Entdeckung: Rettung eines verborgenen Kunstschatzes in Schwedt
Nun will das Asklepios Klinikum Uckermark das Gebäude abreißen. Einige Nutzer wie der onkologische Schwerpunkt sind schon ausgezogen, andere Mieter stehen kurz davor. Im Oktober sollen die ersten Abbrucharbeiten beginnen.
Was passiert mit dem Wandbild? Diese Frage hat Stadtverordnete und Kunstfreunde gleichermaßen beschäftigt. Das Bild ist ein typisches DDR-Auftragswerk aus den 1970er-Jahren und kündet von den Aufbaujahren der Stadt Schwedt. Es weist aber in seiner künstlerischen Raffinesse über diese Zeit hinaus. Das Bild ist aus Meißener Spaltkeramik gefertigt. Viele einzelne Fliesen ergeben das Werk.
Eine von fünf Keramikarbeiten von Gerhard Goßmann
Der Maler und Grafiker Gerhard Goßmann hat in seinem Leben fünf solcher Keramikarbeiten geschaffen. Eine dieser Arbeiten hängt in Schwedt. „Ohne lokalpatriotisch sein zu wollen – unser Wandbild hier ist das Schönste“, behauptet Liane Morgner, ehemalige Galerieleiterin in Schwedt. „Goßmann hat in diesem Werk Anleihen bei Wilhelm Busch genommen und witzige Szenen geschaffen.“
Andrea Schelhas ist in der Stadtverwaltung Schwedt zuständig für Kultur- und Kunstangelegenheiten. Sie erläutert: „Als uns die Nachricht erreichte, dass das Gebäude abgerissen werden soll, haben wir sofort Kontakt zum Klinikum aufgenommen. Wir wollen das Kunstwerk im Original für die Schwedter erhalten. Viele haben schöne Erinnerungen daran und es ist wertvoll.“ Inzwischen seien Baufachleute vor Ort gewesen und hätten untersucht, wie man die Spaltkeramik zerstörungsfrei lösen kann. Das Urteil: Man kann sie vorsichtig heraustrennen. Der Stadt liegt das Angebot einer Firma mit Fachwissen vor, die sich zutraut mit DDR-Baumaterialien umzugehen. 15.000 Euro soll das kosten. Die Stadt bezahlt.
Wandbild soll zwischengelagert werden
Nach dem Abnehmen soll das Wandbild erst einmal zwischengelagert werden. „Uns schwebt vor, das Bild im Eingangsbereich des künftigen Bürgerhauses im Stadtteil Kastanienallee anzubringen. Aber wir sind auch offen für andere Ideen. Ein Seniorenheim wäre ebenso möglich,“ sagt Andrea Schelhas.
Liane Morgner hat inzwischen einen Antrag an das Bürgerbudget gestellt, um die Nachnutzung des Bildes zu ermöglichen. Sie schlägt als neuen Standort die Vorhalle im Ärztehaus am Brechtplatz vor. "Medizin und Gesundwerden und dabei zu lächeln, das ist doch schön. Dieser Goßmann gehört wieder in die Öffentlichkeit“, ist Liane Morgner überzeugt. 300 Unterschriften habe sie schon für ihren Vorschlag.
Das Asklepios Klinikum Uckermark hat für das in die Jahre gekommene Apotheken-Gebäude keine Verwendung mehr. Der Konzern will das Areal nach den Abrissarbeiten als Reservefläche vorhalten.
Lesen Sie hier, wie es weitergeht: Schwedter bekennen sich zur Rettung des Wandbildes
Künstler mit einem Augenzwinkern
Als Maler und Grafiker hat Gerhard Goßmann (1912 bis 1994) viele Jahre in Fürstenwalde gelebt und gearbeitet. Er war studierter Kunsterzieher und zeitweilig Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler des Bezirkes Frankfurt (Oder). Goßmann hat unter anderem viele Illustrationen für den Kinderbuchverlag Berlin geschaffen sowie baugebundene Kunst. Dazu gehört die Giebelgestaltung einer Schule in Neuhardenberg. ⇥emw

