Perspektivwechsel: Malerei, Collage und Objekte
Aufgewachsen in einem Elternhaus, in dem Bilder der Alten Meister die Wände zierten, befasst sich Architekt Ulrich Bülhoff heute mit der Widersprüchlichkeit, mit der wir uns und unsere Umwelt wahrnehmen. "Die Alten Meister des 17. bis 19. Jahrhunderts haben idealisierte Landschaften in ihren Werken dargestellt. Diese Landschaften sind verloren“, sagt Bülhoff. Seine ersten Bilder sind von der Arbeit als Architekt mit Tuschen auf Pergamentpapier geprägt. Schwarz und Weiß treffen aufeinander.
„Bei den Bildern geht es um den Blickwinkel des Betrachters“, so der Architekt. Wie in einer Achterbahn rase man über den Berliner Alexanderplatz — die Stadt erscheint in Bewegung — nur Teile der Architektur sind wahrnehmbar. Auch dem Thema Golf–Krieg (I.) widmete er sich zum Beginn der 1990er Jahre — Maschinenteile, Gebäude–Elemente sind zu sehen, alles scheint in Bewegung und zeigt eine Verunsicherung, die Dynamik der Auseinandersetzung.
Dazwischen hängt eine Verbildlichung eines Bertolt–Brecht–Gedichts. Kleinteilig sind neben dem Text von „Schwimmer in Seen und Flüssen“ Elemente des Gedichts verbildlicht. Zwischen Visionen vom Haveldorf Bahnitz, Abraumbaggern, Industrie–Landschaften, industrialisierter Landwirtschaft — immer mit zeichnerischen Komponenten in einer aufgebrochenen Landschaft — hängen auch kleinformatige Aquarelle, Farbstudien, die das Auge zu beruhigen vermögen. Nur, um mit dem nächsten Bild wieder in Bewegung versetzt zu werden. „Die Erde ruht nicht“ ist inspiriert von Kraft, Zerstörung und auch durch die Ästhetik von TV–Bildern eines Erdbebens.
Auch der Mensch findet Eingang in die Darstellungswelt von Bülhoff. Im Jahr1949 geboren, beschäftigt er sich mit dem Älterwerden zum Einen, befasst sich mit der Flüchtlingsdebatte zum Anderen — in einer Masse sind nur punktuell Flüchtlinge auch als Menschen zu erkennen. Darstellungen von Frauen verschiedenen Glaubens skizziert er nach.
Überflutet von Eindrücken der Werke Bülhoffs, als wäre man einem Bildgewitter von katastrophalen Nachrichten aus der Welt ausgesetzt, findet man im zweiten Teil der Ausstellung (1.OG.) zur Ruhe zurück. Monika Damm spielt mit verschiedensten Materialien und Techniken und widmet sich doch einem Thema — den Fischen. Die Unterwasserwelt hat es der Kunstpädagogin angetan. Dabei sind die zwei Leitlinien der Bewegung erkennbar — Stillstand und Dynamik. Nach dem Umzug nach Bahnitz begann die Unterwasserwelt, die Künstlerin zu begeistern. Zu Beginn der 1990er Jahren waren Damm und Bülhoff nach Bahnitz gewechselt. „In der Scheune fanden wir Fischerei–Utensilien, aber die Bahnitzer aßen keinen Fisch und gingen damals auch nicht angeln. Ich wollte mich stärker damit beschäftigen“, erklärt Damm ihre Motivation. Jüngste Inspirationsquellen sind Filmaufnahmen von der Tiefsee: „Das Wasser findet zu wenig Beachtung.“
Monika Damms Bilder sind symbolisch. Ein Triptychon stellt dem Betrachter eine neue Art vor — das Pfauenauge. Aber nicht nur mögliche Neuentdeckungen sind vorgestellt, sondern auch Veränderungen im Verhalten. So lässt Damm den Meeresbewohner, der im Pazifik beheimatet ist, in den Atlantik schwimmen. „Es gibt Fische, die nach neuen Plätzen suchen, wenn ihre Umgebung gestört wird“, weiß die Künstlerin von gemeinsamen Reisen her.
Die Gemälde, Collagen und Objekte beider Künstler sind im Foyer und den Gängen des Erdgeschosses sowie im ersten Obergeschoss bis zum 2. Juni zu den Öffnungszeiten des Kulturzentrums zu sehen (dienstags bis sonntags, jeweils 11.00 bis 17.00 Uhr).

