Einzelhandel
: Überlebenshilfe für Einzelhandel

Immer mehr Geschäfte in der Angermünder Innenstadt stehen leer. Dafür wollen sich Discounter und große Ketten am Stadtrand weiter ausbreiten. Angermünde versucht, gegenzusteuern.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Mieter gesucht: In der Angermünder Altstadt stehen viele Geschäfte leer. Die Fluktuation ist groß, weil die Konkurrenz der großen Märkte und des Internets drückt. Doch für einige gibt es inzwischen Interessenten.

Daniela Windolff

Immer mehr Geschäfte in der  Innenstadt stehen leer. Dafür wollen sich Discounter und Ketten am Stadtrand weiter ausbreiten.

 Bisher kann die Stadtverwaltung in diese freie Markt–Wirtschaft kaum eingreifen. Deshalb soll ein Einzelhandelskonzept die Ansiedlung des Einzelhandels steuern helfen. Die Stadt hat das Planungsbüro Junge + Kruse Stadtforschung Planung aus Dortmund beauftragt, den aktuellen Bestand zu erstellen und ein Einzelhandelskonzept zu erarbeiten, das im Entwurf nun vorliegt. 130 Seiten analysieren detailliert die Einzelhandelsstrukturen von der Verkausfläche, über Kundenströme, Sortimente bis zur Kaufkraft, legen Stärken und Lücken dar und zeigen Ziele auf, wie sich der Einzelhandel in der Innenstadt beleben lässt, aber auch die wohnortnahe Versorgung gewährleistet wird.

 In Angermünde gibt es aktuell 100 Einzelhandelsbetriebe mit einer Gesamtverkaufsfläche von 22 850 Quadratmetern. Das entspricht 229 Quadratmeter pro Einwohner und entspricht dem Bundesdurchschnitt von 230 Quadratmetern. Davon entfällt der überwiegende Anteil auf Nahrungs– und Genussmittel. Die Kaufkraft in der Region entspricht allerdings nur 90 Prozent des Bundesvergleichs.

 Für die Analyse wurden auch Kunden nach ihren Wohnorten befragt. Haupteinzugsgebiet für den Einzelhandel in Angermünde ist die Stadt selbst sowie die Ortsteile. 84 Prozent der Kundenströme stammen aus diesem Gebiet. Zum näheren Einzugsgebiet gehören Nachbargemeinden wie Lunow–Stolzenhagen, Gramzow oder Chorin. Hier schlummert Kundenpotenzial. Für die Planer ergibt sich daraus, dass Angermünde Versorgungsschwerpunkt auch für das nähere Umland ist. Doch in der Stadt selbst ergibt sich ein sehr geteiltes Bild.

 Während sich am Schwedter Tor und im Grundmühlenweg die Discounter und Ketten konzentrieren, ist die Weststadt ein weißer Fleck. In der Altstadt dünnt sich der Einzelhandel immer weiter aus. Hier fehlt ein Kundenmagnet, zum Beispiel ein größerer Lebensmittelanbieter oder großflächiges Angebot für Bekleidung. Die Planungsexperten schließen daraus auf einen hohen Kaufkraftabfluss in die großen Märkte und in die Region. Das betrifft ebenso Sport– und Freizeit, Elektro, Elektronik und Multimedia, Möbel und anderes.

In der Altstadt müsste ein größerer Standort dafür entwickelt werden, um sie nicht an den Rand zu drängen. So will die Stadt zum Beispiel mit Rewe verhandeln, auf die Ansiedlung einer Drogerie im geplanten neuen Rewemarkt zu verzichten, um Rossmann in der Innenstadt nicht zu gefährden. Die SVV berät das Einzelhandelskonzept am 24. April.