Katastrophe
: Wie sich Steckelsdorf nach einem Großbrand veränderte

Der Heimatverein gibt eine neue Geschichtsbroschüre heraus. In deren Mittelpunkt steht die Feuerkatastrophe vor 200 Jahren.
Von
Simone Weber
Steckelsdorf
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Die Heimatvereinsvorsitzende Michaela Kierschnicki und der Steckelsdorfer Ortsvorsteher Corrado Gursch mit der neuen Geschichtsbroschüre.

Weber

Das ist Kernthema in der durch den Heimatverein Steckelsdorf nun herausgebrachten Broschüre „200 Jahre — Der Wiederaufbau von Steckelsdorf. Wie der Brand am 6. Mai 1819 alles veränderte“. Auf 74 Seiten wird zunächst die Geschichte des Ortes dargestellt, der von 1816 bis 1952 zum Landkreis Jerchiow II gehörte und 2004 nach Rathenow eingemeindet wurde. Die Kurzchronik basiert auf der 2001 zusammengestellten Dorf–Chronik. Einzelne Kapitel sind jetzt mit Fotos und Abbildungen historischer Dokumente illustriert.

Es war ein Donnerstag, als am 6. Mai 1819 um 3.00 Uhr nachmittags die auf den Feldern arbeitenden Steckelsdorfer durch das Läuten der Sturmglocke der Kirche aufgeschreckt wurden. Das in der Brandweinbrennerei des Bauern Bernhard Christian Gebhardt entstandene Feuer breitete sich schnell aus, wegen fehlender Hilfe und weil die Fachwerkhäuser größtenteils mit Stroh gedeckt waren. Das gesamte Dorf, samt Kirche und Schule, brannte damalsnieder. Nur das auf dem Hügel nach Schollene hin liegende Müller– und Hirtenhaus sowie die Anwesen Wulsch und Paproth blieben verschont. Drei Einwohner starben und in der Folge zwei weitere.

Nach einem Hilfeaufruf in der Zeitung konnte das Dorf zum großen Teil bereits 1819 wieder aufgebaut werden. Am 17. November 1822 wurde die neu errichtete Dorfkirche feierlich geweiht. Die Bauern Gebhardt, Bölker und Ludwig errichteten ihre Höfe nun außerhalb Steckelsdorfs, inmitten ihrer Ländereien. So entstanden die Siedlungen Gebhardtshof (später „Neue Schleuse“, heute Rathenow–West), Bölkershof und Ludwigslust.

Bereits 1824 lebten in Steckelsdorf wieder 110 Familien mit 580 Personen, davon 454 im Dorf. 2018 zählte der Rathenower Ortsteil 741 Einwohner.

Die bereits verstorbene Christine Füßler hatte anfangs zum Thema geforscht. Die Heimatvereinsmitglieder Eileen Oswald, Bettina Deichsel und Jessica Lorenz recherchierten nun für die neue Kurzchronik in Archiven, trugen Dokumente zusammen. Beim regelmäßigen „Erzählkaffee“ bereicherten immer wieder ältere Steckelsdorfer durch Erlebnisse die Ortsgeschichte.

„Unser Heimatverein organisiert regelmäßige Veranstaltungen wie Dorffest, Maibaumaufstellen, Weihnachts– und Trödelmarkt, das erstmals kürzlich gefeierte Mühlenfest“, so Michaela Kierschnicki, seit Dezember 2018 neue Vorsitzende des Vereins mit derzeit 62 Mitgliedern. Er hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Verbundenheit der Steckelsdorfer mit ihrem Ort zu fördern und die Geschichte des Ortes zu erforschen, aufzuarbeiten und Traditionen zu bewahren oder zu beleben.

Die neue Geschichtsbroschüre ist in der Rathenower Buchhandlung Tieke sowie im Steckelsdorfer Friseursalon Kierschnicki erhältlich.