Die Wirtschaftsregion Westbrandenburg ist industriegeschichtlich mit den Schlagworten „Stahl“, „Chemie“ und „Optik“ sehr eng verbunden. Das zeigt sich insbesondere durch die bekanntesten Vereine in den kooperierenden Städten Brandenburg an der Havel, Premnitz und Rathenow.
Während Regionalligist FSV Optik beim Fußball heute das Beste darstellt, das die Region zu bieten hat, kommt es auf brandenburgischer Landesebene immer wieder zu Duellen zwischen dem FC Stahl Brandenburg und dem TSV Chemie Premnitz. Das letzte Aufeinandertreffen am 31. Oktober 2020 brachte für die Zuschauer ein wahres Spektakel, das wohl jeden Euro des Eintrittsgeldes wert war.

TSV Chemie vs. FC Stahl

Für die gastgebenden  Chemiker sah es zunächst nicht wirklich gut aus. Die Stahlwerker gingen in Führung. Das Spiel entwickelte sich zu einem rassigen Derby, in dem es drei Feldverweise, Spielunterbrechung  und ein sehr spätes Ausgleichstor zum 2:2-Endstand gab. In der zehnten Minute der Nachspielzeit hatte Jonas Hagedorn für die Premnitzer eingenetzt. Mit dem Abpfiff ging es in die nächste Corona-Zwangspause.

Eine Macht in der Landesliga Nord

Der TSV Chemie belegt nach neun absolvierten Spielen den 12. Platz. Das ist, sofern irgendwann wieder gespielt werden darf im Amateurbereich, durchaus steigerungsfähig. Seit Zugehörigkeit zur Landesliga Nord lag der TSV in der Endabrechnung fast immer im einstelligen Bereich der Tabelle. Nur 2012/2013 musste man sich mit Rang 13 begnügen.
Der TSV Chemie Premnitz ist nicht nur in der Landesliga eine Macht. In der Saison 2018/2019 holte Chemie II die Meisterschaft in der 2. Kreisklasse A und stieg in die 1. Kreisklasse A des Havellands auf. Bekanntlich endete die Amateursaison 2019/2020 durch Abbruch wegen  Corona. TSV II belegte da Rang 4 und ist aktuell sogar Tabellenführer.  TSV I schoss sich in der Vorsaison auf Platz 9.

Fußballabteilung aktuell mit 210 Mitgliedern

Auf der Vereinswebsite https://chemie-premnitz.de/ ist zu erfahren, dass es auch eine Frauenmannschaft gibt. Altersmäßig an der Spitze der Nachwuchsabteilung befindet sich die männliche A-Jugend. Bis auf die B-Jugend, die es nicht gibt,  reicht das Altersklassenspektrum bis zu den Bambini, die von einer Frau trainiert werden. Hier engagiert sich Diana Galys.
Insgesamt gehören 28 weibliche Aktive der Fußballabteilung des TSV Chemie Premnitz an.  Alle anderen 182 Mitglieder sind männlich. Die insgesamt 210 Mitglieder machen den Fußball zur Nummer 1 im Verein, der insgesamt 709 Mitglieder in rund 15 Sektionen zählt.

Im Vereinsursprung kein Fußball

Im Ursprung gehörte Fußball nicht zum Portfolio, als 1909 der Männer-Turn-Verein (MTV) Premnitz gegründet wurde. Das sind die Wurzeln des Vereins. Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb die Jagd nach einem runden Leder den Handballern überlassen, die es seit 1924 gab.
Erst zu Zeiten der sowjetischen Besatzungsmacht (1945-1949), wuchs allmählich das sportliche Premnitzer Interesse am Fußball. Mit Gründung der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Chemie Premnitz im Jahr 1949 gehörte diese Ballsportart auch zum Verein, blieb aber lange eine Randerscheinung. Noch immer dominierte Handball. „Die Sektion Fußball hatte es am Anfang schwer. Die Leistung der Mannschaft stagnierte und hatte wenig Anhänger“, wie es in der 100-Jahr-Vereinschronik heißt, die 2009 in Buchform erschienen war. Die Großwetterlage für Kicker änderte sich erst in den 1960er Jahren.

1967 Aufstieg in die zweite Liga der DDR

„Nach Jahren der Stagnation wurde die Sportart Fußball in Premnitz attraktiver. Durch Zugänge von Fußballern aus Rathenow, Brandenburg und anderen Orten entwickelte sich in wenigen Jahren eine leistungsstarke 1. Fußballmannschaft“, wie es in der Chronik weiter heißt. 1967 war der Aufstieg geschafft in die DDR-Liga, das war die zweite Liga im Land. Nach Abstieg spielte Chemie Premnitz wieder eine Etage tiefer in der Bezirksliga Potsdam. „Die guten Rahmenbedingungen in Premnitz zogen viele gute Fußballer aus anderen Vereinen von nah und fern an“, wird in der 100-Jahr-Chronik gelobt. Die BSG Chemie blieb daher eine Spitzenmannschaft im Bezirk Potsdam. 1977 gelang der erneute Aufstieg. Der zwischenzeitige Totalausfall beim Chemie-Fußball war Resultat der Wende in der DDR.

Nach der Wende vorübergehende Auflösung der Fußballabteilung

Schon im Februar 1990 erfolgte die Umbenennung der BSG in Turn- und Sportverein (TSV). Jede Abteilung war nun selbst für die eigenen Finanzen zuständig. Indessen hatte sich die Fußballabteilung aufgelöst. Es bedurfte eines langen Anlaufs, um zunächst mittels Freizeitspielern wieder in die Spur zu gelangen.
„Die Abteilung Fußball unter der umsichtigen Leitung von Sportfreund Peter Kaiser vollzog in den Jahren ab 2000 eine stabile Entwicklung“, wie berichtet wird. Als die Chronik erschien, spielte der TSV Chemie Premnitz noch in der Landesklasse West. Meisterschaft und Aufstieg in die Landesliga Nord gelangen erst in der Saison 2010/2011.