Der 31. Oktober 1517 ging in die Geschichte ein. Durch Veröffentlichung seiner 95 Thesen wider den Ablasshandel leitete Martin Luther die Reformation ein. In deutschen Landen setzte sich diese eher im Norden durch. Im westhavelländischen Rathenow ist die evangelische Konfession seit 1540 belegt.
Freilich war auch die Sankt-Marien-Andreas-Kirche vormals eine katholische Stätte der Gottesanbetung gewesen. Wann genau in ihr der Protestantismus Einzug gehalten hat, ist nicht überliefert. Das neue Kirchenkapitel setzt mit Pfarrer Peter Richter ein, der hier von 1540 bis 1548 tätig war. In der Endkonsequenz war die katholische Konfession für die nächsten rund 400 Jahre aus der Stadt verbannt. Bis auf die jüdischen Leute in Rathenow waren praktisch alle Einwohner evangelisch.

Aktuell rund 13.500 evangelische Christen im Kirchenkreis

 Heute befindet sich die von Luther begründete Konfession insgesamt auf dem Rückzug.  Ihr gehen die Mitglieder allmählich aus. Allein im Kirchenkreis Nauen-Rathenow, die Fusion erfolgte 2003, sank die Zahl der Mitglieder zwischen 2005 und 2019 um etwa 6.000 auf rund 13.500. Gehörte früher zu jeder Kirche ein Pfarrer bzw. eine Pfarrerin, müssen heute Gemeindeoberhäupter vielfach über die Dörfer ziehen. Beispielsweise ist Pfarrer Stefan Huth in der Reformationsgemeinde Westhavelland der Mann Gottes für Nennhausen, Ferchesar, Stechow, Damme, Bamme, Liepe, Gräningen, Kotzen, Kriele und Landin.

Zahl der EKBO-Kirchenkreise sank von 40 auf 24

Fusionen wie die im Havelland ließen die Anzahl der Kirchenkreise auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) erheblich sinken. 40 waren es noch im Jahr 2000, aktuell sind es 24.
Die EKBO-Kirchenkreise sind in drei  Sprengel zusammengefasst. Das sind übergeordnete Verwaltungseinheiten. Der Kirchenkreis Nauen-Rathenow, geleitet von Superintendent Thomas Tutzschke, gehört zum Sprengel Potsdam. Hier übt Kristóf Bálint das Amt des Generalsuperintendenten aus.  Man könnte ihn auch als Regionalbischof bezeichnen. Nächsthöhere Instanz ist die EKBO, deren geistlicher Leiter Bischof Christian Stäblein ist.

Höchste Instanz in Deutschland ist Heinrich Bedford-Strohm

Die Landeskirche gehört zur Gemeinschaft der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), in welcher Heinrich Bedford-Strohm seit 2014 den Ratsvorsitz inne hat. Er ist Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und sozusagen die höchste lutherische Instanz in ganz Deutschland.
Die gesamte EKD steht vor großen Herausforderungen, was den fortschreitenden Mitgliederschwund in ihren Reihen betrifft. Dieser resultiert aus mehreren Gründen. In einem Beitrag über die Konfessionen in Deutschland auf www.bpb.de (Bundeszentrale für politische Bildung) heißt es über die evangelische Kirche, dass im Jahr 2017 gut 197.000 Menschen ausgetreten waren, 176.200 wurden getauft (darunter 158.800 unter 14-Jährige), 26.200 wurden wieder aufgenommen oder waren übergetreten, und rund 271.200 evangelische Kirchenmitglieder wurden bestattet.

Im Havelland ist nächste Fusion in Arbeit

Was zukunftsfähige Strukturen betrifft, wird aktuell im Havelland über eine sinnvolle Neugliederung der Kirchenkreise Nauen-Rathenow, Falkensee und Potsdam nachgedacht. Die EKBO-Leitung erwartet bis Frühjahr 2023 einen einvernehmlichen Vorschlag von der Basis. Ob es dann künftig einen oder zwei Kirchenkreise in diesem Bereich geben wird, ist noch offen.