Energieversorgung
: Millionenschwerer Umbau des Angermünder Umspannwerks

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die E.dis Netz GmbH in Angermünde mehrere Millionen Euro investiert.
Von
Oliver Schwers
Angermünde
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  • Vor dem neuen Transformatorenfeld: Stephan Krinke (l.) und Ingo Kluge von der E.dis Netz GmbH stehen am Umspannwerk in Angermünde. Hier sind Millionen investiert worden.

    Vor dem neuen Transformatorenfeld: Stephan Krinke (l.) und Ingo Kluge von der E.dis Netz GmbH stehen am Umspannwerk in Angermünde. Hier sind Millionen investiert worden.

    Oliver Schwers
  • Neue Schaltanlage: Sie geht in wenigen Wochen in Betrieb. Künftig haben Windstromeinspeiser ein separates Teilnetz.

    Neue Schaltanlage: Sie geht in wenigen Wochen in Betrieb. Künftig haben Windstromeinspeiser ein separates Teilnetz.

    Oliver Schwers
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Die großen Leitungen der weit übers Land reichenden Strommasten führen an der B 198 am Ortseingang von Angermünde direkt zur Erde. Hier landet die Energie, wird umgewandelt und in die Netze verteilt. Seit 1960 steht das Umspannwerk an diesem Platz. Doch Strom hat heute eine ganz neue Bedeutung bekommen. Das liegt am wachsenden Bedarf in allen Bereichen der Gesellschaft, an Elektro-Mobilität, Kommunikation und Digitalisierung. Das liegt aber auch an den neuen Wegen der Energie. Denn die Uckermark ist nicht nur Stromabnehmer, sondern in erster Linie Stromlieferant. Photovoltaikanlagen und Windfelder speisen in Größenordnungen in die zentralen Netze ein.

Darauf hat der Energieversorger E.dis jetzt mit dem Umbau des Umspannwerkes in Angermünde reagiert. Schon im vergangenen Jahr ist direkt neben den bestehenden Anlagen ein weiteres Transformatorenfeld (110 kV) entstanden. Es soll in wenigen Wochen in Betrieb gehen. Gleichzeitig wurde ein Gebäude für eine neue 20-kV-Schaltanlage (quasi das Herzstück des Werkes) errichtet. Für die alten Einrichtungen gab es weder Ersatzteile noch einen Service.

Künftig können die Direkteinspeiser aus den Windfeldern technisch besser gehandhabt werden, da für sie nun ein separates Teilnetz zur Verfügung steht. Das betrifft beispielsweise die großen und leistungsstarken Anlagen bei Crussow. „Das öffentliche Netz hat mittlerweile einen zu großen Umfang angenommen, sodass bei Netzfehlern unzulässige Betriebszustände erreicht werden“, erklärt Stephan Krinke von der E.dis Netz GmbH, Regionalbereich Ost Brandenburg. „Das würde eine zeitweilige Abschaltung der Einspeiser erforderlich machen. Und es gibt weitere Anfragen und Anträge für neue Windkraftanlagen, die eine Verstärkung des Mittelspannungsnetzes notwendig machen.

Die Anforderungen an die technische Ausstattung und die Leistungsfähigkeit der Netze wachsen ständig. Der Energieversorger investiert mehrere Millionen Euro in den Standort Angermünde. Das alte Gebäude bleibt bestehen. Hier haben zwei Meisterbereiche mit 15 Mitarbeitern ihren Sitz. Ansonsten ist das eigentliche Umspannwerk ferngesteuert von der Netzleitstelle Potsdam.

Modernisierung der Anlagen

Der Standort stellt im Energienetz der gesamten Region einen bedeutenden Knoten dar. Schon in den vergangenen 20 Jahren wurde hier in die Modernisierung von technischen Anlagen investiert. Um das Leitungsfeld zu vergrößern, hatte man dazu sogar ein daneben befindliches Wohnhaus abgerissen.

Das Unternehmen plant weitere Veränderungen. So wird auch das baugleiche Umspannwerk in Fürstenwalde durch eine neue Schaltanlage ersetzt.

Auch die Deutsche Bahn baut ihre Netze in Sachen Energieversorgung aus. Dabei geht es um die künftige Stromversorgung für die Elektrifizierung der Stettiner Eisenbahnlinie. Doch entsteht hier ein eigenes Werk, welches mit dem Umspannwerk von E.dis nichts zu tun hat.

Die Bauarbeiten in Angermünde sollen spätestens im April abgeschlossen sein.

Geschichte

Errichtet wurde das Umspannwerk Angermünde 1960. Das Schaltpersonal wohnte damals in einem Haus direkt vor Ort. 1993 ist die 110-kV-Schaltanlage bei laufendem Betrieb erneuert worden. Es handelt sich um zwölf Schaltfelder mit einer Doppelsammelschienenanlage. Gleichzeitig erfolgte die Anbindung an das Netzleitsystem zur Fernsteuerung. 1994 wurde die 20 kV-Schaltanlage erneuert. 2005 wurde ein 110-kV-Leitungsfeld hinzugefügt. 2010 ließ das Unternehmen die gesamte Schutz- und Steuerungstechnik umbauen.⇥os