Wunder im Havelländischen Luch
: Wallfahrtskirche in Buckow reizt Archäologen und Hobbyforscher

Nennhausen, genauer der Ortsteil Buckow, hat geschichtlichen Reiz, lockt immer wieder Hobbyforscher und Archäologen an.
Von
Silvia Passow
Buckow/Nennhausen
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  • Der Fisch auf dem Turm der Wallfahrtskirche im Havelländischen Luch.

    Der Fisch auf dem Turm der Wallfahrtskirche im Havelländischen Luch.

    Sylvia Passow
  • Irgendwo in oder an der für dörfliche Verhältnisse eher großen Kirche wird ein Wunder- bzw. Jungbrunnen vermutet, der Buckow zum Wallfahrtsort werden ließ.

    Irgendwo in oder an der für dörfliche Verhältnisse eher großen Kirche wird ein Wunder- bzw. Jungbrunnen vermutet, der Buckow zum Wallfahrtsort werden ließ.

    Sylvia Passow
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Daran hat Henry Kilian keinen Zweifel. Der gebürtige Berliner lebt seit fünfzehn Jahren im benachbarten Garlitz. In seiner Freizeit widmet sich der Gebäude– und Energie–Berater, der auch Häuser saniert, dem Buckower Sakralbau und seiner Geschichte. Denn eine Wallfahrtskirche, davon gibt es im protestantischen Brandenburg nicht allzu viele. Ein sogenanntes Hostienwunder verhalf der Kirche einst zum Status einer Wallfahrtskirche. Genaueres zu dem Wunder wisse man nicht, sagt Kilian: „Es gibt verschiedene historische Quellen, die von diesem Wunder berichten, doch konkret wird keine davon.“

Fest steht, 1539 endet die katholische Ära in Buckow, die Reformation sorgt für Umbrüche in Glaubensfragen. Die in den 1470er Jahren erbaute Kirche wird fortan von evangelischen Kirchgängern besucht. Wallfahrten dorthin gehören der Vergangenheit an.

Wer die Kirche derzeit besucht, wird gleich auf dem Kirchhof das erste Geheimnis entdecken. Der Brunnen, er wird gerade archäologisch untersucht. Die Mitglieder des Fördervereins der Kirche, ohne deren Engagement sich hier kaum etwas tun würde, hätten gebuddelt und die bekannte Archäologin Marita Genesis für das Projekt gewinnen können, erzählt Bernd Werner, Vorsitzender des Fördervereins.

Kilian, der auch ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger ist, sagt, es gäbe Geschichten um einen Wunderbrunnen, vielleicht sogar einen Jungbrunnen. Bisher sieht es allerdings nicht nach Wundern aus. Holzplatten bedecken das Loch, welches tief in die Erde reicht. Es dürfte sich eher um einen Brunnen aus der Neuzeit handelt, wie Kilian vermutet. Allerdings sei die Brunnensuche damit noch nicht ganz abgeschlossen. Doch dazu später mehr.

Die Buckower Kirche ähnelt sehr der Petri–Kapelle auf der Dominsel in Brandenburg an der Havel, eine der ältesten Backsteinkirchen im Land. Kilian erzählt über den Bau der Kirche im Dorf, über die Löcher in der Wand, hier waren die Gerüste befestigt. Und wie so oft, hatte auch diese Kirche einen Vorgängerbau, die Spuren davon sind noch deutlich sichtbar. Was man nicht sieht: Der Besucher steht hier unter Umständen auf einer unterirdischen Gruft. Die fand man hier. „Sie ist beräumt“, sagt Kilian und deutet auf die Graslandschaft zu seinen Füßen. Er erklärt auch, dass diese Gruft noch auf eine weitere Untersuchung warte. Ein Holzstück fand man an dieser Stelle in der Kirche. Es wurde anhand der Baumringe auf 1420 datiert. Möglicherweise, so Kilian, stand über der Gruft die Vorgängerkirche, und er vermutet, dass sich hier, wo jetzt das Gras über alles wächst, einst der Altar befand, in dessen Nähe die geheimnisvolle Hostie vielleicht aufbewahrt wurde.

