Bienenzucht: Schwärmerei für Königinnen

Fette Beute:Manfred Zobel führt Jungimkerin Karla Speer in die Geheimnisse der Bienenzucht ein. Der leidenschaftliche und erfahrene Imker wirbt emsig Nachwuchs und gibt gern sein Wissen weiter.
Daniela WindolffManfred Zobel wird umschwärmt. Tausende flotte Bienen summen den ganzen Sommer lang in seinem großen Garten in der Jahnstraße und beschenken ihn mit goldenen Schätzen der Natur. Honig. Doch nicht nur die fleißigen Nektarsammlerinnen fliegen auf den bodenständigen Uckermärker. Auch immer mehr Damen fühlen sich zu ihm hingezogen. Frauen, die von Manfred Zobel als väterlichem Freund und weisem Lehrmeister Bienenkunde lernen und von seinem reichen Erfahrungsschatz profitieren möchten.
Manfred Zobel wirbt um Imkernachwuchs und gibt sein Wissen gern an Jüngere weiter. Fast täglich hat er Besuch, mal von neugierigen Kindergruppen, die erleben wollen, wo der leckere Frühstückshonig herkommt, mal von Jungimkern, die sich Rat und Tipps von dem Angermünder Kultimker holen möchten. „Erstaunlicherweise sind es überwiegend Frauen, die in die Imkerei einsteigen wollen“, schmunzelt Manfred Zobel. Sogar Sarah Wiener holte sich schon Rat beim Bienenvater. Er nimmt Jungimker und alle, die es werden wollen, gern unter seine Fittiche, um sie in die Geheimnisse des Biens, so heißt der Superorganismus eines Bienenvolkes, einzuweihen.
Die Zahl der Imker und Bienenvölker ist nach der Wende drastisch eingebrochen. „Die Imkerei wurde 30 Jahre lang in Grund und Boden gefahren. Zu DDR-Zeiten gab es rund um Angermünde 82 Imker mit bis zu 2000 Völkern. Wander-Imker bekamen von Landwirten und Gärtnern sogar Bestäubungsprämien. Danach ist die Berufsimkerei fast eingeschlafen. Und auch die alten Hobbyimker sterben aus. Erst seit einigen Jahren erwacht wieder mehr Interesse an der Hobby-Imkerei und auch das Bewusstsein für den unschätzbaren Wert eines gesunden Naturkreislaufes“, erzählt Berufsimker Manfred Zobel, der seit über 50 Jahren Bienen züchtet und unermüdlich für Imkernachwuchhs wirbt.
Honigmachen ist kein Honigschlecken. Viel Wissen, Erfahrung, Geduld und Zeit sind erforderlich, von denen Manfred Zobel seinen Schützlingen gern abgibt.
Karla Speer ist eine der Bienen-Eleven, die bei ihm in die Schule geht. Die 49-jährige Krankenschwester aus Lunow hat sich in die Imkerei verliebt und will sich einen kleinen eigenen Bienenstock zulegen. Eine Freundin, die Jungimkerin ist und ebenfalls bei Manfred Zobel gelernt hat, machte sie neugierig. „Ich liebe die Natur und weiß, wie wichtig Bienen sind und wie dringend wir sie brauchen“, begründet Karla Speer ihr erwachtes Interesse für die pelzigen Insekten. „Je mehr ich über das Leben eines Bienenvolkes lerne, desto faszinierter bin ich. Die Honigernte ist ein schöner Nebeneffekt. Und für mich ist es auch ein schöner Ausgleich“, erzählt die Lunowerin begeistert.
Ihre ersten direkten Begegnungen mit der stolzen Bienenkönigin und ihrem Hofstaat unternimmt Karla Speer jedoch vorsichtshalber in voller Schutzmontur. „Das Wichtigste, was ich meinen Schützlingen zuerst beibringen möchte, ist Vertrauen. Sie sollen den Bienen ohne Angst begegnen und ruhig bleiben, selbst wenn sie tatsächlich mal gestochen werden, was jedem irgendwann passiert“, erklärt der erfahrene Imker. „Bienen stechen ja nicht aus Angriffslust, sondern aus natürlicher Notwehr. Es ist zugleich ihr Todesurteil.“
Die Prinzen müssen sterben
Zobel züchtet eine sanfte Bienenrasse. Die Königin wird in der Luft von mehreren Drohnen, den männlichen Bienen begattet, deren einzige Lebensaufgabe darin besteht, die Königin zu befruchten. Dann sterben die kleinen Prinzen. Die Königin legt die Eier in die von den Arbeitsbienen geputzten Wiegenwaben ab, aus denen neue Bienen schlüpfen.
Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich die Arbeiterinnen und die neue Königin, aus den unbefruchteten schlüpfen die Drohnen. Bis zu 50 000 Bienen gehören zu einem Sommervolk. 20 Völker hat Manfred Zobel.
Im Frühsommer ist Erntezeit. Nach jeder Blüte wird Honig geschleudert, um ihn möglichst sortenrein zu belassen. Jetzt ist gerade die Lindentracht beendet und die Honiggläser sind gefüllt.
Das Leben der Honigbiene ist kurz.⇥Autor XXX
