Adipositas
: Wonneproppen mit Risiko

Jedes fünfte Kind ist zu dick. Kinderärzte schlagen seit Jahren Alarm, dass der Adipositas im Kindes- und Jugendalter zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Im Asklepios Klinikum Uckermark nimmt man dieses Thema sehr ernst und bietet seit vier Jahren ein ambulantes Schulungsprogramm für Betroffene und deren Familien an.
Von
Daniela Windolff
Schwedt
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  • Beliebt bei Kindern und Jugendlichen: Fast Food mit deftigen Hamburgern. Doch zu viel davon macht fett und krank. Die Zahl der übergewichtigen Schulkinder nimmt in Deutschland alarmierend zu. Die Kinderklinik des Asklepios Klinikum Uckermark bietet ambulante Schulungsprogramme für Betroffene an.

    Beliebt bei Kindern und Jugendlichen: Fast Food mit deftigen Hamburgern. Doch zu viel davon macht fett und krank. Die Zahl der übergewichtigen Schulkinder nimmt in Deutschland alarmierend zu. Die Kinderklinik des Asklepios Klinikum Uckermark bietet ambulante Schulungsprogramme für Betroffene an.

    Peter Kneffel
  • Bietet Hilfe an: Dr. Wenzel Nürnberger

    Bietet Hilfe an: Dr. Wenzel Nürnberger

    Franz Roge
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Jedes fünfte Kind ist zu dick. Kinderärzte schlagen Alarm, weil der Adipositas im Kindes- und Jugendalter zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Im Asklepios Klinikum Uckermark nimmt man dieses Thema sehr ernst und bietet ein ambulantes Schulungsprogramm für Betroffene und deren Familien an.

Süße Pausbäckchen, niedliche Speckröllchen und ein runder Kullerbauch ... Was bei Wonneproppen-Babys noch niedlich und gesund wirkt, wird mit zunehmendem Alter nicht nur ein ästhetisches, sondern vor allem ein ernsthaftes gesundheitliches Problem. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind hierzulande übergewichtig. Die Zahl steigt in allen Industrieländern besorgniserregend an. In Deutschland sind je nach Definition 10 bis 20 Prozent aller Schüler übergewichtig. „Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ist in unserem Land eine zahlenmäßig bedeutende Gesundheitsstörung, der bis vor Kurzem in der Kinderheilkunde und Jugendmedizin keine ausreichende Aufmerksamkeit gewidmet wurde“, macht Dr. Wenzel Nürnberger, Chefarzt der Kinderklinik des Asklepios Klinikums Uckermark, deutlich. Besorgniserregend sei vor allem, dass die Zahl extrem adipöser Kinder steige.

Die Ursachen sind vielfältig. Vor allem übermäßige Kalorienzufuhr durch zucker- und fettreiche Nahrungsmittel wie Fast Food, gezuckerte Limonaden und Energy-Drinks, verbunden mit Bewegungsmangel lassen die Fettmasse des Körpers schnell wachsen. „Weil es bisher in unserem Gesundheitssystem nur unzureichende Behandlungsangebote gibt, greifen Betroffene zu kommerziellen Programmen zur schnellen Gewichtsreduktion, ohne dabei die Gefahren und Nebenwirkungen zu erkennen“, mahnt Dr. Wenzel Nürnberger. Die Werbung verspricht Wunderwirkungen durch einseitige Crash-Diäten und teure Diät-Produkte, die jedoch gerade bei Heranwachsenden in Jo-Jo-Fallen und Mangelerscheinungen bis hin zu ernsten Essstörungen führen können.

Das Asklepios Klinikum Uckermark setzt deshalb auf eine ganzheitliche, langfristige Therapie mit medizinischer, physiotherapeutischer und psychologischer Begleitung, in die die ganze Familie aktiv eingebunden wird. „Unsere Kinderklinik bietet zweimal jährlich im Frühjahr und Herbst ein ambulantes Schulungsprogramm ,aktion: aktiv’ an“, erklärt der Chefarzt. Wichtigste Voraussetzung einer erfolgreichen Therapie sei die Motivation. Als Arzt spricht er Klartext: „Adipositas ist eine ernste Gesundheitsstörung. Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-erkrankungen, Störungen des Stütz- und Halteapparates, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes Typ II sind die häufigsten Folgen starken Übergewichtes, die schon bei jungen Patienten festgestellt werden, so Nürnberger. „Die Kinder der heutigen Zeit sind gefährdet, eine geringere Lebenserwartung als ihre Eltern zu haben.“ In den USA gilt Adipositas mit ihren Folgekrankheiten als zweithäufigste Todesursache im Erwachsenenalter. Deutschland ist auf dem Wege, zu folgen.

Ziel der ambulanten Therapie sei nicht schnelle Gewichtsabnahme, sondern eine langfristige Gewichtsregulation durch schrittweise Veränderung des Lebensstils. Für jeden Teilnehmer wird ein individuelles Therapieprogramm erarbeitet. Der vier- bis fünfwöchige Kurs umfasst gründliche ärztliche Untersuchungen, kindgerechte Ernährungsberatung mit gemeinsamem Einkaufen, Zubereiten und Essen, Spaß an Bewegung und Sport sowie Entspannungsübungen.

Ganz wichtig ist es auch, neue Problembewältigungsstrategien zu erlernen, denn oft wird aus Frust oder Langeweile gefuttert oder mit Süßigkeiten belohnt. Ein komplettes Verbot von Süßwaren wird aus psychologischen Gründen allerdings nicht empfohlen.

Die Teilnehmer erhalten Informationsmaterial für zu Hause, und Chefarzt Dr. Nürnberger bietet zusätzlich Elternabende an. Wichtig sei, dass sich die erlernten Ernährungs- und Bewegungskonzepte gut in den Alltag der Familie integrieren lassen und alle Familienmitglieder mitziehen, sonst bestehe schnell die Gefahr, wieder in alte Muster zurückzufallen, betont Dr. Nürnberger.

Das Kursprogramm findet in Kooperation mit dem Wassersportzentrum Schwedt statt.

Informationen und Anmeldung: Tel. 03332 5344-10, E-Mail: k.leonhardt@asklepios.com