Die Verwaltungsstrukturreform, die in Brandenburg zum Jahr 2019 ziehen sollte, wurde zuvor durch die damals rot-rote Regierung abgeblasen. Auch der Landkreis Havelland blieb in seinen Grenzen bestehen. Derweil werden die hiesigen Kirchenkreise um eine Neustrukturierung wohl nicht herum kommen.
Ursprünglich gab es drei Kirchenkreise im Ende 1993 gebildeten Landkreisgebiet: Zwei von ihnen, Nauen und Rathenow, bilden bereits seit 2003 eine Einheit. Der Kirchenkreis Falkensee ist noch solitär, ebenso wie der benachbarte Kirchenkreis Potsdam. Gemeinsam soll man sich nun bis Frühjahr 2023 darüber Gedanken machen, wie ein Neuzuschnitt aussehen könnte. Das resultiert aus einer entsprechenden Initiative der Leitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

16 Kirchenkreise weniger seit Jahr 2000

Den Hintergrund erläuert EKBO-Sprecherin Svenja Pelzel auf BRAWO-Anfrage: „Kirchenkreise sind nach unserer Kirchenverfassung Organisationseinheiten mit bestimmten Aufgaben. Zur Erfüllung dieser Aufgaben sollten sie eine gewisse Größe haben, die im Bereich der EKBO - bei allen regionalen Besonderheiten - vergleichbar sein sollte. In den vergangen Jahrzehnten hat sich die Zahl der Kirchenkreise der EKBO drastisch verringert, von 40 Kirchenkreisen im Jahr 2000 zu derzeit 24 Kirchenkreisen. Die Kirchenkreise Potsdam und Falkensee haben – im Gegensatz zu vielen anderen Kirchenkreisen- bislang keine Veränderung durchgemacht.“

Hoher Mitgliederschwund in Nauen-Rathenow

Pelzel liefert auch Zahlen: Demnach sank die Zahl der Mitglieder in den drei Kirchenkreisen von insgesamt 61.814 im Jahr 2005 auf 51.763 im Jahr 2019. Wobei der Mitgliederschwund in Nauen-Rathenow mit etwa 6.000 am höchsten war. Die Kirchenkreise in den bevölkerungstechnischen Boomregionen Falkensee und Potsdam verzeichneten jeweils nur rund 2.000 Mitglieder weniger.
Im Mai 2018 hat die Kirchenleitung der EKBO die betreffenden Kirchenkreise informiert, dass ein gemeinsames Nachdenken über eine sinnvolle Neugliederung stattfinden soll, so Pelzel. 2019 erfolgten mehrere Gesprächsrunden, im Januar 2020 erging die Bitte an die Kirchenkreise, bis zum Frühjahr 2023 einen Vorschlag zu entwickeln, „um zukunftsfähige Strukturen zu schaffen“, so Pelzel.

Aus drei mach zwei oder einen

„Ob es dann künftig einen oder zwei Kirchenkreise in diesem Bereich geben wird, ist noch offen. Die Maßgabe der Kirchenleitung ist nur, einen einvernehmlichen Vorschlag zu entwickeln, der nicht lauten darf: Es bleibt alles, wie es ist.“ Nur für den Fall, dass es den drei Kirchenkreisen nicht gelingt, binnen drei Jahren zu einem Vorschlag zu gelangen, hätte „die Kirchenleitung in Aussicht gestellt, dann selbst tätig zu werden“.
Die betreffenden Kirchenkreise gehören zum Sprengel Potsdam der EKBO, deren geistlicher Leiter Bischof Christian Stäblein ist. Er ist auch Vorsitzender der Kirchenleitung.
Neun Kirchenkreise im Sprengel Potsdam
Insgesamt neun Kirchenkreise - von der Uckermark bis zur Mittelmark - sind im Sprengel Potsdam zusammengefasst. Ferner bestehen die Sprengel Berlin und Görlitz in der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Jeder dieser drei Organisationsobereinheiten steht ein Generalsuperintendent vor, sozusagen ein Regionalbischof. In Berlin und Görlitz sind es Regionalbischöfinnen. Im Sprengel Potsdam hat Kristóf Bálint am 6. September die Nachfolge von Heilgard Asmus angetreten, deren zehnjährige Amtszeit regulär ausgelaufen war.
Indes stehen den Kirchenkreisen in der Regel Superintendenten bzw. Superintendentinnen vor, in Nauen-Rathenow übt Thomas Tutzschke diese Tätigkeit aus, in Potsdam  Angelika Zädow. Der Kirchenkreis Falkensee verfügt über eine aus vier Personen bestehende kollegiale Leitung, in der Bernhard Schmidt den Vorsitz  inne hat.

Teil der EKM


Westlich der Unteren Havel ragt der Kirchenkreis Elbe-Fläming in das Havelland hinein. Dieser gehört aber zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Daher sind die Milower-Land-Dörfer Bahnitz, Nitzahn, Knoblauch, Jerchel und Möthlitz nicht Teil des Sprengels Potsdam der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). (rez)