Die Kirche sei der heiligen Jungfrau Maria geweiht und wie für Sakralbauten üblich, nach Osten ausgerichtet. Wobei die Kirche eine Abweichung aufweist. Sie sei auf den Sonnenaufgang am 15. August, Mariä Himmelfahrt ausgerichtet, so Kilian.

Der Turm, im Jahre des Herrn 1473 fertiggestellt, ist derzeit nicht für den Besuch freigegeben. Unten im Turm steht das alte Uhrwerk. Das Zifferblatt am Turm wurde erst im letzten Herbst erneuert. Für das Original sucht Kilian noch einen Ehrenplatz. Das Uhrwerk ist sozusagen Gemeinschaftssache im Dorf. Es muss täglich gestellt werden.

„Jeden Tag kommt einer der Dorfbewohner und zieht die Uhr auf“, berichtet Kilian. Unten im Treppenaufgang weist er auf eine weitere Besonderheit hin. Die sogenannten Näpfchen.

„Zu Pestzeiten holten die Leute mit den Fingern den Putz aus den Wänden. Wahrscheinlich sollte das Mauerwerk sie schützen. Das Besondere: Solche Näpfchen findet man in den Kirchen immer an bestimmen Stellen“, sagt Kilian. Und an welchen? Endlich mal ein Geheimnis, dass vielleicht doch gelöst werden kann! „Meist dort, wo der Pfarrer die Reste des Weihwassers auskippte. Oder wo es an die Wände spritzte, wenn es genutzt wurde“, erklärt Kilian das Phänomen und ferner die weitere Funktion des Kirchturms. Er soll in Wallfahrtszeiten wie ein Leuchtturm funktioniert haben.

Einst sah die Landschaft um Buckow nämlich noch ganz anders aus. Was heute Orte sind, waren einst Inseln im Havelländischen Luch. Die Leute fuhren im Boot von Nennhausen aus nach Buckow oder nach Garlitz. Im Dunkeln soll der innen beleuchtete Kirchturm die Leute geleitet haben. Wo andere Kirchen ein Kreuz oder einen Wetterhahn haben, prangt in Buckow ein Fisch auf der Turmspitze. Dieser spannt den Bogen hin zu einer Legende, die Henry Kilian gern erzählt.

Einmal, da soll das Wasser hoch und höher gestiegen sein und alles überflutet haben -sogar Bäume, Häuser und die Kirche. Als es wieder abfloss, da blieb ein Fisch auf der Turmspitze liegen.

Der hölzerne Fisch, der heute in Buckow sozusagen über allem steht, ist noch relativ neu. Ein heftiger Sturm hatte den Vorgänger vom Turn gefegt und zerstört. Ohne Fisch wollten die Buckower aber ihre Kirche nicht belassen, und so wurde ein neuer gefertigt. Dass es immer wieder mal zur Fisch–Erneuerung kam, belegen Aufzeichnungen der Kirche. Im Kriegsjahr 1941 wurde er auf dem Dach erneuert und davor 1870. „So ein Fisch hat also eine Haltbarkeit von etwa 70 Jahren“, scherzt Kilian.

In der Kirche selbst zeigt ein Bild, wie die Landschaft einmal aussah, viel Wasser und die Orte als Inseln. „Die ganz alten Leute können sich noch daran erinnern“, sagt Kilian. Und wohl nicht von ungefähr wurde die berühmte „Undine“, die Bestsellerstory um einen weiblichen Wassergeist, im nahen Nennhausen von Friedrich de la Motte Fouqué verfasst und 1811 veröffentlicht.

Und ebenfalls im kargen Kircheninneren begegnet uns noch einmal etwas, was an einen Brunnen erinnern könnte. Der Boden ist aus groben Stein verlegt und in der Mitte des Gebäudes sind Fragmente eines Musters, zwei angedeutete Halbkreise, zu erkennen. Ist hier vielleicht der Wunderbrunnen versteckt? Vielleicht finden sich Hinweise dazu an den weiß getünchten Wänden. Hinter der Farbe vermutet Kilian, könnten sich Malereien verbergen. Vielleicht! Vielleicht ist der Glaube an ein Wunder auch schöner, als ein Wunder selbst.

Mehr Informationen zum Gotteshaus gibt es auf www.wallfahrtskirche–buckow.de.