edelstahlwanne eingebaut, die mit dem minderwertigen Stahl verbunden ist. Durch Ionenaustausch korrodierte der Stahl noch stärker. Außerdem sammelte sich in der Wanne Regenwasser, so dass verbautes Holz aufquoll und zusätzlich auf die Träger wirkte. Ferner kam eine Stahlbetonplatte auf die Fahrbahn, die eine zusätzliche Belastung der Brücke darstellte.

Das Hauptproblem für die Verkehrssicherheit sieht Prüfer Roger Rüdiger in der allgemeinen Ermüdung der tragenden Elemente. Im Laufe der vergangenen 110 Jahre war die Jederitzer Brücke Belastungen durch den Verkehr ausgesetzt, für die sie damals nicht konstruiert wurde. 2019 prüfte Rüdiger die Brücke sogar monatlich.

1908 bis 1910 wurde am nicht mehr existierenden Jederitzer Stadttor die Brücke im Jugendstil errichtet. Es war eine Hubbrücke. Die mechanischen Elemente wurden in den 1990er Jahren demontiert und die Brücke fixiert. Die Hubvorrichtung existiert nicht mehr. In den letzten Jahren war die Brücke nur noch einspurig für den Pkw–Verkehr geöffnet. Es wurden Poller errichtet, die die Durchfahrt DIN–gerecht auf 2,20 Meter verengte. Später wurden an den Pollern zusätzliche Höhenbegrenzungselemente angebracht. Die Jerderitzer Brücke ist laut Stadt „nicht nur von großer Bedeutung für den Verkehr in der Stadt, sondern ist auch ein besonderes Wahrzeichen und historisch bedeutendes Bauwerk“.

Allerdings ist der Denkmalstatus der Brücke wegen der Demontagen bei ihrer Sanierung in den 90er Jahren nun fragwürdig. Bis auf das Fundament, die Träger und das Geländer gibt es keine historischen Elemente mehr. Daher ist die Aufhebung des Denkmal–Status‘, auch nach Ansicht Rüdigers, überlegenswert. Ein original getreuer Neubau wäre auch künftig wohl nur eingeschränkt nutzbar. Der Wartungaufwand wäre dabei ebenso relativ hoch.

Überdies wünscht das Wasserstraßen– und Schifffahrtsamt (WSA) bei einem Neubau eine Anhebung der Brücke um einen halben Meter. Eine weitere Unwägbarkeit stellt das Brückenfundament dar, dessen vollständig intakte Tragfähigkeit nach Feststellung durch das WSA fragwürdig sei. Es müsse zuerst wieder hergestellt werden.