Wie ganz Deutschland leidet auch Rathenow unter verordnetem Kulturverlust. Doch befinden sich in der havelländischen Kreisstadt einige stille Kulturbeiträge im öffentlichen Raum.
Wer etwa auf der in Richtung Berlin führenden West-Ost-Achse bildende Kunst neu entdecken will, kann das beim Spazierengehen sogar mit Shopping verbinden. Die Kulturachse verläuft auf der Berliner Straße mitten durch die City.

2007 enthüllt

An diese Magistrale grenzt der August-Bebel-Platz mit einem Hingucker der außergewöhnlichen Art. Gemeint ist der Baum des Lebens. Im März 2007 hieß es zur Enthüllung seitens der Stadt: „Seine Blätter, Äste und Zweige bestehen aus Tonfliesen, die individuell von Rathenowern, aber auch von Gästen der Stadt mit eigener Hand gestaltet wurden. Die bereits gefertigten Fliesen flüstern die Geschichten, die das Leben schreibt: ein Geburtstag, ein Todestag, eine Hochzeit, ein Schulabschluss, die liebevolle Zärtlichkeit der Großeltern und Eltern für ihre Kinder, ein verspieltes Kind, ein Vers oder einfach nur ein Gruß. Der Baum ist noch lange nicht fertig - wer mitmachen möchte, kann dies tun! Je mehr mitmachen, desto schillernder und interessanter wird der Baum. Jahr für Jahr streckt er dann seine Blätter ein wenig mehr in den Himmel und entfaltet seine Pracht. Eines Tages wird der Baum die Größe von 6x8 Metern erreichen.“

Projektstart im Jahr 2005

2005 war das Projekt unter Regie des Ideengebers Jens Hubald, heute Sachgebietsleiter Stadtentwicklung und Tiefbau im Rathaus, gestartet worden. Zusammen mit anderen hatte Hubald einen Bastelstand entwickelt, der auf mehr als 100 Veranstaltungen aufgebaut war. Am Stand konnten die Leute ihre Fliesen gestalten und sich verewigen. Hubald verweist heute auf die großartigen Helfer der ersten Stunde. Das waren etwa Hochbauingenieur Stefan Wendt und Lehrerin Karin Schulze.

2012 vollendet

Im Oktober 2012 befestigte Hubald die letzten aus Ton gefertigten Fliesen. Insgesamt können etwa 1500 Exemplare  durch das Fernrohr auf dem August-Bebel-Platz betrachtet werden.
Die Berliner Straße von West nach Ost entlang spaziert, bis der dritte Kreisel erreicht ist, steht der Kulturfreund vor einem weiteren Kunstobjekt mit außergewöhnlichen Ausmaßen.