Rund 20 tote Kormorane wurden zuletzt in Rathenow gefunden. Sie fielen vermutlich dem Winterwetter zum Opfer, dass im Februar auch im Havelland herrschte.  Doch wieso starben ausgerechnet am Stadtkanal so  viele Vögel?

Veterinäramt schloss Vogelgrippe aus

Die Rathenower Feuerwehr hatte die Kadaver der Vögel zwischen dem 18. und 24. Februar aus dem Stadtkanal geholt und dem Veterinäramt des Landkreises Havelland zur Untersuchung überlassen.  Im Ergebnis ist die Geflügelpest bzw. Vogelgrippe als Todesursache ausgeschlossen. Hauptsächlich sind die Kormorane den winterlichen Witterungsbedingungen, in Verbindung mit Parasitosen, zum Opfer gefallen.

Dort beheimatet, wo sich nah Fischen tauchen lässt

Kormorane sind absolut keine Exoten. Es gibt sie praktisch überall, wo sich in Gewässern nach Fischen tauchen lässt. Der Dauerfrost des Februars hatte den gesamten Nordosten Deutschlands fest im Griff. Der Naturpark Westhavelland mit Rathenow im Zentrum bildete keine frostfreie Insel. Einer der wissen könnte, warum ausgerechnet hier so viele Kormorane starben, ist René Riep.

Alt-Schadow

NABU-Geschäftsführer weiß keine Antwort

Riep ist Geschäftsführer des NABU-Regionalverbands Westhavelland. Der Verein betreibt das Naturparkzentrum in Milow. Der Hausherr kann auf Anfrage die Fragezeichen nicht beseitigen. Nahrungsmangel in Verbindung mit Krankheitserregern wäre für Riep im Falle der toten Kormorane eine schlüssige Erklärung. Warum sie in der Vielzahl ausgerechnet in Rathenow starben, bleibt ihm ein Rätsel.

Eisvögel bekommen Probleme bei Eisbildung

Indessen weiß der hauptberufliche Naturschützer von Schleiereulen, die bei Schneelagen im Winter verhungern, wenn sie nicht an die Mäuse rankommen. Eisvögel hätten große Probleme bei Eisbildung auf Gewässern. Wenn sie dann  vom Ast am Ufer keinen kleinen Fisch zu sehen bekommen, werde es schwierig für sie und sie würden sich in Bereiche zurückziehen, die eventuell noch offen sind.

Silberreiher ebenso betroffen

Ebenso noch ratlos zeigt sich Dr. Torsten Langgemach - im Hauptberuf ein Vogelschützer. Er leitet die Staatliche Vogelschutzwarte in Buckow bei Nennhausen. Er verweist zunächst auf die Schwierigkeiten, die Silberreiher beim Dauerfrost hatten. Diese jagen normalerweise im flachen Wasser der Uferbereiche. „Das war erschwert, weil entlang der Ufer alles gefroren war, und dann kam gleich das tiefe Wasser“, so Dr. Langgemach.

Tote Kormorane nicht nur im Stadtkanal

Was die Kormorane betrifft, erklärt der Vogelschützer: „Verfügbar zu dieser Zeit waren ja nur noch Fließgewässer, die Seen waren zugefroren. Das hat schon mal zu einer Konzentration der noch anwesenden Kormorane geführt. Die Havel war teils gefroren, aber an vielen Stellen auch offen. Kormorane hielten sich auch außerhalb der Stadt auf, aber vor allem in der Stadt wurden sie auch von Leuten bemerkt. Das trifft sicher auch auf die Totfunde zu. Ganz sicher gab es die auch außerhalb.“

Todesmeldungen auch aus anderen Regionen Brandenburgs

Er selbst hatte mehrere Kormorane,  Grau- und Silberreiher gefunden, die außerhalb der Havelstadt verendet sind. „Auch aus anderen Regionen in Brandenburg haben wir Meldungen, wenn auch nicht so große Zahlen wie aus Rathenow“, so Dr. Langgemach.