Der 1961  geborene Rathenower ist wieder daheim. Vor etwa zwei Jahren zog er aus Neuruppin zurück in die havelländische Kreisstadt. Nicht nur der Liebe zur alten Heimat wegen, wie er sagt, sondern auch weil die Bahn-Anbindung nach Berlin ihn reizte. Tatsächlich ist er beruflich an die Bundeshauptstadt gebunden. Dr. Uwe Freimuth ist Professor an der dortigen University of Applied Sciences. Gegenwärtig bereitet er 27 Sportstudenten auf ihre Masterarbeiten vor.
Sport ist sein Ding geblieben, Freimuth selbst bezeichnet sich als Sportler durch und durch. Seine aktive Zeit beendete er allerdings nach den Olympischen Sommerspielen 1988 im südkoreanischen Seoul. Dass Fernost in gar nicht allzu ferner Zukunft sein Haupttätigkeitsfeld werden sollte, konnte das Mitglied der DDR-Delegation freilich nicht ahnen. Er hatte seit 1981 an der DHFK in Leipzig studiert. 1989 kam die Wende im Land, auch die hiesige Sportwelt erlebte nun große Umbrüche. Von Freimuths Know-How profitierten letztlich Sportverbände wie die in Vietnam, China und Malaysia.
Am Anfang seiner Karriere stand der Sportunterricht. Heimstätte war die POS, wo sich heute die Weinberg-Grundschule in Rathenow befindet. Für ihn, seinen Zwillingsbruder Jörg und praktisch alle anderen Schüler im Land war es völlig normal, bei Beginn jeder Sportstunde der Größe nach von links nach rechts an einer Linie Aufstellung zu nehmen. Die Brüder standen in Anbetracht ihrer damals schon ordentlichen Leibeshöhe weit links. Der Lehrer im Trainingsdress und mit Trillerpfeife, der die Kinder hatte antreten lassen, stand nun vor der Jungenriege. Zur Begrüßung sagte er "Sport!", die Kinder riefen "Frei!" Sie waren nun mehr oder minder fokussiert, dann gab der Lehrer weitere Kommandos.
Die Freimuths entpuppten sich als wahre Sportskanonen. Ab der zweiten Klasse  gehörten sie den Leichtathleten der BSG Einheit Rathenow an. Es fiel ihnen nie schwer zu akzeptieren, dass der Trainer das Sagen hat. Er formte sie zu Kadern, die ab der 7. Klasse die damalige Sportschule in der Stadt Brandenburg besuchten. Neuer Verein war der dortige Armeesportklub (ASK) Vorwärts. Zum Schuljahr 1978/79 erfolgte der Umzug der Einrichtung nach Potsdam. Die Brüder blieben weiter in der Spur und wurden international erfolgreich. Aber ist denn die von Autorität geprägte Beziehung von Trainern zu ihren Schützlingen überhaupt noch zeitgemäß? Uwe Freimuth bringt es für sich auf den Punkt: "Sport ist eine moderne Diktatur!"
Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind zwar andere, doch letztlich geht es auch in der Schule und im Beruf zu wie im Sport. Trainer, Lehrer und Chefs bestimmen, wo es lang geht. Wer sich mit dieser Konstellation schwer tut, hat eindeutig Autoritätsprobleme. "Kinder brauchen Regeln", weiß er, "Erwachsene erst recht!"
Freimuth sieht gerade im Sport die Chance, Kinder und Jugendliche auf das wahre Leben vorzubereiten. Dazu gehören für ihn Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Mannschaftsgeist bzw. Gemeinschaftssinn. Daher meint der Professor, dass der Sport gesellschaftlich weit höher angebunden sein sollte - nicht nur auf kommunaler Ebene, wo Sportförderung in der Regel nur eine freiwillige Aufgabe darstellt. Bei entsprechender Finanzknappheit wird hier häufig zuerst gespart.
Apropos Geld: Freimuth erklärt, dass Sport, wo er emotionalisiert, sogar das Bruttosozialprodukt steigern kann.  Es gibt auch viele gute Beispiele dafür, wo erfolgreich agierende Städte ausschließlich über den jeweiligen Sportverein bekannt sind. Man denke hier an Tauberbischofsheim. Als der DDR-Zehnkämpfer 1988 auf Platz 19 kam, holten Fechter aus dem baden-württembergischen Tauberbischofsheim sechs Olympiamedaillen. Die Kommune gilt als Fechterstadt und Medaillenschmiede. Gefragt nach diesbezüglichem Rathenower Potenzial sieht er natürlich die Regionalligafußballer des FSV Optik als diejenigen, die überregional am präsentesten sind und somit die größte Werbewirksamkeit erzielen. Er selbst hatte 1994 an der Gründung des BSC Rathenow mitgewirkt, dessen Präsident er zunächst war.
Uwe Freimuths Spezialdisziplinen als Zehnkämpfer waren Speer- und Diskuswurf. Er habe es zwar schon lange nicht mehr probiert, eventuell würde er bei entsprechender Vorbereitung noch über 110 Meter Hürden laufen können. In Bewegung hält ihn aber nun der Fußball, sofern Corona das nicht verhindert. Freimuth ist als Schiedsrichter vom MSV Neuruppin zum SV Großwudicke gewechselt.