Weltenradler: Das Leben neben der Straße

Von seiner Radtour nach Wladiwostok mit Abstecher nach Japan berichtet Thomas Meixner in seinem Dia-Vortrag am 1. Februar im Rathenower Kulturzentrum.
Thomas MeixnerWarum in die Ferne schweifen - das Schöne liegt doch auch so nah? Waren Sie mit dem Rad schon in unserem Havelland unterwegs?
Es geht eigentlich nur darum unterwegs zu sein. Und, ja, ich war schon im Havelland unterwegs - erst im vergangenen Oktober. Mit dem Tandem waren wir im Fläming, fuhren durch Rathenow nach Kampehl und statteten Ritter Kahlbutz einen Besuch ab. Über Friesack ging es nach Ketzin zur Fähre wieder über die Havel. Auch auf Touren in den Norden Europas fahre ich durch Dörfer westlich von Berlin. Bei den fernen Reisen geht es mir nicht ums Ankommen oder um die sportliche Leistung. Die Kilometer zählen nur nebenbei. Vielmehr geht es um das Leben neben der Straße - um das Unterwegssein an sich. Umso länger der Weg ist, desto länger kann ich unterwegs sein. Konfuzius sagte schon: Der Weg ist das Ziel.
Wie kommt man dazu aufs Rad zu steigen, loszufahren und mehrere Monate oder gar Jahre unterwegs zu sein - wie fingen Sie an?
: Als ich mich auf die ersten großen Touren gemacht hatte, ging es weniger um das Reisen, sondern darum, einen mutigen Schritt zu wagen - vergleichbar mit einer Unternehmensgründung. Viele Menschen rennen durch ihren Alltag und schieben diesen vor, Vorhaben auf später zu verschieben. Sie erleben die Momente, die sie haben, gar nicht bewusst. Mit dem Rad war ich vorher viel unterwegs - vor der Weltreise unternahm ich bereits Fahrten über 10.000 Kilometer. Bis 1989 war ich mit dem Rad bereits einmal in Bulgarien. Ich hatte kein Auto, war mit Zug, per Anhalter oder eben mit dem Rad unterwegs - auch zur Arbeit. Zwölf Kilometer war der Weg lang. Die bin ich täglich hin und wieder zurück gefahren.
Als gelernter Elektriker haben Sie in den 909er Jahren in einem Fahrradladen gearbeitet - hat dies ihr Fernweh verstärkt?
Fünf Jahre habe ich in dieser Zeit auf die Weltreise gespart und mich vorbereitet, bevor es 1998 losgehen konnte. Ursprünglich wollten wir zu zweit bis nach Australien fahren. Aber es klappte nicht, ich startete allein - daraus wurde die Weltreise in drei Jahren und sieben Monaten.
Allein um den Erdball?
Ich bin nicht ganz allein gewesen. Man trifft viele Menschen und kommt mit ihnen ins Gespräch. Man braucht den Kontakt und sucht ihn. Oft fahren Menschen auch in die gleiche Richtung für eine gewisse Strecke. Drei Monate war ich mit einer Amerikanerin in Australien bei der Weltreise unterwegs.
Es geht nicht um den sportlichen Aspekt, sagten Sie, auch nicht um die Herausforderung in unterschiedlichen Klimazonen oder mit den Gegebenheiten Vorort klar zu kommen. Geht es um das Abenteuer?
Ich bin kein Abenteurer - eher ein Fernradtourist. Herausforderungen sind heute nur Wetter, Mücken und der Untergrund, wenn es mit den Menschen unterwegs klappt. Marco Polo, Kolumbus oder auch Alexander von Humbold waren Abenteurer. Sie wussten nicht, ob sie zurückkehren können. Heute ist das Reisen viel einfacher mit den modernen Möglichkeiten wie Skypen und Zahlen mit Karte. Man findet fast überall Wege, in den vergangenen 20 bis 30 Jahren hat sich die Situation dahin gehend extrem verbessert. Fahrradwege bleiben aber Luxus.
Im vergangenen Jahr waren sie auf der Route der Seidenstraße bis nach China unterwegs. Was haben Sie noch vor?
Mit den großen Reisen war ich schon auf allen Kontinenten. Ich möchte mir nun mehr Zeit nehmen und Länder intensiver anschauen. Skandinavien möchte ich gern in den kommenden Jahren erkunden, entspannter Reisen - abgesehen vom schlechten Wetter und den Mücken. Zum Nordkap war ich schon gefahren, aber sehr eilig. Die größte Tour war die Weltreise mit insgesamt 99.000 Kilometern. Afrika hatte ich dabei ausgelassen und später nachgeholt. Bei der Amerika-Tour erkundete ich den Norden, war in Kuba, im Amazonasgebiet und bis in den tiefsten Süden gefahren. 2010 fuhr ich nach Wladiwostok. Seit 20 Jahren bin ich auf mich gestellt, unternehme die Reisen und spreche darüber bei Vorträgen, veröffentliche Bücher. Die Wintermonate habe ich zu 110 Prozent für Vorträge verplant. Sie machen sehr viel Spaß und haben ein gewisses Suchtpotenzial. Ich freue mich auf den Vortrag in Rathenow.
Der Vortrag
Thomas Meixner kommt am 1. Februar nach Rathenow und hält einen Dia-Vortrag im Kulturzentrum ab 19.30 Uhr. Tickets dafür sind unter 03385/519051 (11.00 bis 17.00 Uhr) und online auf www.kulturzentrum-rathenow.de erhältlich.