Trainerjubiläum
: Seit 30 Jahren auf der Bank

Ingo Kahlisch ist der Mr. Fußball Rathenows. Am 1. Juli 1989 hat seine Trainertätigkeit in der Stadt begonnen.
Von
René Wernitz
Rathenow
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Im Nordosten Deutschlands gut bekannt: Ingo Kahlisch, hier im April vor MDR-Mikrofon und -Kamera,  startete am 1. Juli 1989 in seine Tätigkeit in Rathenow.

Roesenberger

Seinen Trainerjubiläumstag hat der 62-Jährige am Montag zunächst in der FSV-Geschäftsstelle erlebt. Sie befindet sich in der Berliner Straße und ist eigentlich der „Sport-Shop“, den Kahlisch betreibt. Wer dort ein- und ausgeht, benötigt nicht unbedingt neue Fußballschuhe  oder -hosen. Es ist die Schaltzentrale des im Februar 1991 gegründeten Fußballsportvereins Optik Rathenow, in dem Kahlisch gleichsam Trainer und Manager ist.

Wo auch immer sportlicher Anspruch und Realität nicht im Gleichklang sind, werden in der Regel Trainer gegen neue ausgetauscht. Für Kahlisch hat wohl stets gesprochen, dass der Verein über seinen zu erwartenden Möglichkeiten agiert. Finanziell gesehen gehört der FSV eine Liga tiefer, wie Kahlisch vor Beginn der Aufstiegssaison 2018/2019 gegenüber BRAWO erklärte. Dass etwa die in Rathenow produzierende Fielmann AG jemals Hauptsponsor werden könnte, nur weil es thematisch zu Optik passt, ist weiter reines Wunschdenken. Mühsam muss sich derweil das Vogelgesang-Eichhörnchen  ernähren und sammelt jeden Taler auf, den es bekommen kann.

Sportlich betrachtet sind Kahlisch und der FSV  in der vorigen Saison mit einem blauen Auge in der Regionalliga Nordost davongekommen. Nach Punkten bereits abgestiegen, hielten die Rathenower dennoch die Klasse. Ein anderer Verein, der besser platzierte FC Oberlausitz Neugersdorf, trat stattdessen den Gang nach unten an - aus finanziellen und strukturellen Gründen, wie es heißt.

Das Sahnehäubchen auf dem Klassenerhalt in Kahlischs Jubiläumsjahr war das Landespokalfinale im Mai. Sicher war es für den Fußballlehrer ein Schaulaufen vor den TV-Kameras. Zwar siegte der FC Energie Cottbus knapp mit 1:0 am Vogelgesang und ließ den Rathenower Traum von der erneuten Teilnahme im DFB-Pokal platzen. Diesmal wären die Bayern nach Rathenow gekommen, wie sich bei der Auslosung der 1. Hauptrunde herausstellen sollte. Doch kommt es nun wieder zu Punktspielen gegen Cottbus. Das hat es seit der Saison 1995/1996 nicht mehr gegeben. Damals saß Eduard (Ede) Geyer auf der FC-Trainerbank. Für Cottbus ging es in der Folge immer weiter nach oben, bis in die Bundesliga. 2004 wurde der Ede ausgewechselt. Es folgten sieben weitere Energie-Trainerwechsel. Der FSV Optik mit Ingo Kahlisch hatte indessen in der Saison 2004/2005 die Talsohle (Verbandsliga Brandenburg) erreicht. Nach der Saison 2005/2006 ging es wieder aufwärts.

Da die Niederlausitzer nun aus der 3. Liga in die Regionalliga Nordost abgestiegen sind, trifft sich dort die märkische Elite. Der FSV,  Rathenow und das Havelland gehören daher zum Besten, was das Fußballland Brandenburg zu bieten hat. Ingo Kahlisch sei Dank! Dumm nur, dass es ausgerechnet am Jubiläumstag in der Schaltzentrale eine 2:10-Testspielniederlage vom Wochenende auszuwerten gab.

Werdegang

Für KWO (Kabelwerk Oberspree) Berlin spielte Ingo Kahlisch in der zweiten Fußballliga der DDR. Seine aktive Zeit endete als 28-Jähriger, dann wurde er Trainer. Drei Jahre in Luckenwalde folgten, ehe der Potsdamer 1989 in Rathenow ankam und blieb.