Maria in Bibel und koran
: Geburt unter einer Palme

Die Zeugung und die Entbindung des wohl berühmtesten Babys der Welt wird im Koran anders dargestellt.
Von
René Wernitz
Rathenow
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Eine von sehr vielen Weihnachtskrippen, die sich im Besitz des Rathenower Sammlers Heinz-Walter Knackmuß befindet. Mehr als 80 zeigt er bis 10. Januar in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche.

Knackmuß

Die Leute, die sich keiner Religion zurechnen, machen etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung aus. Das Christentum ist mit mehr als zwei Milliarden Gläubigen  (rund ein Drittel) die Religion mit den meisten Anhängern. Dahinter folgen Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Viele konfessionslose Erdbewohner nehmen das Weihnachtsfest gern mit, obgleich sie der Story um Jesus nicht viel Glaubwürdiges abgewinnen können. Die heimelige Atmosphäre mit Lichterglanz und Glühweinduft macht schon die Adventszeit zu einem Erlebnis.

Während etwa auch Buddhisten und Hinduisten in ganz anderen Glaubenswelten leben, haben Christen, Muslime und auch Juden eine wesentliche Gemeinsamkeit: Sie glauben alle an den selben Gott. Das Zusammenspiel von Gott (Vater), Jesus (Sohn) und Heiligem Geist spielt derweil nur im Christentum eine Rolle, wo ja auch der Glaube besteht, dass das Baby, dessen Geburt in der Heiligen Nacht gefeiert wird, irgendwie vom Heiligen Geist gezeugt wurde.

Kein Zweifel besteht daran, dass Josef nicht der Vater von Jesus ist. Doch Maria ist zweifelsfrei die Mutter. Bei dieser sehr speziellen Mutter–Kind–Beziehung stimmen übrigens die heiligen Schriften der Christen und Muslime überein.

Allerdings gehen schon beim Zeugungsakt die Darstellungen weit auseinander. Laut Bibel verkündete ein Erzengel der Maria den göttlichen Plan, wonach sie ein Baby gebären würde. Maria wusste wohl allzu gut, dass ihr in die Jahre gekommener Josef, mit dem sie bislang nur verlobt war, zur Zeugung nicht (mehr) in der Lage war. Verwundert fragte sie daher den Erzengel, wie das nun klappen soll.

Zur Antwort erhielt sie laut Lukasevangelium: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.  Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“

Im Kirchenjahr fällt das Fest der Verkündigung des Herrn alle Jahre auf den 25. März, also knapp 40 Schwangerschaftswochen bzw. genau neun Monate vor Weihnachten. Wer der biblischen Überlieferung glaubt, wird selig. Schon Josef hatte seine Zweifel, die aber zerstreut wurden.

Im Internet steht auf www.heiligenlexikon.de geschrieben, was das Matthäusevangelium berichtet: „Als er erfuhr, dass Maria schwanger war, zweifelte er an deren Treue und wollte sich von ihr trennen; doch ein Engel erklärte ihm in einem Traumgesicht, dass Maria vom heiligen Geist schwanger sei, und Josef blieb bei ihr.“ Im Johannesevangelium wird Jesus als Sohn des Josef bezeichnet.

Im Koran lautet Jesus’ arabischer Name Isa ibn Maryam. Das steht für Jesus, Sohn der Maria. Auch die Muslime kennen eine Zeugungsgeschichte. Die ist aber etwas anders als die der Christen. Im Koran ist der Maria ein Abschnitt gewidmet. Das ist Sure 19, zu finden unter anderem auf islam.de. Göttlicher Geist stellt sich Maryam als wohlgestaltetes menschliches Wesen vor. Es sagte zu ihr: „Ich bin nur der Gesandte deines Herrn, um dir einen lauteren Jungen zu schenken.“

Während die in einem Stall zu Bethlehem erfolgte Geburt des Jungen die Christenheit zu Darstellungen mit leuchtendem Stern, Maria, Josef, Jesus und teils auch Hirten und drei Königen inspirierte, Krippendarstellungen und Krippenspiele gibt es auch im 21. Jahrhundert zuhauf, erscheint die muslimische Geburtsgeschichte   eher unspektakulär. Maryam hatte sich offenbar mit dem attraktiven Wesen an einen fernen Ort zurückgezogen. Zuletzt hätten sie die Wehen zu einem Palmenstamm gehen lassen, wie es in Sure 19 heißt.  Maryam klagte: „O wäre ich doch zuvor gestorben und ganz und gar in Vergessenheit geraten!“

Für Christen und Muslime ist klar, wie Zeugung und Geburt von Jesus bzw. von Isa ibn Maryam vonstatten gingen. Der konfessionslose Freigeist kann sich indes aussuchen, was er für wahrscheinlicher hält.