Einzelhandel: Überlebenskampf in der City der Oderstadt

Menschenleer: Die Fußgängerzone Vierradner Straße an einem ganz normalen Dienstag. Immer mehr Ladengeschäfte schließen, dafür ziehen Versicherungen, Friseure und Pflegedienste ein.
Michael Dietrich/MOZWo Schwedter und Besucher früher gern eingekauft und und gebummelt hätten, erlebe man heute nur noch ein Trauerspiel. "Es gibt kaum noch Leben in der Straße“, schreiben die Händler und beklagen, dass immer mehr Dienstleister die Geschäfte besiedeln, die keine Kundschaft, Besucher oder Touristen anziehen. „Die letzten Geschäfte, die noch da sind und einen Überlebenskampf führen, können die Umsatzeinbußen kaum noch wegstecken und stellen sich jeden Tag die Frage, ob sie weitermachen oder aufgeben sollen“, schreibt Mike Ostermann vom Modegeschäft Bijou Chrost. Unterzeichnet haben den Brief auch Manekin Second Hand, Augenoptik Steyer, Altstadtcafé, Alf’s Boutique, Beates Hochzeitskleider und Café La–di–ver.
Im Brief benennen die Geschäfte als Grund für das Trauerspiel ein fehlendes oder falsches Konzept für die Straße, außerdem eine falsche Bebauung, die traurig anmutende Weide und fehlende Bänke. Hans–Joachim Höppner, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, hat als erste Reaktion auf den Brief angekündigt, dass er mit den Geschäften Kontakt aufnehmen und ins Gespräche kommen will. Dass die Straße und angrenzende Bereiche mit ihren Geschäften derzeit wenig attraktiv ist, das weiß die Stadt. Sie hat ein Einzelhandels– und Zentrenkonzept einschließlich Analyse der Gastronomie–Situation erarbeiten lassen, das derzeit öffentlich ausgelegt ist. Darin werden neben positiven Merkmalen wie saubere, hochwertig gestalteter Straßenraum, Frequenzbringer Nahkauf, freies WLAN oder Wochenmarkt ohne Umschweife auch kritische Punkte aufgezählt wie fehlende Lebendigkeit, Kundenfrequenz und Angebotsvielfalt, triste Fassaden, langestreckte tote Passagen und fehlende Bänke.
Im Karree Vierradener Straße, Karthausstraße und am Stadtpark ist seit Jahren ein Trend zu beobachten, der die Ladengeschäfte immer rarer werden lässt.
Friseure und Pflegedienste
Bäcker, Buchhandlung, Bettengeschäft schließen, dafür ziehen Steuer– und Anwaltsbüros, Versicherungen nach, in jüngster Zeit verstärkt Friseure und andere Dienstleister wie Fußpflege, Ergotherapie oder Gehörhilfe sowie zahlreiche Pflegedienste. Für solche Dienstleistungen gibt es in der Stadt mit einem wachsenden Anteil der älteren Bevölkerung steigenden Bedarf. Der Verein Momentum verteidigt, dass viele seiner Mitglieder wie Fielmann, Frauenzimmer, Reisebüro Zwerg nicht unterschrieben haben, bei Aktionen mitmachen und und selbst aktiv dafür sorgen, dass die Straße attraktiver werde.
In der Konzeption Einzelhandel und Gastronomie sind Vorschläge enthalten, wie die Innenstadt attraktiver werden könne, zum Beispiel durch Ansiedlung von Kundenmagneten, Cafés und Gaststätten. Der Vermieter Wohnbauten, dem viele der Geschäfte der Vierradener Straße gehören, spricht jedoch davon, dass es schlichtweg keine Interessenten gibt, die in die Läden ziehen wollen und davon leben könnten. Dort sieht man eher eine Zukunft für Dienstleister zum Beispiel im Gesundheit– und Kosmetikbereich. „Eine Wahl, wem wir vermieten, haben wir nicht“, sagt Geschäftsführer Rouald Helm.