Straßenfußball
: Rathenow: Die Bürgelschule kickt fair

„Kick fair“: das internationales Projekt wirkt als Türöffner zum respektvollen Umgang miteinander auch bei den Bürgel-Schülern in Rathenow.
Von
Manuela Bohm
Rathenow
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Bürgelschüler spielen Straßenfußball für mehr Respekt und einen freundlichen Umgang mit einander.

privat

„Der eingetragene Verein Kickfair e.V. etabliert den Straßenfußball als anerkannte Lehrmethode. Er wirkt sowohl als Türöffner bei den Schülern für die Auseinandersetzung mit globalen Themen als auch zum Lernen von Kommunikation, Kooperation und Kompromissbereitschaft“, ist Michaela Haisch, Lehrerin an der Bürger-Gesamtschule in Rathenow begeistert vom Straßenfußball.

Als Lehrerin brachte sie die Idee des Vereins an die Bürgelschule. „Mit meinem ersten eigenen Kurs haben wir auf dem Schulhof eine Pausenliga organisiert“, so Haisch. Nun wirkt sie mit vier weiteren Pädagoginnen im Kickfair-Team der Unesco-Schule.

Beim Straßenfußball gibt es drei Halbzeiten - das ist einer der offensichtlichsten Unterschiede, von außen betrachtet. In der ersten Halbzeit werden die Teams mit je einem Teamer gebildet. Jeder darf mitspielen - egal welchen Geschlechts, welcher Kultur oder Alters derjenige angehört. Sie besprechen  gemeinsam, welche Fairplay-Regeln im Spiel gelten sollen, drei werden mindestens festgelegt. „Eine Regel könnte lauten, dass Tore nur gezählt werden, wenn sie von einem Mädchen mit vorbereitet wurden. Eine zweite könnte sein, dass beide Mannschaften jubeln, gelingt ein Tor“, erklärt Haisch die Besonderheiten des Straßenfußball. Respekt, ein freundlicher Umgang unter einander und Kompetenzen der Kommunikation sollen so gebildet werden. Die zweite Halbzeit wird vom eigentlichen Spiel dominiert. Dabei gibt es keinen Schiedsrichter, der ins Spiel eingreift, werden Regeln verletzt. Die beiden Teamer der Mannschaften beobachten das Spiel lediglich, aber unterbrechen es nicht.  In der dritten Halbzeit werten alle Spieler das Spiel aus und besprechen, inwieweit die verabredeten Regeln eingehalten wurden.

„Über den Straßenfußball sprechen wir Schüler an, die sonst nicht Fußball spielen. Sie finden in dieser Form ihre Nische und entwickeln ihre Persönlichkeit. Sie werden groß damit, werden selbstständiger und entwickeln Verantwortungsgefühl. Das ist das, was wir bereits bei einigen Schülern miterleben konnten“, sagt Haisch. Bisher spielte Straßenfußball nur punktuell eine Rolle. In Verknüpfung von Sportprofil und Ausrichtung als Unesco-Schule, soll der Straßenfußball an der Bürgel-Schule eine Tradition werden. Mit einem Workshop in den siebenten Klassen, sollen die neuen Gesamtschüler eine Einführung im Straßenfußball erfahren und die Ideen dahinter kennenlernen. In den achten Klassen könnte ein Workshop vermitteln, wie Schüler zu Teamer werden und welche Fähigkeiten sie dazu benötigen. Auch wie ein Turnier organisiert wird, kann so erlernt und erfahren werden. „Wir wollen zudem den Straßenfußball als Wahlpflichfach I etablieren und so über den Fußball Themen wie Demokratie, Migration, Konsum, Nachhaltigkeit diskutieren und besprechen wie die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreicht werden können“, fügt Jennifer Opitz, eine der vier weiteren Lehrerinnen im Kickfair-Team hinzu. Sie spricht damit auch darauf an, dass Kickfair nicht nur deutschlandweit agiert. Der Straßenfußball und kickfair sind international in jedem Land nach einer spezifischen Idee aktiv. Gleich ist der respektvolle Umgang untereinander. Um diese Ideen über Ländergrenzen zu tragen, gibt es nicht nur nationale Treffen, sondern auch internationale, die alle vier Jahre nach den Fußball-Weltmeisterschaften stattfinden. Über diesen internationalen Zusammenschluss könnten sogar Bürgelianer Straßenfußball in anderen Ländern unseres Erdballs spielen. Zudem ist die Bildungseinrichtung dabei, eine Lernpartnerschaft mit Kickfair-Schulen in Chile zu knüpfen.