DDR-Design aus Schwedt
: Vario-PUR-Möbel aus dem PCK sind wieder da

DDR-Design aus Schwedt ist zurück. Das Stadtmuseum zeigt eine Ausstellung über die legendären Vario-PUR Möbel, die in den 70-er Jahren im PCK produziert wurden.
Von
Leona Bellinda Schröder
Schwedt
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Vario-PUR Möbel wurden in den 1970-er Jahren im PCK Schwedt gefertigt. Das Stadtmuseum zeigt ab April 2025 eine Ausstellung über die beliebten Designmöbel aus der Oderstadt. Neben echten Exponaten werden auch zeitgenössische Fotografien gezeigt, hier ein Werbeplakat aus dem Jahr 1973.

Vario-PUR Möbel wurden in den 1970-er Jahren unter anderem im PCK Schwedt gefertigt. Das Stadtmuseum zeigt ab April 2025 eine Ausstellung über die beliebten DDR-Designmöbel aus der Oderstadt. Neben echten Exponaten werden auch zeitgenössische Fotografien gezeigt, hier ein Werbeplakat aus dem Jahr 1973.

Stadtmuseum Schwedt (Repro)
  • Stadtmuseum Schwedt zeigt ab April 2025 Ausstellung über Vario-PUR-Möbel.
  • Vario-PUR-Möbel wurden in den 70er Jahren im PCK Schwedt produziert.
  • DDR antwortete mit diesen Möbeln auf westliche Designstücke.
  • Uschi Patz berichtet aus der Möbelproduktion im PCK.
  • Museum sucht Fotos von Vario-PUR-Möbeln für die Ausstellung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In den 1970-er Jahren wurden in Schwedt Designmöbel produziert, die bis heute Kultstatus genießen: die Vario-PUR-Serie. Entwickelt und hergestellt im Petrolchemischen Kombinat (PCK), galt sie als moderne, funktionale Antwort aus der DDR auf Designermöbel aus dem Westen, wie etwa den Panton Chair des dänischen Designers und Architekten Verner Panton.

Die Designklassiker sind unter Liebhabern von Vintagemöbeln nach wie vor beliebt. Nun widmet das Stadtmuseum Schwedt ihnen eine eigene Ausstellung. Uschi Patz hat früher in der Möbelproduktion im PCK gearbeitet und gibt im Gespräch mit diesem Nachrichtenportal Einblicke in die Arbeit der Produktionsabteilung. Außerdem sucht das Museum Unterstützung von Menschen, die Vario-PUR-Möbel besitzen.

Vario-PUR-Möbel – Design aus dem Osten

In den 1960er Jahren forcierte die DDR den Einsatz synthetischer Materialien im Alltag. Mitte des Jahrzehnts brachte der westdeutsche Bayer-Konzern Polyurethan (PUR) auf den Markt – einen vielseitigen Werkstoff, der auch im Möbelbau neue Maßstäbe setzte. Während Pop-Art-Künstler in der Bildenden Kunst mit knalligen Farben arbeiteten, fanden sich diese auch in ikonischen Entwürfen wie dem westlichen „Panton-Chair“ wider, ebenso wie in Ernst Moeckls „Kängurustuhl“‘ oder dem berühmten „Garten-Ei“.

In den 1970-er Jahren erwarb die DDR Maschinen und Designs für PUR-Möbel aus der Bundesrepublik, sie wurde zum weltweit führenden Produzenten. Offiziell als sozialistischer Fortschritt gefeiert, blieb die westdeutsche Herkunft unerwähnt. Parallel entstanden eigene Entwürfe ostdeutscher Gestalter, von denen manche nie in Serie gingen.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Schwedt beleuchtet die PUR-Möbelproduktion im PCK bis in die 1980er Jahre und zeigt bekannte wie seltene Stücke, unter anderem aus dem Nachlass des Schwedter Designers Siegfried Mehl, den er zu Lebzeiten dem Stadtmuseum Schwedt vermachte.

Der 1942 in Posen geborene Bauingenieur und Designer war maßgeblich an der Gestaltung von Polyurethan-Möbeln im PCK beteiligt und entwickelte eine Leidenschaft für Stühle als Kunstobjekte. Später arbeitete er als Grafiker an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt und schuf Kunstwerke im öffentlichen Raum der Stadt Schwedt, etwa Giebelgestaltungen und Skulpturen wie die „Familie“ vor der Wohnbauten GmbH Schwedt.

