Eisenbahnnostalgie
: Mit Volldampf nach Stettin

Das Amt Gartz will auf Bedeutung der Stettiner Linie als Rückgrat für eine ganze Region aufmerksam machen - mit einem Sonderzug.
Von
Oliver Schwers
Angermünde
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Die legendäre Baureihe 03: Die Dampflok galt als eines der Rennpferde der Deutschen Reichsbahn. Sie zieht am 15. März einen historischen Sonderzug auf der Jubiläumsstrecke Berlin-Stettin mit 500 Fahrgästen, begleitet von vielen Fotografen.

Oliver Voigt

Heiß begehrt sind kostenlose Fahrkarten für den historischen Sonderzug mit einer Dampflok am 15. März von Berlin nach Stettin und zurück. Das Spektakel soll an die Gründung der Eisenbahnlinie vor über 175 Jahren erinnern.

Auch alte Reichsbahner überall entlang der Strecke haben sich gemeldet. Sie wollen noch einmal ein rollendes Stück ihrer früheren Berufswelt in Aktion erleben. Und so haben die Nostalgie-Reichsbahner von heute ihren betagteren Vorvätern zugesagt, sogar ein paar Rollstühle an Bord zu hieven, wenn es zischend und prustend wie zu Kaisers Zeiten von Berlin Richtung Norden geht. Vorweg eine Dampflok der Baureihe 03, gebaut im Jahre 1934. Sie galt als eines der Rennpferde der Deutschen Reichsbahn.

500 Menschen passen in die Eil- und D-Zug-Wagen, die an die einst schnelle Verbindung zwischen Berlin und Stettin erinnern. Die Strecke gehörte mit ihrer Inbetriebnahme 1843 zu den wichtigen Fernverbindungen zu damaliger Zeit. Rasant wuchs das Verkehrsaufkommen. Menschen entdeckten die neuen Möglichkeiten, ließen Postkutschen und Pferde stehen, um auf das Dampfross umzusatteln. Händler, Gutsbetriebe und Molkereien verlagerten ihre Waren auf die Schiene. Die gesamte Region links und rechts der Eisenbahn veränderte sich.

Heute führt die Hauptverbindung von Berlin über Bernau, Eberswalde bis nach Angermünde und dann weiter nach Stralsund. Der Abschnitt nach Stettin endet auf einer Linie, der das zweite Gleis fehlt. Von elektrischen Oberleitungen ganz zu schweigen. Und genau das soll sich wieder ändern. Mit Ertüchtigung der Strecke auf  Tempo 160, der Elektrifizierung und der Zweigleisigkeit ab 2026 bekommt die deutsche Hauptstadt eine Fernverbindung an die Ostsee zurück, die in das europäische Streckennetz eingebettet wird.

All das will Frank Gotzmann mit dem Sonderzug würdigen. Viele Jahre hat der Amtsdirektor im Amt Gartz im Kreis Uckermark auf die Ertüchtigung des grenzüberschreitenden Schienenwegs gepocht. Jetzt laufen die Planungen. Gotzmann lässt zum 175. Geburtstag – wenn auch um einige Monate verspätet – alle Fahrkarten kostenlos verteilen. „Die Eisenbahn war und ist das Rückgrat der Region. Mit dem Umbau bekommen die Bahnverbindungen eine ganze andere Dimension.“

Noch sind Tickets für das Spektakel erhältlich. Große Nachfrage besteht für die Hinfahrt von Berlin mit Halt in Eberswalde nach Angermünde. Dort hat der Zug etwa 45 Minuten Aufenthalt, weil die Lok Wasser benötigt. Damit finden Fotografen und Zuschauer ausgiebig Gelegenheit für eine Besichtigung der elf Wagen mit Speiseabteil. Für den Abschnitt Angermünde-Tantow gibt es noch etwa 150 Karten. Zwischen Tantow und Stettin und von dort weiter bis Pölitz sind nur noch Restplätze erhältlich. Ebenso für die Rückfahrt bis Tantow. Die größte Chance, auch mit größeren Gruppen das Dampfspektakel in alten Abteilen der Reichsbahn zu erleben, besteht für die Fahrten von Tantow nach Angermünde und von dort weiter bis Berlin (wieder über Eberswalde, Biesenthal und Bernau). „Gerade das wäre auch für Interessenten aus dem Barnimer Raum interessant“, sagt Frank Gotzmann. „Dort gibt es viele frühere Eisenbahner, die sich das nicht entgehen lassen.“ Das Amt Gartz will noch Schulen sensibilisieren. Klassen können kostenlos eine Strecke mit dem Sonderzug fahren und dann gegebenenfalls mit der Regionalbahn wieder zurück.

Unterstützung erhält die Jubiläumsfahrt von der Euroregion Pomerania. Der Fahrplan ist unter www.gartz.de veröffentlicht. Anfragen unter Telefon 033332 770. Restkarten gibt es am jeweiligen Bahnsteig.

Fahrplan

■ Der Sonderzug startet als D 310 um 7.13 Uhr in Berlin-Lichtenberg. Er hält um 8.16 Uhr in Eberswalde und kommt um 8.43 in Angermünde an. Dort hat der Zug Aufenthalt bis 9.23 Uhr und setzt seine Fahrt als D 328 fort. Die Ankunft in Tantow wird um 9.58 Uhr erwartet. Von hier rollen die Wagen um 10.36 Uhr Richtung Stettin (Ankunft 11 Uhr). Von da geht es weiter um 11.30 Uhr nach Pölitz.

■ Die Rückfahrt startet um 12.34 Uhr in Pölitz, nachdem die Tenderlok gewendet hat. Ankunft in Stettin ist um 13.10 Uhr. Als E 160 verkehrt der Sonderzug ab 13.49 Uhr und kommt um 15.10 Uhr in Tantow an. Station macht er unterwegs in Casekow (15.19 Uhr), Passow (15.33 Uhr) und erreicht Angermünde um 15.55 Uhr. Hier ist ein Aufenthalt von einer Stunde eingeplant. Um 16.56 Uhr geht es als Eilzug E 175 über Eberswalde (17.15 Uhr), Biesenthal (17.40 Uhr) und Bernau (17.52) zurück nach Berlin-Lichtenberg (18.16 Uhr).

■ Die besten Möglichkeiten für Freikarten sind noch für die Rückfahrten ab Angermünde bis Lichtenberg. Restkarten werden auch noch am jeweiligen Bahnsteig ausgegeben.

■ Die Gesamtstrecke Berlin-Stettin hat eine Länge von 138 Kilometern. Das letzte Teilstück von 40 Kilometern ab Passow ist seit dem Zweiten Weltkrieg nur eingleisig wegen Reparationsleistungen an die Sowjetunion. Heute verkehren täglich in jede Richtung nur drei durchgehende Personenzüge, ähnlich wie 1843.