Mordprozess gegen Maximilian B.: Der Angeklagte gesteht schaurige Tat

Im Mordprozess gegen Maximilian B., ein aus Rathenow stammender Mann, soll am 2. April ein Urteil gesprochen werden.
René WernitzAn drei Tagen haben in dieser Woche die Richter versucht, das Geschehene aufzuklären. Aus B.s Geständnis, den Aussagen der Mutter und des Stiefvaters der Getöteten, von Polizisten und Rettungssanitätern setzt sich langsam zusammen, was am 3. August 2019 und in den folgenden Tagen passiert sein könnte. Woran der Angeklagte sich tatsächlich noch erinnern kann, wird während seines Geständnisses oft nicht klar. Er habe viele der Akten gelesen, es könne zu „Verwischungen“ kommen, so sein Verteidiger Thomas Arndt. B. setzte ruhig, fast monoton, Satz an Satz an Satz — immer wieder leitete Richter Theodor Horstkötter durch Stichworte und Nachfragen durch die Chronologie des grausamen Wochenendes.
Es schien ein normaler Freitag im August zu sein. Sie seien zusammen aufgestanden, hätten Gras geraucht, erzählte B., der etwa seit seinem 15. Lebensjahr Drogen jenseits des Alkohols nimmt. Sie hätte frei gehabt, er sei mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. So gegen 21.30 Uhr sei er zurück, begrüßte den Hund und seine Freundin, sie rauchten Gras, „viel, aber nicht mehr als sonst“, wie er sagte, immer mal wieder. Sie schauten Netflix, sie legte sich schlafen, schickte einer Freundin vorher noch eine Nachricht. Er nahm LSD, hatte ein gutes Gefühl, keine Angst. Er lag wach neben ihr, sie atmete gleichmäßig. Auf einmal kamen „wieder Gewaltgedanken“ — „Ich hatte im Kopf, das jetzt zu machen.“
Es sei nicht das erste Mal, dass ihm solche Gedanken gekommen sind, gestand er. Er wollte ihr mit irgendetwas auf den Kopf schlagen. Die Buddha–Statue im Wohnzimmer sah er, aber nebenan entdeckte er einen Hammer. Er schlug zu, mehrfach, er sah nicht hin dabei. Sie hätte noch geatmet, er hätte Panik bekommen, „als ob ich ein Stück weit mitbekomme, was ich gemacht hatte.“ Er nahm ein Kissen, legte es über ihren Körper und sich darauf. Längere Zeit, sie atmete immer noch. Ob er daran gedacht hätte, Hilfe zu holen, wollte Richter Horstkötter wissen. Aber er bekam keine Antwort. B erzählte weiter, er hätte versucht, sie zu erwürgen. „Total panisch“ hätte er dann ein Messer geholt und ihr in den Hals gestochen.
Es ist Sonnabendmorgen, B. weinte, schrie, versuchte sich abzureagieren, schaute Pornos, rasierte sich die Haare, nahm mehr LSD, später Cannabis und Amphetamine. Er ging mit dem Hund runter. Den Tag über beantwortete er Nachrichten mit ihrem Handy — und auch welche mit seinem. Ja, er habe auch noch einmal Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt, bestätigte er dem Richter. Irgendwann packte er sie ein. Die Zeit ist vergangen, es ist Sonntagfrüh. Er fuhr von Brandenburg nach Potsdam, trieb sich im Park nahe des Hauptbahnhofs herum. Er warf sein und ihr Mobiltelefon weg.
Am Sonntag wurde die Mutter der 26–Jährigen in Premnitz unruhig. Aus dem westhavelländischen Premnitz kennt sich das junge Paar, sie ursprünglich aus Köln, er aus Rathenow. Er sagt, er hätte ihr mal Drogen verkauft, davon lebte er auch teilweise — der Umzug nach Brandenburg an der Havel sollte auch so etwas wie ein Neuanfang für ihn sein.
