Am 27. Mai diesen Jahres gab Ronald Seeger in der Hälfte seiner Amtszeit seinen vorzeitigen Rücktritt als Bürgermeister von Rathenow zum 31. Mai 2022 bekannt. In einem Schreiben an die Stadtverordneten begründete er diesen Schritt mit seinem anhaltend schlechten Gesundheitszustand, durch den er die Amtsgeschäfte nicht mehr in dem Maße ausführen könne, wie es sein Anspruch war und ist.

Diskussion um Zeitpunkt des Rücktritts von Bürgermeister Seeger

Zur letzten Stadtverordnetenversammlung mussten nun die Abgeordneten, als eigentliche Dienstherren und -damen des Bürgermeisters, über seinen Antrag zur Versetzung in den Ruhestand abstimmen. Dies löste heftige Diskussionen aus. „Es ist verständlich, wenn sie sagen, ‚Nach so vielen Dienstjahren ist mir die Entscheidung nicht leicht gefallen. Ich bin gern Bürgermeister und mir lag und liegt das Wohl der Stadt, das Wohl der hier lebenden Menschen und die Entwicklung Rathenows sehr am Herzen. Ich habe viele meiner gesteckten Ziele erreicht.‘ Das kann und würde ich ohne Einschränkungen unterschreiben“, so Karsten Ziehm (FDP/Freie Wähler) in seiner Rede. Ziehm bat Seeger, bereits zum 31. Dezember 2021 zurück zu treten.

Weiteres Jahr im Amt trotz schlechter Gesundheit

„Die Mitteilung, dass Sie Ihren gesundheitlichen Zustand jetzt richtig eingeschätzt haben, wurde von allen als sehr, sehr positiv aufgenommen. Aber die große Masse, und dazu zähle ich mich auch, kann den Zeitpunkt zum Eintritt in den Ruhestand, den 31. Mai 2022, absolut nicht verstehen und auch nicht akzeptieren. Sie haben im Mai 2021 festgestellt, dass Sie nicht mehr in der Lage sind, Ihre Amtsgeschäfte zu erledigen, wollen aber noch ein Jahr im Amt verweilen, um im Mai nächsten Jahres ihr 20. Jubiläum als Bürgermeister feiern können. Sie haben seit 2002 sehr, sehr viel erreicht und geschaffen. Jetzt sind Sie gerade dabei, vieles davon wieder einzureißen und sich einen Abgang zu verschaffen, der Ihnen nicht würdig ist“, so Ziehm weiter.

Dienstfähigkeit Seegers in Zweifel gezogen

Ronald Seeger selbst war auf Grund seines Gesundheitszustands bei der Sitzung nicht anwesend. „Ich habe große Hochachtung für den Entschluss zum Rücktritt, aber der Zeitpunkt für diesen Schritt lässt mich zweifeln. Er hat eine lange und erfolgreiche Dienstzeit absolviert. Ich wage zu bezweifeln, ob Seegers Dienstfähigkeit derzeit noch gegeben ist“, schloss sich Daniel Golze, Vorsitzender der Links-Fraktion, der Kritik an.
„Ein Rücktritt zum 31.Dezember 2021 ist so nicht möglich. Die SVV kann das Datum nicht vorverlegen“, erklärte der stellvertretende Bürgermeister Jörg Zietemann. „Und ich werde den Antrag hier nicht zurückziehen.“ Ein Antrag auf Vertagung der Beschlussvorlage durch Christian Rieck (Die Linke/Die Partei) scheiterte mit neun zu elf Stimmen.

Rücktrittsgesuch mehrheitlich angenommen

Nach einer Unterbrechung der Sitzung stimmten zwölf der 21 anwesenden Abgeordneten für Seegers Antrag, sechs dagegen und drei enthielten sich der Stimme. „Der Vorgang war nur peinlich“, kommentierte CDU-Fraktionsvorsitzender Andreas Gensicke nur kurz. „Ein früherer Rücktritts-Zeitpunkt wäre eventuell wünschenswert, aber ich respektiere und akzeptiere Ronald Seegers Entscheidung“, so Hartmut Rubach, SPD-Fraktionsvorsitzender.
Die AfD sah Golzes „Auftritt“ bereits als Wahlkampf. Jürgen Vogeler dankte dem stellvertretenden Bürgermeister Jörg Zietemann und den Amtsleitern für die monatelange, konstruktive Ausübung der laufenden Amtsgeschäfte.