Optik und Chemie im Havelland
: 2019 lieferte Fielmann 4,7 Millionen Brillengläser aus

Der FSV Optik Rathenow und der TSV Chemie Premnitz sind bekannte Sportvereine im Havelland. Die Vereinsnamen deuten an, was wirtschaftlich eine bedeutende Rolle an den Standorten spielt.
Von
René Wernitz
Rathenow/Premnitz
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Blickfang in der Berliner Straße in Rathenow: Fielmann produziert ausschließlich in der "Stadt der Optik".

Wernitz

An Produkten aus Premnitz kam zu DDR–Zeiten kaum ein Endverbraucher vorbei. Im Portfolio des dortigen Chemiefaserwerks „Friedrich Engels“ befanden sich seit Mitte der 1970er Jahre sogar Magnetbandkassetten. Die hatten durchaus ihren Preis. Dieser lag bei 27 bis 30 Mark der DDR. Etliche Kassetten aus Premnitz dürften bei Havelländern jenseits der 40 noch in Gebrauch sein.

Der Chemiestandort nennt sich heute Industriepark Premnitz (IPP) und ist praktisch ausgebucht. Trotz struktureller Umbrüche in der Nachwendezeit und danach ist Chemie weiter ein großes Thema im IPP. Bedeutende Vertreterin dieser Industriebranche ist die Märkische Faser GmbH. Auf deren Website heißt es stolz: „Vor den Toren Berlins ist die Märkische Faser GmbH, ein europäischer Polyesterfaser–Produzent mit globaler Ausrichtung, beheimatet. Die Märkische Faser GmbH hält eine weltweit einzigartige Position auf dem Gebiet der Chemiefasern.“

Der Bekanntheitsgrad des Unternehmens dürfte unter Endverbrauchern eher gering sein. Etwas anders stellt sich das bei einem Optik–Branchenriesen in Rathenow dar.

Es gab Zeiten, das war auch in der DDR–Phase, da konnte die Stadt behaupten, dass praktisch jede Brille, die für DDR–Bürger bestimmt war, aus Rathenow stammte. Die „Stadt der Optik“, wie sich sich nun ganz offiziell nennt, hat eine lange Industriegeschichte, die 1801 begann. Damals meldete der Rathenower Pfarrer Johann Heinrich August Duncker sein Patent auf eine Vielschleifmaschine an und gründete eine Firma, die Linsen nicht mehr manuell, sondern industriell herstellte. Wer darüber mehr erfahren will, sollte das Optik–Industrie–Museum (www.oimr.de) im Kulturzentrum besuchen. Ein bedeutendes Vor–Wende–Kapitel in der Optik–Geschichte ist derweil mit dem VEB Rathenower Optische Werke (ROW) verbunden. Dieses war bis 1989 alleiniger Hersteller von Brillen in der DDR.

Mitte der 1990er Jahre etablierte sich die Fielmann AG in Rathenow. Das Unternehmen produziert ausschließlich in der „Stadt der Optik“. Auf der Firmenwebsite steht dazu folgendes: „Unter einem Dach fertigen wir auftragsbezogen Mineral– und Kunststoffgläser, fügen sie in der Randschleiferei mit der Fassung zur Brille zusammen. Im Zweischichtbetrieb liefern wir im Schnitt pro Tag mehr als 19.000 Gläser, wickeln mehr als 59.000 Aufträge ab. 2019 fertigten wir mehr als 4,7 Millionen Gläser aller Veredelungsstufen und lieferten 8,3 Millionen Brillenfassungen aus.“