Die Mutter versuchte, gegen Mittag ihre Tochter zu erreichen. Whatsapp–Nachrichten gingen nicht mehr durch, sie versuchte anzurufen. Ihr Handy war ausgeschaltet, das gab es nie. B.s Handy klingelte zwar, aber es ging keiner ran. Mit ihrem Mann fuhr sie zur Brandenburger Wohnung, es war nach 19.00 Uhr. Die Mutter klingelte, erst unten, dann an der Wohnungstür. Sie hatte einen Not–Schlüssel, schloss nach langem Zögern auf.
Dem Ehepaar schlug Hitze entgegen und großes Chaos. Das Licht war an, der Fernseher lief. Beide gingen in die Küche — drei Herdplatten und der Ofen heizten, es stand etwas drauf. Der Stiefvater machte den Herd aus, sie suchten den Hund, versuchten die Situation zu verstehen. Irgendwann stand der Mann im Türrahmen der Küche, er sah einen Berg in der Küche und einen Lichtschein. Eine Kerze stand nahe bei zwei Kissen, er räumte sie weg. Erst dann nahm er ein fest verschnürtes Bündel wahr. Er schnitt den Stoff auf, räumte etwas heraus, irgendwann zog er an einer Decke. Dann fielen zwei zusammengebundene Füße heraus...
Ein Polizist legt wenig später eine Hand frei und sucht vergeblich am kalten Gelenk den Puls. Die Polizisten nahmen auch einen schwarzen Fleck an der Wand wahr, wohl frische Farbe, um Blut zu verdecken. Im Laufe des Tages wird auch B.s Mobiltelefon den Weg zur Polizei finden — ein Tretbootfahrer hatte es in Potsdam gefunden. Die Polizei fand dort eine Sequenz mit sexuellem Inhalt.
B. war währenddessen in Potsdam, lag im Park, überlegte, wie es weitergeht. Er dachte an Selbstmord. Aber auch daran, noch einmal feiern zu gehen, unter Leute. Es ging nun auf den Sonntagabend zu, es zog ihn nach Berlin. In Charlottenburg kaufte er sich Kleidung, Ziel war der KitKatClub, bekannt für wilde Parties und ungeplanten Sex mit Unbekannten. Am Türsteher kam er zunächst nicht vorbei. Dann konnte er eine Frau und drei Männer überzeugen, ihn mit reinzunehmen. Ein anderer Türsteher ließ ihn durch, später wurde er wiedererkannt und rausgeschickt.
Auf der Straße lernte er einen Mann kennen, sie gingen in seine Wohnung. Erzählten, aßen, sie küssten sich. B. hatte immer noch nicht geschlafen. Zwischendrin schaute er im Internet, ob dort schon etwas steht, wurde fündig. Erst später erzählte er dem Berliner etwas von der Wahrheit. Der wiederum kam auf die Idee, dass B. sich für die Fremdenlegion melden könnte. Mit dem Bus vom Berliner Busbahnhof ZOB nach Marseille, er gab ihm 100 Euro für ein Ticket. Aber B. brauchte zuviel davon für ein Taxi. So stand er am ZOB, das Geld reichte nicht mehr. Er hatte sein Tablet dabei, es gab freies W–Lan, B. sah die Nachrichten, die eingetroffen waren. Dann entschloss er sich, sich zu stellen.
Sechs Monate nach der Tat sagten auch die Eltern des Opfers vor Gericht aus. Es fiel ihnen schwer, etwas Schlechtes über den Täter zu sagen, sie hätten ihn sich gut als Schwiegersohn vorstellen können. Vom angeblichen Drogenkonsum der beiden haben sie nichts mitbekommen, ihre Tochter hatte es ihnen gegenüber verneint. Nachdem die Mutter ihre Aussage gemacht hatte, versuchte B., Worte zu finden, wie auch schon vorher. Die Mutter sagte deutlich: „Nein!“ Sie haben ihn in die Familie aufgenommen, ihm ihr Kind anvertraut. „Es gibt keine entschuldigenden Worte, ich möchte diese Worte von Dir nicht hören!“