Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir (B‘90/Die Grünen), hatte das Gelände des in Dallgow-Döberitz ansässigen Tierheims Falkensee gerade mal zwei Minuten verlassen, da klingelte bei der Vorsitzenden des hiesigen Tierschutzvereins, Dr. Heike Wegner, das Telefon. Am anderen Ende die Polizei, die einen ausgesetzten Hund meldete – 20 Meter vor dem Tierheimtor an einem Baum angebunden.
Während sich drinnen also Minister und Vertreter des Tierschutzes über die Probleme in deutschen Tierheimen austauschten, entledigte sich draußen ein Mensch seines Hundes. Der Rüde, soviel war schnell klar, hat zwar einen Chip, ist aber nicht bei den gängigen Haustierregistern, wie Tasso oder Findefix, registriert. Somit wird das Tierheim wahrscheinlich ein neues Zuhause für den Labrador oder Labrador-Mix finden müssen.

Berlin-Nähe ausschlaggebend für Treffen in Falkensee

Cem Özdemir bekam davon nichts mehr mit. Der Minister war schon zum nächsten Termin unterwegs. Diese Enge im Terminkalender war auch der Grund, warum das Treffen in Falkensee bzw. in Dallgow-Döberitz stattfand. Das Tierheim liegt in relativer Nähe zum Dienstsitz in Berlin-Mitte und stellt mit seiner Größe eher die Norm der deutschen Tierheime dar, als das Berliner Tierheim, das das größte in ganz Europa ist.
Wurde während des Besuchs des Bundesministers Cem Özdemir vor dem Tierheim Falkensee am 1. August 2022 angebunden. Der Rüde ist zwar gechippt, aber nicht registriert.
Wurde während des Besuchs des Bundesministers Cem Özdemir vor dem Tierheim Falkensee am 1. August 2022 angebunden. Der Rüde ist zwar gechippt, aber nicht registriert.
© Foto: Sandra Euent
Gesprochen hat Özdemir mit dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, seiner Stellvertreterin Renate Seidel, sowie dem Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes, Rico Lange, und Dr. Heike Wegner.

Anstieg von Mindestlohn und Tierarztkosten lassen Tierschutzvereine bangen

Das Tierheim Falkensee hat derzeit vier festangestellte Mitarbeiter, die zusammen mit vielen Ehrenamtlern die Tiere versorgen. Mehrere Probleme bereiten Sorgen: Der Anstieg des Mindestlohns auf zwölf Euro im Herbst könnte bedeuten, dass sich das Tierheim nicht mehr alle vier Mitarbeiter leisten kann. Die steigenden Energiepreise und die geplante Erhöhung der Gebührenordnung der Tierärzte (GOT) sind ebenfalls drückende Probleme. Da die Energiepreise und die GOT auch die Menschen außerhalb des Tierheims treffen, befürchtet der Tierschutzbund sinkende Spendeneinnahmen.
Die Tierheime hätten ihre Rücklagen während der zweijährigen Corona-Zeit aufgebraucht, so Thomas Schröder. Er fordert zum Beispiel eine kostendeckende Erstattung bei Fundtieren. Das Tierheim Falkensee hat Fundtierverträge mit den Gemeinden Falkensee, Dallgow-Döberitz und Brieselang. Nicht alle Gemeinden übernehmen die vollen Kosten, zum Teil wird nur eine Pauschale gezahlt. Kostet das Tier mehr, etwa weil es krank ist und behandelt werden muss, bleibt der Tierschutzverein auf den Kosten sitzen.

5 Millionen Euro für Versorgung ukrainischer Tiere

Zuletzt konnte der Bundesminister 5 Millionen Euro für den Deutschen Tierschutzbund bereitstellen, die dieser quasi rückwirkend an die Tierheime für die von ihnen geleistete Hilfe an Tieren von Ukraine-Geflüchteten ausgibt. Die Geflüchteten, die ihre Tiere mitgebracht hätten, haben in den Augen von Özdemir genau richtig gehandelt und ihre Tiere nicht zurückgelassen. Denn, so Özdemir, Tiere seien zwar großartige Begleiter, man müsse aber auch die Verantwortung für diese übernehmen und sich daher vor Anschaffung fragen, ob man genügend Platz und Zeit für sie hat.
Den wohl für den Tierschutzbund wichtigsten Satz sagte er danach: Er würde sich dafür stark machen, dass die Pflichtaufgaben, die die Tierheime übernehmen, kostendeckend erstattet würden.
Rund 100 Tiere sind derzeit im Tierheim Falkensee untergebracht, darunter rund 70 Katzen (inklusive Kitten) und acht, mit dem neuen Fundhund insgesamt neun Hunde.