Klimawandel
: Viele tote Bäume im Rathenower Stadtwald

Sturm, Totholz, zwei zu trockene Sommer in Folge und Schädlinge setzen dem Stadtforst massiv zu.
Von
Manuela Bohm
Rathenow
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  • Sind die Nadeln in den Kronen der Kiefern braun, ist der Baum wahrscheinlich vom Pilz diplodia pinea befallen, der die Nährstoffzufuhr verhindert - der Baum stirbt.

    Sind die Nadeln in den Kronen der Kiefern braun, ist der Baum wahrscheinlich vom Pilz diplodia pinea befallen, der die Nährstoffzufuhr verhindert - der Baum stirbt.

    Manuela Bohm
  • 7.000 Buchen pflanzten Rathenower Schüler im Stadtwald im Frühjahr 2019, nur 700 haben die Trockenheit im Sommer überstanden.

    7.000 Buchen pflanzten Rathenower Schüler im Stadtwald im Frühjahr 2019, nur 700 haben die Trockenheit im Sommer überstanden.

    Manuela Bohm
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„Das Laub ist braun, das ist keine Herbstfärbung“, weist Stadtförster Thomas Querfurth auf die sichtbaren Schäden durch die langanhaltende Trockenheit im Stadtforst hin. Trockenes Laub ist an Eichen und Buchen im beginnenden Herbst nicht das augenscheinlichste Anzeichen für geschwächte Bäume. "Die Kronen sind licht“, so Querfurth. Das Blätterdach  ist weniger dicht, weniger neue Triebe wurden in Frühling und Sommer ausgebildet, weniger Blätter sind die Folge. Die Schäden sind auffällig, und manch Laubbaum steht ganz trocken. „Nach Möglichkeit fällen wir keinen Laubbaum“, sagt Querfurth neben einem Mitleid erregenden Exemplar stehend. Denn durch Sturm Xavier im Herbst 2017 sind allein 1.000 Festmeter an Eichen gefallen.

Im März und April wurden zum Jubiläum „700 Jahre Stadtwald Rathenow“ mit Schülern junge Bäume gepflanzt. Von den 7.000 Buchen sind heute nur noch 700 grün. „Die Bäume waren ordentlich gepflanzt und auch gut angewachsen. Das sieht man daran, dass sie Blätter austrieben. Die sind bei 90 Prozent der Bäume nun braun und tot“, beklagt Querfurth.

Unübersehbar sind auch die Schäden an den Kiefern. Trocken, angegriffen und teils schon tot stehen sie auf Flächen, in denen der Waldumbau bereits vorangebracht wurde. „Im Bereich zwischen Ferchesarer Weg und Lessingstraße müssen in diesem Jahr noch alle Kiefern gefällt werden“, kündigt der Stadtförster an. Einige haben zwar noch grüne Nadeln, doch sind sie wie Kiefern in ihrer Nachbarschaft von Schädlingen befallen: darunter Insekten wie Borkenkäfer, Prachtkäfer und Waldgärtner. Auch ein Pilz namens diplodia pinea schädigt die Bäume weiter. "Käfer sind immer da. Ein gesunder Baum kann ihn aber abwehren“, erklärt Querfurth. Nach den Sturmschäden ist viel Holz liegen geblieben. Das begünstigte die Vermehrung der Schädlinge. Zusätzlich sind die Bäume durch die Trockenheit geschwächt. „In einem normalen Jahr gibt es zwei Käfergenerationen. 2018 und 2019 waren es je Jahr vier Generationen“, macht Thomas Querfurth die prekäre Lage klar.

Neben einzelnen Kiefern, die entnommen werden, werden mehrere Hektar Waldfläche komplett beräumt, um Schädlingsbefall entgegen wirken zu können. Man könne nicht auf Verdacht Bäume fällen. „Das Problem ist, man erkennt den Befall erst, wenn es bereits zu spät ist“, so der Experte. Die Medizin: „Was wir brauchen ist Niederschlag. 500 bis 600 Liter auf den Quadratmeter bis Jahresende.“

Der fehlende bzw. benötigte Niederschlag, mehr als 500 Liter kann als durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge angesehen werden, ist ein wichtiger Faktor, um die Schäden im Stadtwald aufzuhalten. Ein zweiter: „Wir müssen gegen die Schädlinge vorgehen dürfen, um ihre Zahl wieder auf ein Normalmaß zu bringen“, fordert der Stadtförster.

Um einen in Extremfällen für Schädigungen weniger empfänglichen Wald „aufzustellen“, wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten Wälder von reinen Kiefern–Monokulturen zu Mischwäldern umgebaut. Aber nicht auf allen Flächen funktioniert das. „Wir haben Flächen, auf denen die Böden und die Grundwassernähe eine gute Aufnahme von Nährstoffen und Wasser begünstigen. Dort wachsen Eichen und Buchen — der Waldumbau wurde vorangebracht“, erklärt Querfurth. Auch Edelgehölze stünden dort gut, wie Ulmen, Eschen, Vogelkirsche und Ahorn.

In dem 2.000 Hektar umfassenden Gebiet des Stadtwalds gibt es aber auch Flächen mit Dünensanden — arm bis sehr arm an Nährstoffen. Sie sind die idealen Standorte für Kiefern. „Im kompletten Bestand gibt es keinen Baum, dem die Trockenheit nichts ausmacht.“ Aber: Sind die Schäden an Kiefern auf Mischwaldflächen erheblich, sind sie dagegen auf den sowieso ärmeren Böden, ohne Unterbau, in Monokultur kaum auszumachen.  Eine mögliche Erklärung: „Die Käfer mögen Licht und eine trockene Umgebung. Das Kronendach im reinen Kiefernwald ist dicht und beschattet stark“, sagt Thomas Querfurth.

Besorgt ist der Stadtförster dennoch. „Ich möchte nicht darüber nachdenken“, antwortet er auf die Frage, wie es mit dem Wald weitergehen wird, falls auch 2020 wieder ein trockenes Jahr werde.