Vario-PUR-Möbel aus dem PCK Schwedt waren in den 1970-er Jahren beliebte DDR-Designerstücke. Das Stadtmuseum plant im April 2025 eine umfangreiche Ausstellung mit Originalmöbeln, unter anderem von DDR-Designer Siegfried Mehl. Eva Patz hat damals im PCK in der Vario-PUR-Möbelproduktion gearbeitet.

Vario-PUR-Möbel aus dem PCK Schwedt waren in den 1970-er Jahren beliebte DDR-Designerstücke. Das Stadtmuseum plant im April 2025 eine umfangreiche Ausstellung mit Originalmöbeln, unter anderem von DDR-Designer Siegfried Mehl. Uschi Patz hat damals im PCK in der Vario-PUR-Möbelproduktion gearbeitet.

Leona Bellinda Schröder

Das PCK in Schwedt produzierte die Möbel damals nicht nur für die DDR. Während sich nicht alle DDR-Bürger die hochpreisigen Möbelstücke leisten konnten, wurden viele ins Ausland exportiert. Während der 70-er Jahre erlebten die PUR-Möbel einen regelrechten Hype, doch dieser war 1982 bereits wieder vorüber, und im PCK wurde die Produktion auf Salamander-Schuhprodukte umgestellt, berichtet Zeitzeugin Uschi Patz.

Uschi Patz über die Produktion von PUR-Möbeln im PCK

Uschi Patz erlebte die Produktion der Vario-PUR-Möbel hautnah mit. Im persönlichen Gespräch mit diesem Nachrichtenportal berichtet sie aus dem Alltag der Produktionsabteilung im PCK. Davon, dass man sich vom Betrieb aus gegenseitig auch im Privatleben unterstützt habe, etwa wenn ein Arbeitskollege umzog.

Die 79-Jährige erzählt aus einer anderen Zeit. Etwa auch, dass versucht wurde, „Arbeitsunwillige“ oder ehemalige Häftlinge in der Produktionsabteilung im PCK wiedereinzugliedern – dass Mitarbeitende durchaus zu Hause von ihrem Arbeitgeber abgeholt wurden, wenn sie nicht zur Arbeit erschienen.

Vor allem aber weiß sie um die Besonderheiten der Möbelstücke. „Der Kunststoff wurde in zwei metallene Formhälften gegossen und musste eine Weile aushärten. Wir haben dann die Grate mit Schleifpapier entfernt“, erinnert sie sich.

Uschi Patz war zudem Gewerkschaftsvorsitzende in der Konsumgüterproduktion im PCK. Bis heute besitzt sie selbst mehrere Möbelstücke aus der PUR-Serie. Mitarbeiter hätten damals die Möglichkeit bekommen, kostengünstig Exemplare zu erwerben – solche mit kleinen Schönheitsfehlern, die sie selbst in der Produktion ausbesserten. „Meine persönliche Geschichte zu den Möbeln?“, erinnert sie sich. „Im PCK lernte ich damals meinen Mann kennen, der ebenfalls in der Produktion arbeitete.“

Stadtmuseum Schwedt sucht Fotos von PUR-Möbeln für die Ausstellung

Die Ausstellung „Schwedt PUR“ im Stadtmuseum lebt auch von den Erinnerungen der Schwedterinnen und Schwedter. Das Museum ruft dazu auf, Fotos von Vario-PUR-Möbeln einzureichen. Ziel ist es, ein möglichst umfassendes Bild der damaligen Möbelproduktion zu zeigen und die Designtradition Schwedts zu bewahren.

„Schwedt PUR“ – alle Infos zur Ausstellung

Wann: vom 27. April 2025 um 15 Uhr bis 19. Oktober 2025

Eintritt zur Eröffnung kostenfrei!

Im Stadtmuseum Schwedt

Jüdenstraße 16

16303 Schwedt

Fotos für die Ausstellung Schwedt PUR gesucht

Menschen, die PUR-Möbel besitzen und bereit sind, Fotos der Möbel für die Ausstellung im Schwedter Stadtmuseum zur Verfügung zu stellen, können sich direkt beim Museum melden:

Telefon: 03332 - 23 460

Die Ausstellung im Stadtmuseum Schwedt rückt ein fast vergessenes Stück DDR-Designgeschichte ins Rampenlicht. Die Vario-PUR-Möbel, einst unter anderem in Schwedt entwickelt und gefertigt, stehen für eine Zeit, in der Funktionalität und Gestaltung gleichermaßen wichtig waren. Mit Originalmöbeln, Zeitzeugenberichten und historischen Dokumenten wird das Erbe dieser besonderen Designserie gewürdigt.