Zieten-Husaren: Sogar ein Prinz diente in Rathenow
Die Freiburger Zeitung schrieb im März 1913: „Dass der Kaiser seinem künftigen Schwiegersohn bei dessen Übertritt in die Dienste Preußens gerade das tapfere, auf unzähligen Schlachtfeldern bewährte Regiment der Zieten-Husaren auswählte, geschah nicht nur, weil das betriebsame Rathenow, das mit ungefähr 25000 Einwohnern eine der blühendsten Städte Brandenburgs ist, von Berlin aus in weniger als einer Stunde erreicht werden kann, die räumliche Trennung der kaiserlichen Eltern von ihrer Tochter also nicht groß sein wird, sondern auch deshalb, weil die Zieten-Husaren durch eine lange Tradition mit dem Welfenhaus verbunden sind. Zwei Vorfahren des Prinzen Ernst August waren Regimentschefs der Zieten-Husaren, die Könige Ernst August und Georg V. von Hannover, der Urgroßvater und der Großvater des Bräutigams der Prinzessin Victoria Luise.“
Laut Wikipedia wurde der Prinz am 24. Mai 1913 zum Rittmeister befördert. Als die Freiburger Zeitung berichtete, war er noch im Rang eines Oberleutnants. Über die Havelkommune hieß in dem Blatt: „Rathenow ist eine freundliche Stadt, mit sauberen Straßen und Plätzen und mit Fabriken, Wassermühlen und Ziegelbrennereien, Maschinenbauwerkstätten und gärtnerischen und forstlichen Anstalten. Ohne die Zieten-Husaren kann man sich heutzutage Rathenow kaum mehr recht denken.“ Die optische Industrie blieb an der Stelle unerwähnt.
Das allgemeine Frohlocken setzte sich im Beitrag fort. Das Regiment habe sich stets „den Ruf einer Pflegestätte echten preußischen Reitergeistes bewahrt und war unter dem General von Rosenberg, dessen Bronzedenkmal auf dem Zieten-Platze in Rathenow steht, geradezu ein Vorbild für die übrige preußische Kavallerie. Unmittelbar neben dem schlichten Bau des Offizierskasinos der Zieten-Husaren erhebt sich die stattliche, einstöckige Villa des Fabrikbesitzers Robert Eggert, die das Heim des Prinzen Ernst August und der Prinzessin Viktoria Luise werden wird. Die Villa, zu der ein Garten gehört, enthält ungefähr zwölf Zimmer und ist auf das wohnlichste neueingerichtet und ausgestattet worden. Das gesamte Offizierskorps der Zieten-Husaren, mit dem Obersten von Baumbach an seiner Spitze, wird am 24. Mai bei der Hochzeit der Prinzessin Viktoria Luise anwesend sein.“
Doch kaum in der freundlichen Stadt angekommen, zog das Paar im Herbst nach Braunschweig um. Denn dort hatte es den Herzogsthron geerbt. Zu der Zeit war Armand Léon von Ardenne bereits ein Mitsechziger. Von 1866 bis 1873 war er als Leutnant in Rathenow stationiert gewesen. 1871 hatte er die fünf Jahre jüngere Elisabeth von Plotho geheiratet. Die Beziehung endete am 15. März 1887 durch Scheidung. Der Gatte, der im Militär eine steile Karriere hinlegte, hatte sich mit einem Amtsrichter und Reserveoffizier ein Pistolenduell geliefert. Der Gegner hieß Emil Hartwich, ein Freund des Paars, gleichzeitig der heimliche Geliebte der Elisabeth von Ardenne. Heimatdichter Theodor Fontane inspirierten die realen Ereignisse zu seinem Roman „Effi Briest“.


