Geburtshilfe: Berufung zum Glücklichmachen

Freundlicher Empfang: Die neuen Hebammen Paulina Myszoglad (links) und Nicola Strominska kommen wie ihr Chefarzt Dariusz Jedrzejczak aus Polen und verstärken das Team der Geburtshilfe im Asklepios Klinikum Uckermark.
Daniela WindolffSie arbeiten auf der fröhlichsten Station des Klinikums: Nicola und Paulina sind Hebammen und begleiten Frauen auf dem Weg zum Muttersein. Die jungen Polinnen verstärken seit Kurzem das Team der Geburtshilfe im Schwedter Krankenhaus.
„Mein erstes Baby heißt Andreas. Sein Geburtstag ist für mich unvergesslich schön“, erzählt Paulina Myszoglad mit strahlenden Augen. Andreas ist allerdings nicht das eigene Kind der 22–Jährigen. Es ist das erste Baby, dem die junge Hebamme auf die Welt geholfen hat. Danach wusste sie: „Das ist mein Traumberuf. Das möchte ich machen!“
Seit Januar arbeitet Paulina als Hebamme im Kreißsaal der Geburtsklinik im Asklepios Klinikums Uckermark in Schwedt. Sie ist Polin wie inzwischen viele ihrer Kolleginnen, wie die Ärztin, die bei ihrer ersten Geburt an ihrer Seite war, und wie ihr Chefarzt. „Nicht nur hier in Schwedt fehlen deutsche Fachkräfte, das ist ein bundesweites Problem. Polen ist ganz in der Nähe, und auch dort gibt es eine sehr gute Ausbildung, die in allen EU–Ländern anerkannt wird. Die Hebammenausbildung in Polen ist gleichwertig. Voraussetzung für die Arbeit in Deutschland ist eine Sprachprüfung. Ohne gute Deutschkenntnisse geht es im medizinischen Bereich nicht“, erklärt Dariusz Jedrzejczak.
Er selbst ist seit Anfang Januar neuer Chefarzt der Frauenklinik in Schwedt und nun glücklich, die Lücken im Team mit den jungen polnischen Hebammen ausfüllen zu können. Damit stehen nun insgesamt fünf Hebammen den werdenden Müttern im Kreißsaal zur Seite und sichern rund um die Uhr die Geburtshilfe ab. Auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen. Die beiden neuen Kolleginnen haben in Stettin am Uni–Klinikum gelernt, dessen Geburtsklinik um einige Nummern größer ist.
„Hier in Schwedt gefällt mir die familiäre Atmosphäre und die tolle Ausstattung im Kreißsaal, die uns alle Möglichkeiten bietet, auf die Wünsche der Frauen einzugehen und die Geburt natürlich und unvergesslich zu gestalten“, erzählt Nicola Strominska. Nur die Bürokratie sei in Deutschland aufwendiger, gesteht die 23–Jährige, die seit August direkt nach ihrer Ausbildung in Schwedt arbeitet. „Meine Mutter wollte immer Hebamme werden und schwärmte von diesem Beruf. Sie hatte aber nie Gelegenheit, das zu lernen. Also bin ich diesen Weg gegangen. Es ist ein sehr verantwortungsvoller, aber auch ganz besonderer Beruf, weil man Menschen in den glücklichsten Momenten erlebt.“
Mittlerweile hat sie schon 50 Entbindungen als Hebamme begleitet, aber jede sei besonders und immer wieder aufregend. „Jede Frau ist verschieden. Jüngere reagieren anders als ältere — die jungen haben noch viel Kraft und arbeiten gut mit“, erzählt Nicola. Ihre jüngste Mutter war gerade mal 16 Jahre alt.
Auch die Wünsche der Kreißenden seien individuell verschieden und schließlich erfordern auch die Väter Aufmerksamkeit, was manchmal anstrengend sei. „Zum Glück ging bisher jede Geburt gut.“ Bei Komplikationen steht im Klinikum rund um die Uhr ein Arzt und auch ein Kinderarzt bereit. „Bei einer normalen Geburt bleibe ich im Hintergrund. Die Hebammen arbeiten völlig selbstständig und eigenverantwortlich“, betont der Chefarzt, der seinen Kolleginnen voll vertraut. „Eine Geburt ist keine Krankheit, sie ist etwas ganz Natürliches und Schönes und so wollen wir es auch hier gestalten. Das ist die Verantwortung der Hebammen. Sie können von der Geburtswanne über Petziball, Aromatherapie, Entspannungsmusik bis zu Massagen alles verwenden, was den Frauen die Schmerzen lindert und die Entbindung erleichtert und sie mit ihrer fachlichen Kompetenz und viel Zuspruch unterstützen“, sagt Dariusz Jedrzejczak.
Und dann kommt er, der schönste Moment, der Paulina und Nicola immer wieder aufs Neue bestätigt, den absoluten Traumberuf zu haben: „Du legst das Baby auf die Brust der Mutter und schaust zu, wie sie erschöpft und glücklich zum ersten Mal stillt.“
