Wohin mit dem Atommüll?: Westhavelland als Endlagerstätte vielleicht geeignet

Suche nach Atommüll-Endlagerstätte: Jochen Stay von ".ausgestrahlt" (li.) referierte unlängst in Neuruppin und informierte, wen es im Land Brandenburg treffen könnte. Auch das Westhavelland kommt in Frage.
Judith Melzer-VoigtGrund zur Besorgnis liefern Angaben der Grünen Liga Brandenburg. In einer Pressemitteilung spricht die Organisation von zwei Salzstöcken im Ruppiner Land (bei Flecken Zechlin und Netzeband) sowie von Tonvorkommen im Westhavelland, im Hohen Fläming und im Raum Brandenburg-Nauen-Werder/Havel sowie fast der gesamten Prignitz, die in Brandenburg auf ihre Eignung als Endlagerstätte hin untersucht würden. Es wird aber bundesweit nach einer passenden Stelle gesucht.
Erläuternd heißt es, dass nach dem Atomausstiegsbeschluss die Frage der künftigen Lagerung des Atommülls in Deutschland immer noch ungeklärt sei. Es gebe kein Endlager. Im März 2017 habe der Bundestag dafür das Standortauswahlgesetz (StandAG) verabschiedet.
„Damit ist das Verfahren zur Bestimmung des deutschen Atommüll-Lager-Standorts für hochradioaktive Abfälle vorgegeben“, so heißt es in der Online-Mitteilung auf www.grueneliga-brandenburg.de. Die Anti-Atom-Organisation „.ausgestrahlt“ habe das Suchverfahren auf den Prüfstand gestellt und zeige gravierende Mängel auf, darunter fehlende Mitbestimmungsrechte für Betroffene, wissenschaftliche Unschärfe, dehnbare Entscheidungskriterien und ein viel zu eng angelegter Zeitrahmen. „Dieses Verfahren läuft Gefahr, nicht zum bestgeeigneten, weil nach menschlichem Ermessen sichersten Atommüll-Lager zu führen, sondern zu rein politisch begründeten Entscheidungen mit der Folge eskalierender Konflikte mit der Bevölkerung an den betroffenen Standorten.“
Die Grüne Liga tourt in Zusammenarbeit mit der Initiative „.ausgestrahlt“ durch betroffene Regionen. Von vier angesetzten Infoveranstaltungen fand die erste bereits am 11. Februar in Neuruppin statt. Am 27. Februar folgt die zweite in Bad Belzig. Für März sind Veranstaltungen in Perleberg und Brandenburg/Havel in Planung. Referent ist Jochen Stay, der sich seit mehr als 30 Jahren gegen Atomtransporte und unsichere Atommüll-Lagerung engagiert.
Laut seinem Vortrag in Neuruppin werde eine Endlagerstätte für eine Million Jahre gesucht. Dass es ein Standort in Deutschland sein muss, sei im Standortauswahlgesetz festgeschrieben. Als Ausgangslage gebe es eine „weiße Landkarte“, gesucht werde also bundesweit. Doch würden an die Beschaffenheit des Bodens hohe Anforderungen gestellt: Dieser dürfe aus Salz, Ton oder Granit bestehen. Bis 2031 soll der endgültige Standort gefunden sein.