Regionalliga Nordost in Corona-Zeiten
: Ingo Kahlisch von Optik Rathenow plädiert für Abbruch wegen Corona

König Fußball ist mitten in der Saison vom Thron gestoßen. Das runde Leder ruht bis in die untersten Etagen. Im Havelland ist das die  2. Kreisklasse.
Von
René Wernitz
Rathenow
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Fußballlehrer Ingo Kahlisch (63), ein Mann voller Ehrgeiz und Emotionen: Sein 31. Trainerjahr in Rathenow hat er sich ganz anders vorgestellt. Er plädiert für den Abbruch der Regionalligasaison 2019/2020.

Nico Roesenberger

An der Schnittstelle hin zum bezahlten Fußball erlebt der FSV Optik Rathenow die gegenwärtige Corona-Zwangspause. Die Regionalliga Nordost, die praktisch den Bereich der früheren DDR – inklusive Berlin – umfasst, stellt für ambitionierte Vereine das Sprungbrett zu den Profis dar. Eine Etage drüber ist die 3. Liga.

Von der wagt man in Rathenow nicht mal zu träumen. Hier geht es nur um den Klassenerhalt. Würde die Saison jetzt abgebrochen, stünde der FSV Optik (aktuell Platz 13) sportlich im Grünen Bereich da. So gesehen stellt die Forderung von FSV-Sportchef und -Trainer Ingo Kahlisch kaum den Versuch dar, dem Abstieg zu entgehen. Er plädiert für den sofortigen Abbruch der Regionalligasaison.

Noch ist unklar, wann wieder gespielt werden könnte. Der zuständige Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat den Spielbetrieb „bis auf Weiteres“ eingestellt. Der Wiederanpfiff würde 14 Tage vorher angekündigt werden. Indes stellt es der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Verbänden frei, ob sie die Saison nach entsprechenden Corona-Lockerungen fortsetzen oder abbrechen wollten. Alle Jahre galt der 30. Juni als definitives Saisonende. Nun könnte über das Datum hinaus gespielt werden.

Ingo Kahlisch ist nicht der einzige Vertreter der Abbruch-Fraktion. Ins gleiche Horn stoßen etwa die Ligarivalen BSG Chemie Leipzig und FC Energie Cottbus. So geht es aus einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks auf www.mdr.de (Sport im Osten) hervor. Eins scheint ihnen klar: Selbst wenn wieder gespielt werden dürfte, würden die Ränge in den Stadien wohl leer bleiben. Bei jedem Geisterspiel müssten die Vereine auf dringend notwendige Einnahmen durch Eintrittskarten, Imbiss und Getränke verzichten. In Leipzig konnte sich  die BSG Chemie zumindest über einen warmen Geldsegen freuen. Eine Unterstützeraktion hatte dem Verein, laut eigenen Angaben auf www.chemie-leipzig.de, bis Ende des 5. April sagenhafte 185.000 Euro in die Kasse gespült. In den bisherigen Chemie-Heimspielen der Saison 2019/2020 wurden im Durchschnitt etwa 3.000 zahlende Zuschauer registriert. Laut Spielplan würde am 26. April der FSV Optik Rathenow im Alfred-Kunze-Sportpark gastieren. Dieser fasst rund 5.000 Zuschauer.

Ebenso groß ist die Kapazität der FSV-Heimstätte am Vogelgesang. In der Regel ist das Stadion nicht mal zu zehn Prozent ausgelastet. Wenn aber jeder von mal angenommenen 350 Gästen neben dem Eintritt auch in eine Bratwurst sowie ein oder zwei Bier investiert, bringt das einen Stadionumsatz von mehreren tausend Euro.

Der FSV Optik Rathenow spielte letztmals am 7. März vor heimischer Kulisse. Vor etwa 200 Zuschauern sprang ein 1:0 gegen den VfB Auerbach heraus. Das Freitagheimspiel am 13. März gegen Viktoria Berlin war bereits dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Fünf Spiele am Vogelgesang sind nun noch offen, dazu vier Auswärtsspiele. Letzter Spieltag wäre am 16. Mai gewesen.