Südkorea
: Rathenower sah genauer hin

Dr. Heinz-Walter Knackmuß wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit auf Reise genommen nach Südkorea.
Von
René Wernitz
Rathenow
Jetzt in der App anhören

Dr. Heinz-Walter Knackmuß referierte in Südkorea.

privat

Von 1990  bis 2006 war er Amtsarzt und Vorsitzender des Verbandes der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Brandenburg und stellvertretender Bundesvorsitzender der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. 1994 hielt Knackmuß in Düsseldorf einen Fachvortrag über den Aufbau der Gesundheitsämter in den neuen Bundesländern. Genau so ein Referat war nun in Pyeongchang gewünscht.

Auf der koreanischen Halbinsel ist zwar noch lange nicht absehbar, dass es wie in Deutschland (1990) zur Wiedervereinigung zweier Staaten kommt. Doch die Südkoreaner gehen offenbar schon mal in Vorleistung. Ihr Minister für Vereinigung und der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Energie schufen 2010 ein Gremium zu Vereinigungsfragen. Die Deutschen sind in dieser Hinsicht wohl beste Tippgeber. Jährlich und wechselnd, mal in Deutschland, mal in Südkorea, trifft sich das Gremium - zuletzt vor etwa drei Wochen. Heinz-Walter Knackmuß war auf Einladung des Bundesministeriums dabei.

Der Referent kehrte mit mannigfaltigen Eindrücken zurück.  Im Gedächtnis blieb im etwa der Vortrag eines südkoreanischen  Professors, der die Zeit in Europa nach 1945 in drei Phasen einteilte: Kalter Krieg, Erschaffung der europäischen Gemeinschaft und Zerfall der europäischen Gemeinschaft.

Die Mauer mitten in Europa, die West und Ost einst trennte, gibt es nicht mehr. Zäune dienen nun dazu, Flüchtlingen die sogenannte Balkanroute zu versperren. Eine hochgerüstete Grenze, wie sie sich auf der Halbinsel befindet, ist daher eine nähere Betrachtung wert. Der 38. Breitengrad ist praktisch die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea, 1953 wurde sie gezogen. Zuvor hatte es Krieg gegeben. Ein Friedensvertrag kam nie zustande. Formal befinden sich beide Staaten noch immer im Kriegszustand.

Die Demarkationslinie war das Ziel eines Ausflugs, an dem Knackmuß teilnahm. Als aufmerksamer Beobachter nahm er auf der Fahrt dorthin auch Dinge wahr, die nichts mit koreanischen Vereinigungswünschen zu tun haben. „Es besteht ein Rauchverbot in der Öffentlichkeit, sodass man keine Kippen findet. Wer in der Öffentlichkeit raucht, muss fast 100 Euro Strafe zahlen. Graffitis sind unbekannt. Die Felder sind wie mit dem Lineal abgesteckt und genauso sauber wie die Städte. Jedes kleinste Fleckchen der roten fruchtbaren Erde wird bestellt und gepflegt. Die Kartoffelfelder mit schwarzer Folie abgedeckt und ein Loch oben drin, wo die Kartoffelpflanzen rauswachsen. Kein Unkraut!“, so Knackmuß und schiebt nach: „Ob die Südkoreaner wie die Chinesen durch Insektizide ihre Bienen ausgerottet haben und nun selbst ihre Apfelbäume bestäuben müssen, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.“ Er habe  kaum Insekten gesehen. Und bis auf den Kuckuck, „den wir gehört haben, und weiße Reiher in den Reisfeldern, haben wir keine Vögel gesehen.“

Aus dem sozialen Bereich erfuhr Knackmuß an anderer Stelle: „Weert Börner von der Deutschen Botschaft in Südkorea berichtete, dass die Kinder meist Ganztagsschulen besuchen und danach noch von den Eltern bezahlten Nachhilfeunterricht erhalten, damit sie gute Noten bekommen, um zum Studium zugelassen werden. Die Selbstmordrate bei Kindern ist hoch. Sie haben kaum noch Zeit zum Spielen. Alle haben ein Handy.“

Natürlich nahm der Rathenower noch eine Information vom medizinischen Sektor mit: „Die Südkoreaner putzen bei jeder passenden und unpassender Gelegenheit ihre Zähne. Nach dem Mittagessen waren alle öffentlichen Toiletten voller Zähneputzer. Die Erklärung ist recht simpel, zahnärztliche Behandlungen sind sehr teuer.“