Netflix
: In „Parallelwelt“ aufgewacht

Spanierin ist in neuer Netflix-Produktion dem interdimenionalen Wahnsinn nah. Das Parellelwelten-Thema reizt immer mehr.
Von
René Wernitz
Havelland
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Seit 22. März bei Netflix zu sehen.

Netflix

Vera ist glücklich verheiratet, hat eine kleine Tochter, arbeitet als Krankenschwester und wohnt in einem eigenen Haus mit anscheinend netten Nachbarn. Daraus entwickelt sich eine Krimi-Handlung. Das entscheidende Moment der Story ist, als Vera in ihrem Krankenhaus erwacht und das Personal in der Neurologie auf ihren Einsatz wartet. Denn die Frau, bis dato Krankenschwester, wird plötzlich wie die Chefin behandelt, die eine unmittelbar bevor stehende Hirn-Operation durchführen soll, was Vera natürlich äußerst suspekt ist. Zudem ist ihre Tochter nicht mehr existent. In dem eben noch gemeinsamen Haus lebt der Ehemann, für den Vera ihn halten muss, mit einer anderen Frau. Wer würde da nicht auch auf eine dissoziative Identitätsstörung tippen. Doch muss Vera nicht in die Psychiatrie. Sie ahnt, später weiß sie es sicher, dass sie aus ihrer Realität in eine Parallelwelt ihrer selbst katapultiert wurde.

Mit Zeitmaschinen, die nur vor und zurück laufen können, nahm das hochkomplexe Thema seinen ersten Anlauf.  Der 1895 von H.G. Wells veröffentlichte Roman „Die Zeitmaschine“ wurde 1960 verfilmt. Wenige Jahre später folgte die US-Serie „Time Tunnel“. In bester Erinnerung eines Millionenpublikums weltweit sind die Zeitreisen von Marty McFly in "Zurück in die Zukunft“. Eine der Kernaussagen im ersten Film der Trilogie lautet, dass man in der Vergangenheit nichts ändern dürfe, um die eigene Existenz in der Gegenwart nicht zu gefährden bzw. auszulöschen. Diese Regel gelangt allmählich auf den filmischen Schrottplatz.

Insbesondere durch die Viele-Welten-Theorie von 1957 wächst das Interesse an alternativen Formen der eigenen Existenz. Das eine, allumfassende Universum geht dafür in einem Multiversum auf, in das unendlich viele Parallelwelten passen. Praktisch mit jeder Entscheidung, die wir treffen, spaltet sich die Realität sozusagen. Das Leben  nimmt alternative Verläufe. Es gibt uns demnach in X-facher Ausführung und in ebenso X-fach anderen Lebensumständen - gleichzeitig!

Der US-amerikanische Physiker Brian Greene gibt sich in Dokus und Büchern allergrößte Mühe, auf Ottonormalverbraucher sehr verwirrend wirkende Schlussfolgerungen auf populärwissenschaftliche Weise zu transportieren. "Die verborgene Wirklichkeit: Paralleluniversen und die Gesetze des Kosmos“ - so lautet der Titel seines wohl bekanntesten Buchs. Seit 2012 ist es auf Deutsch verfügbar. Doch auch dieses setzt eine durchaus höhere Allgemeinbildung seiner Leser voraus.

Als die deutsche Bestsellerautorin Juli Zeh 2007 ins Havelland zog, hatte sie sich gerade an der Theoretischen Physik und sich bietenden Möglichkeiten versucht. Ihr 2007 veröffentlichter Roman „Schilf“ spielt mit der Viele-Welten-Theorie. 2012 wurde er verfilmt. Vielleicht lief dieser zu früh für ein deutsches Publikum, das physikalisch und philosophisch noch nicht wirklich auf derartige Gedankengänge vorbereitet war. Der aktuelle Erfolg der deutschen Netflix-Serie „Dark“ belegt, dass das Publikum nun sehr wohl mit den Protagonisten grübeln kann und will. Die zweite Staffel soll im Juni 2019 an den Start gehen. Da stellen die Parallelwelten allerdings unterschiedliche Zeitebenen dar, die gleichzeitig existieren und in Wechselwirkung stehen.

Seit März kann die spanische „Parallelwelten“-Produktion überzeugen, in der die Handlungsträgerin interdimensionalem Wahnsinn nah zu sein scheint. Dass der Film von der Iberischen Halbinsel stammt, ist an sich nicht ungewöhnlich. Doch haben Spanier offenbar eine außergewöhnliche Inspirationsquelle, die die Entstehung gekonnter Beiträge wie „Parallelwelten“ durchaus erklären könnte. Im Internet geht schon seit längerem eine sonderbare Geschichte um. Es ist die der Lerina Garcia Gordo.

Am 16. Juli 2008 soll sich die damals 41-Jährige Hilfe und Rat suchend mit einem Social-Media-Post an die Öffentlichkeit gewandt haben. Wie die Vera in „Parallelwelten“ soll auch Lerina Garcia Gordo in einem Leben aufgewacht sein, das sich von dem bisher gelebten Dasein teils erheblich unterschied. Die Rede ist unter anderem von einem Mann, von dem sich die mutmaßlich von interdimensionalem Wahnsinn Betroffene ein halbes Jahr zuvor - nach siebenjähriger Beziehung - getrennt hatte. Inzwischen will sie seit vier Monaten eine neue Beziehung geführt haben. Diesen Mann gab es nun nicht mehr. Stattdessen war sie weiter mit dem Ex liiert. Im Beruf und am Arbeitsplatz soll es nicht weniger verwickelt gewesen sein.

Eine Recherche bis zur vermeintlichen Quelle, dem Original-Post der Lerina Garcia Gordo, ist nicht möglich. Ein Facebook-Account unter dem Namen entpuppt sich derweil als praktisch leere Seite. Von 2012 stammt ein Beitrag auf http://dunheim.blogspot.com, in den all das hinein kopiert wurde, was die Frau am 16. Juli 2008 geschrieben haben soll - natürlich auf Spanisch. Wer mag, kann sich den Text heraus und in einen Online-Übersetzer hinein kopieren.