Vor 345 Jahren
: Der Große Kurfürst in Barnewitz

Genau 345 liegt es zurück, dass zunächst in Rathenow Landesgeschichte geschrieben wurde. Ein die Stadt besetzt haltendes schwedisches Dragoner-Regiment wurde durch kurfürstliche Truppen aufgerieben. Das war ein Wendepunkt.
Von
René Wernitz
Barnewitz/Rathenow
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Das barocke Kurfürstendenkmal in Rathenow erinnert an landesgeschichtlich bedeutsame Ereignisse im Juni 1675.

Rene Wernitz

Das Datum der Befreiung Rathenow variiert je nach Sichtweise. Am 15. Juni 1675  galt noch der Julianische Kalender, laut heute gültigem Gregorianischem Kalender vollzogen sich die Ereignisse am 25. Juni 1675. Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, was aus Brandenburg-Preußen geworden wäre, hätte der Kurfürst Friedrich Wilhelm nicht den Sieg davon getragen.

Die Schweden waren seinerzeit bis zur Havellinie vorgedrungen und hielten die Städte Brandenburg, Rathenow und Havelberg besetzt.  Das Hauptquartier befand sich in Pritzerbe. Als die kurfürstlichen Truppen Rathenow befreiten, hat das die Schweden komplett überrascht. Von Brandenburg aus waren Kontingente nach Pritzerbe marschiert, gemeinsam wollte man in Rathenow die Havel überqueren,  dann nach Havelberg gelangen, um sich mit dortigen Kontingenten zu vereinigen. Plan war die Überquerung der Elbe und die Vereinigung mit Truppen aus Hannover. Dem brandenburgischen Kurfürsten, den man wohl noch im fernen Schweinfurt wähnte, sollte die Rückkehr ins Land unmöglich gemacht werden. Doch hatte Friedrich Wilhelm in einem offenbar unbemerkt gebliebenen Gewaltmarsch seine Armee zunächst bis nach Magdeburg geführt und sodann bis nach Böhne. Dort verbrachte er die Nacht vor dem Angriff. Wie ferner überliefert ist, schlief der Kurfürst in der darauffolgenden Nacht im Zeltlager seiner siegreichen Truppen in Rathenow. Wo er die nächste Nacht verbrachte, ist ein eher unterbelichtetes Kapitel in der Geschichte, die in der Schlacht von Fehrbellin mündete.

Glück hatten die Brandenburger nach der Befreiung Rathenows, dass ihnen ein Bauer berichten konnte,  er hätte die Schweden in Barnewitz gesehen. Tatsächlich hatten die Feinde in Pritzerbe erfahren, dass Rathenow in kurfürstliche  Hände gefallen war. In Anbetracht der neuen militärischen Umstände wollten sich die Schweden neu aufstellen und sich in der Prignitz mit den Truppen aus Havelberg vereinen.

Von Pritzerbe zogen die Schweden nach Osten. Die Nacht zum 16. Juni lagerten sie in Barnewitz. Sehr wahrscheinlich waren die Leute aus den Dörfern vor der herannahenden Meute in die Wälder oder in Luch-Regionen geflohen. Belegt ist, dass die Schweden die Kirche in Barnewitz plünderten. Der ihnen nun hinterher eilende Kurfürst erreichte das Dorf am Abend des 16. Juni, die Schweden waren bereits in Richtung Gohlitz und Nauen weiter gezogen. Nun lagerten die Brandenburger samt ihrem Kurfürsten in  Barnewitz.

Am Abend des 17. Juni kam es bei Nauen zu erstem schwedisch-brandenburgischen Kanonenbeschuss. Doch erst am 18. Juni 1675 kam es zur entscheidenden Schlacht von Fehrbellin.