Energiewende
: Boom bei Solarpark um Angermünde

Angermünde bekommt Anträge auf den Bau von Solarparks auf Landwirtschaftsflächen. Der Ruf nach Kriterien wird laut.
Von
Kerstin Unger
Angermünde
Jetzt in der App anhören
  • Begehrte Energiefläche für die Energiewende: Entlang der Bahnschienen zwischen Angermünde und Kerkow will ein Unternehmen auf insgesamt 66 Hektar einen Solarpark bauen.

    Begehrte Energiefläche für die Energiewende: Entlang der Bahnschienen zwischen Angermünde und Kerkow will ein Unternehmen auf insgesamt 66 Hektar einen Solarpark bauen.

    Oliver Voigt/MOZ
  • Bebaute Flächen: Zwischen den Photovoltaikanlagen bleibt nur für kleinteilige Nutzungen Platz.

    Bebaute Flächen: Zwischen den Photovoltaikanlagen bleibt nur für kleinteilige Nutzungen Platz.

    Kerstin Unger
1 / 2

Jede Menge Anfragen

Die fordert auch die Stadt Angermünde. „Fast täglich gehen bei uns Anfragen für den Bau von Solaranlagen auf privaten Grundstücken, Feldern und in Ortslagen ein“, sagt die Fachbereichsleiterin Planen und Bauen, Susanne Tahineh. Derzeit liegt zum Beispiel der Antrag der Wattmanufaktur GmbH & Co. KG aus Schleswig–Holstein vor. Sie will eine Photovoltaikanlage auf landwirtschaftlichen Flächen entlang der Bahnlinien Berlin–Stralsund und Angermünde–Stettin in Richtung Kerkow errichten.  Der Geltungsbereich des Bebauungsplanes  würde eine Fläche von 66 Hektar umfassen. Davon wären 25  Hektar von Solarmodulen bedeckt. Diese haben eine Höhe von 2,50 bis 3 Meter. Die Gestelle werden in den unbefestigten Untergrund gerammt. Mit einem Zaun wird die Anlage gesichert. Der Vorhabenträger kündigt ein besonderes ökologisches Flächenmanagement an. Die Flächen unter den Solarmodulen sollen demnach standortbezogen und naturnah genutzt werden und Artenvielfalt von Fauna und Flora begünstigen, zum Beispiel durch Imkerei und nachhaltige Beweidung. Durch einen Reihenabstand von vier Metern würden Brut– und Nahrungsgebiete für viele Vogelarten entstehen und man könnte durch die Aussaat regionaler Pflanzen ein weitreichendes Nahrungsangebot für Insekten schaffen, heißt es in der Projektbeschreibung.

Einheitliche Kriterien

Eine erste Abstimmung zum Aufstellungsbeschluss zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Solarpark Angermünde/Kerkow erfolgte im Ortsbeirat Kerkow. Susanne Tahineh möchte jedoch im Bauausschuss der SVV in der nächsten Woche noch einmal auf die Problematik hinweisen und eine Strategie mit den Abgeordneten entwickeln. „Wir wollen erneuerbare Energien nicht verhindern, aber einheitliche Kriterien schaffen, zu denen wir Solarparks zulassen möchten“, sagt sie. Doch durch die großzügige Förderung durch die Bundesregierung beziehungsweise Einspeisevergütung bestehe die Gefahr, dass immer mehr landwirtschaftliche Flächen verlorengehen. „Sicher bedeutet die Förderung von Solaranlagen feste Einnahmen für die Landeigentümer und Bauern, die durch die letzten Dürrejahre Einbußen hatten. Für die Stadt ist das aber nicht gut. Deshalb würde ich gerne mit den Stadtverordneten einen Fahrplan für die Stadt festlegen, der Ausschlusskriterien vorsieht“, sagt die Bauamtschefin. „Wir möchten die Einzigartigkeit des Landschaftsbildes mit ihrer landwirtschaftlichen Nutzung erhalten.“